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05.02.2002

22:43 Uhr

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Wall Street: Nach Enron und Ciena folgt ein Hieb von Senator Daschle

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Unentschlossen präsentierten sich die US-Märkte am Dienstag. Nach einigem Auf und Ab schlossen beide großen Indizes den dritten Tag in Folge im Minus. Der Dow Jones verlor 1,6 Pünktchen auf 9685 Punkte. Die technologie-lastige Nasdaq gab 17 Zähler oder 0,9 Prozent ab und ging mit einem Stand von 1838 Punkten aus dem Handel.

Nach der weiter grassierenden "Enron-itis" und schlechten Aussichten unter anderem beim Netzwerk-Riesen Ciena war es am Nachmittag der demokratische Fraktionssprecher Tom Daschle, der die Märkte endgültig in die Miesen schickte. Er glaube nicht daran, dass das Care-Paket, das die Regierung der US-Wirtschaft geschnürt hat, in dieser Woche durch den Senat gehe. Es fehlten nach wie vor Stimmen aus seiner Partei. Die republikanische Regierung Bush hatte das Hilfspaket weitgehend ohne Beteiligung der Opposition auf den Weg gebracht. Daschle sei zu Gesprächen bereit, sagte er, allein, dem Markt hatte er einen Hieb versetzt.

Doch von Daschle war nur ein Stich, den der Markt am Dienstag zu verkraften hatte: Mit guten Nachrichten konnte General Electric , von der "Enron-itis" selbst nicht ganz verschont, zwar kurz von der Bilanzproblematik ablenken. Das Unternehmen hat seine Wachstums- und Gewinnprognosen für das laufende Quartal und für 2002 bestätigt, was den Kurs der Aktie um 3,4 Prozent klettern lässt. Auch Honeywell und United Technologies, an denen die Angst vor Bilanzfälschung auch nicht spurlos vorüber gegangen war, verbesserten sich aufgrund guter Nachrichten für den Rüstungssektor. Beide Unternehmen sind Zulieferer von Rüstungs-Giganten wie General Dynamics und Lockheed Martin, die beide schwach behauptet schlossen.

Doch andere Unternehmen leiden nach wie vor unter der Börsen-Seuche. Der Mischkonzern Tyco verlor erneut 22 Prozent, der Netzwerk-Konzern Enterasys Networks gab 6,2 Prozent ab. Der Pharmazeut Elan und der Energietrader Williams Cos. rutschten um weitere 5 Prozent ins Minus. Schließlich erwischte es am Dienstag auch den Mobilfunk-Anbieter Nextel: Die Aktie verlor 25 Prozent.

Den Telekomsektor belasten außerdem die Aktien von Sprint mit einem Minus von 13 Prozent (Ferngespräche) beziehungsweise 21 Prozent (Mobilfunk). Das Unternehmen hat einen größeren Verlust ausgewiesen als erwartet worden war, wobei vor allem die Handy-Sparte enttäuschte und, nach Downgrades von Merrill Lynch und Morgan Stanley, auf die Branche drückte: Da PCS seine Kapitalinvestitionen in 2002 um 100 Millionen Dollar zurückfahren wird, mussten auch die Zulieferer bluten: Die Aktien von Tellabs und Qualcomm schlossen mit 4,6 beziehungsweise 2,5 Prozent im Minus. Dow Jones-Wert SBC Communications konnte sich unterdessen von einem Vier-Jahres-Tief lösen und mit 1 Prozent im Plus schließen.

Langfristige Sorgen wirft der schwache Ausblick von Ciena auf. Der Netzwerkriese rechnet mit einem Verlust von 21 bis 24 Cent pro Aktie im laufenden Quartal, Analysten hatten mit einem Fehlbetrag von nur 11 Cent gerechnet. Das Management warnt auch für das Folgequartal und kündigt 400 Entlassungen an. Die Aktie verlor 6,3 Prozent und belastete auch die Konkurrenz: JDS Uniphase gab 6,2 Prozent ab.

Nicht viel besser ging es am Dienstag dem Softwaresektor. Zwar schloss die Aktie von Microsoft mit einem Minus von 0,2 Prozent besser als der Markt nach einer kritischen Analyse von Goldman Sachs erwartet hatte. Analyst Rick Sherlund hatte nach einem "pessimistischen" Kommentar von Microsofts CFO John Connor die prognostizierte Wachstumsrate von 15 Prozent für "zu aggressiv" befunden. Doch es ist Konkurrent Veritas Software , der den Sektor belastet. Mehr als 6 Prozent verliert die Aktie, nachdem ein Unternehmenssprecher auf der Software-Konferenz angedeutet haben soll, die Firma werde das Quartal "nur am unteren Ende der Erwartungen beenden".

Etwas Auftrieb erfuhr der Biotech-Sektor, vor allem durch die Aktie von Amgen . Diese schloss nach einem Upgrade der CIBC auf "kaufen" mit 2,4 Prozent im Plus. Ein Expertengremium hat das Mittel Aranesp zur Behandlung von Chemotherapiepatienten freigegeben. Die Marktzulassung durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA erhofft sich Amgen in der zweiten Jahreshälfte 2002.

Am besten fuhren Anleger allerdings bei den Defensivwerten. Im Dow gehörten Coca-Cola und McDonald?s zu den Tagesgewinnern, Pepsi und Anheuser-Busch schlossen ebenfalls mit deutlichen Gewinnen. Bleichehersteller Clorox meldete am Nachmittag bessere Zahlen als erwartet, worauf die Aktie 2,4 Prozent zulegte. In Höhe der Erwartungen hatte zudem Colgate-Palmolive gemeldet, der größte Hersteller von Zahnpasta. Das Papier verschlechterte sich im Tagesverlauf zwar um 0,6 Prozent, da das Unternehmen warnte, das bisherige Wachstum wohl nicht bis Jahresende beibehalten zu können.

Auch die Unternehmen des Healthcare-Sektors profitieren von der Schwäche anderer Branchen. Zu den großen Gewinnern am Dienstag gehören Caremark, Trigon, Wellpoint und United Health mit Gewinnen von bis zu 4 Prozent.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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