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23.01.2003

11:09 Uhr

Wall Street: Nachbörslich notiert

Die US-Börsen versuchen den Neustart

Von© Wall Street Correspondents, Inc.

Die Wall Street hat am Mittwoch den fünften Tag in Folge im Minus geschlossen, und von der hoffnungsfrohen Rallye zum Jahresbeginn ist nicht viel übrig geblieben. Die Nasdaq notiert noch mit einem Plus von 1,8 %, der Dow Jones und der marktbreite S&P 500 sind auf Jahressicht ins Minus gerutscht. Was bedeutet das für den Rest des Jahres?

Es gibt nur wenige Experten an der Wall Street, die dem viel zitierten Januar-Indikator wirklich die Fähigkeit zusprechen, das Jahr vorauszusagen. Wird der erste Monat gut, dann endet auch das Jahr im Plus, so die Mär - mehr ist es nicht. Wenn der Januar nun mit einer negativen Zwischenbilanz vielleicht erstmals wirklich eine Prognose für das Jahr zulässt, dann liegt das allein daran, dass die neuen Indexstände einen Stimmungswandel beschreiben, der das Jahr deutlich stärker beeinflussen dürfte als ein umstrittener Indikator.

Die Stimmung an der Wall Street geht vom Optimismus zu einem realistischeren Bild. Zu blanken Pessimismus, würden die unverbesserlichen Bullen sagen, doch sprechen die Fakten gegen sie. Aus der Finanzbranche kam am Mittwoch eine ganze Reihe von Warnungen, zahlreiche Hightechs wollen für 2003 keine nachhaltige Verbesserung des Umfeld einkalkulieren und auch die konjunkturabhängigen Aktien einiger Zykliker fallen nach schwachen Zahlen und noch schwächeren Prognosen.

Peinliche Panne für den Präsidenten

Dass Präsident George W. Bush am Mittwoch in St. Louis vor einer dekorativen Wand aus Pappschachteln mit dem Industriestempel "Made in USA" sprach und sich nachher herausstellte, dass die Stempel über den wahren Aufdruck "Made in China" geklebt waren", ist nur anekdotenhaft ein Symbol für die aktuelle Produktivität in Amerika und die Aussichten für die Konjunktur in 2003. Nicht einmal die leeren Schachteln für die Präsidenten-Deko können die Amis noch selbst herstellen, dürften Zeitungen am Donnerstag spotten. Was für den Präsidenten und sein Team nur eine peinliche Panne ist, dürften manche als Zeichen ernst nehmen.

Ob es dem Markt hilft, dass einige Hightechs (Texas Instruments, Peoplesoft, Computer Associates) am Mittwochabend nach Börsenschluss Quartalszahlen über den Erwartungen der Analysten vorlegten? - Es ist offen. Zu sehr zeigt sich inmitten der Ertragssaison wieder, wie planlos selbst namhafte Experten mit Unternehmensdaten umgehen. Als hätte es die Bilanzskandale im vergangenen Jahr nie gegeben ist die Wall Street zu den kurzzeitig verpönten Pro-forma-Gewinnen zurück gekehrt, nach vielen Konferenzen ist die Verwirrung groß und völlig unklar, wer die Prognosen geschlagen oder getroffen hat und wer nicht.

Ertragsprognosen taugen nicht als Maßstab

Eine Bilanz liegt zur Wochenmitte trotzdem vor. Seit Beginn der aktuellen Ertragssaison haben 59 % der Unternehmen die Erwartungen geschlagen, und 22 % haben sie getroffen. Nur 16 % schlossen unter den Prognosen. Allerdings heißt dies nur einmal mehr, dass die Ertragsprognosen als Maßstab nicht taugen, denn sie werden willkürlich gesenkt. Eindrucksvoller ist die Tatsache, dass die Unternehmen für das laufende Quartal ein Wachstum von durchschnittlich 10,2 % voraussagen und für das Folgequartal mit einem Plus von 9,7 % rechnen. Im Dezember hatten die Prognosen noch auf ein Wachstum von jeweils 12 % gelautet.

Weitere Zahlen und weitere Prognosen kommen am Donnerstag von den Dow-notierten Unternehmen AT&T, Caterpillar und McDonalds, dazu von Amazon, EMC, Nortel und Starbucks. Ein Blick auf den Index der Führenden Indikatoren dürfte für viele Analysten den Blick auf das vergangene Jahr abrunden, den Markt beeinflussen dürfte das Barometer nicht. Der Index ist eine Zusammenfassung bereits veröffentlichter Zahlen und dient allein der Rückschau.

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