Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2001

12:18 Uhr

vwd LOS ANGELES. Die Geschichte von eToys Inc, Los Angeles, könnte für das Schicksal des frühen E-Commerce stehen. Hohe Investitionen aus einer Zeit, als Unternehmer und Investoren noch ungetrübte Internet-Visionen hatten, stehen Umsätzen gegenüber, die mit den optimistischen Planungen der Vergangenheit nicht mithalten konnten. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) in seiner Montagsausgabe berichtet, wird der Online-Händler eToys im laufenden Geschäftsjahr (zum 31. März) voraussichtlich einen Umsatz von rund 200 Mill. $ verbuchen. Das ist knapp ein Viertel der 750 Mill. bis 900 Mill. USD, die der US-Spielzeughändler zur Erreichung der Profitabilität benötigt.

Ursprünglich hatte man den Breakeven für 2002 angekündigt. Nach hohen Umsatzsteigerungen der Vergangenheit (1997: 700 000 $, 1998: 30 Mill. $, 1999: 150 Mill. $) hatte eToys die Entwicklung für die Zukunft fortgeschrieben und sich auf gigantische Wachstumsraten verlassen. Nun gilt es, in kurzer Zeit weitere 150 Mill. bis 200 Mill. $ aufzubringen. Dem Zeitungsbericht zufolge reichen die Mittel des US-Händlers bis kommenden März.

Potentiellen Markt und Tempo überschätzt

Wie andere Start-Ups stand eToys vor dem Dilemma, eigene teure Infrastruktur aufzubauen oder zentrale Funktionen fremdzuvergeben. Vor der Weihnachtssaison 1999 entschied man sich dazu, die Distribtion an Dritte zu vergeben: Rund vier Prozent der Waren wurden mit Verspätung ausgeliefert und hinterließen einen großen Imageschaden. Daraufhin baute eToys im vergangenen Jahr ein neues Distributionszentrum, das bis Ende September 2000 rund 124 Mill. $ kostete. Hinzu kommt eine sehr ansprechende aber aufwendige Web-Site für 43 Mill. $. Doch die Kunden blieben fern. Das Weihnachtsgeschäft 2000 brachte dem Bericht zufolge ein Umsatzplus von lediglich 35 bis 40 %.

eToys hat - wie viele andere auch - nach Einschätzung von Analysten den potenziellen Markt und das Tempo überschätzt, mit dem die Entwicklung im E-Commerce voranschreiten würde. Im Dezember sind dem Zeitungsbericht zufolge die Zeiten, in denen US-Kunden online waren, jedoch gesunken. Gleichzeitig drängen Wettbewerber aus dem stationären Handel auf den Markt, wie das Joint Venture von Toys 'R' Us Inc, Paramos, und Amazon.com Inc, Seattle, oder Handelsriese Wal-Mart. Analysten bezweifeln inzwischen, ob es sich Online-Händler überhaupt leisten können, nur eine Warenkategorie zu bedienen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×