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29.01.2002

17:16 Uhr

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Wall Street: Nur schwacher Handel vor Bush-Rede und Fed-Sitzung

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Die Anspannung scheint doch größer zu sein als man am Morgen erwartet hatte. Zwei Stunden nach Handelsbeginn rutscht der Dow Jones Index mit fast 100 Punkten ins Minus, die technologie-lastige Nasdaq gibt mit 20 Punkten ab.

Damit zeigt sich die Wall Street deutlich schwächer als angenommen, wenngleich niemand mit nennenswerten Kursgewinnen gerechnet hätte, da Anleger auf wichtige Marktdaten warten, die bis Ende der Woche häppchenweise serviert werden: Am Abend wird US-Präsident George W. Bush seinen Bericht zu Lage der Nation liefern. In Washington tagt die Notenbank, von der die meisten Marktteilnehmer keine weiteren Eingriffe in die Zinspolitik erwarten, aber weitere Kommentare zur Entwicklung der Konjunktur. Alan Greenspan dürfte sich aber erst am Mittwoch zu Wort melden, das Komittee tagt zweitägig. Ebenfalls am Mittwoch wird das Bruttosozialprodukt veröffentlicht, am Donnerstag und Freitag gibt es Daten aus dem Arbeitsmarkt.

Bereits am Vormittag wurden die Daten zum Verbrauchervertrauen vorgelegt. Demnach glauben die Konsumenten in den USA weiter an einen konjunkturellen Aufschwung. Der Index, der von der Marktforschungsgruppe "The Conference Board" ermittelt wird, ist auf 97,3 Punkte gestiegen. Auch der Index des Markt-Optimismus ist erneut gestiegen und notiert mit 96,6 Punkten auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Den Handel beeinflusst das alles nicht.

Nach wie vor sind lediglich einzelne Werte gefragt. Zum Beispiel Texas Instruments . Der Chiphersteller hat im vierten Quartal geringere Verluste eingefahren als erwartet und sagt, die Nachfrage nach Halbleitern steige wieder. Allein der Mobilfunkbereich bleibe weiter schwach, weshalb man für das laufende erste Quartal bei steigendem Umsatz nicht mehr als ein Break-Even ankündigt. Die Analysten sind zufrieden: Merrill Lynch, Morgan Stanley, Salomon Smith Barney, die Credit Suisse First Boston und die Dresdner Kleinwort Wasserstein empfehlen die Aktie zu "kaufen". Allein die ABN Amro bleibt bei ihrer Einschätzung mit "halten". Die Aktie gewinnt 5 Prozent.

Zwei Unternehmen aus dem Dow legen am Morgen Zahlen vor. Coca-Cola hat mit einem Quartalsplus von 914 Millionen Dollar oder 37 Cent pro Aktie die Analystenerwartungen geschlagen. Der weltgrößte Getränkehersteller hat in den vergangenen drei Monaten 4 Prozent mehr Kästen verkauft als im Vergleichsquartal, allein das Wachstum auf dem heimischen US-Markt blieb mit 2 Prozent am unteren Ende der Erwartungen. Für das Jahr 2002 hält man weiter an den Gewinnerwartungen fest und rechnet mit einem Wachstum von 11 bis 12 Prozent. Die Aktie verliert 1,2 Prozent.

Mit 1,7 Prozent im Minus notiert die Aktie des Industrieriesen Honeywell , dessen Gewinne im vierten Quartal um 53 Prozent eingebrochen sind. Dem Unternehmen ist ein Großauftrag von British Airways verloren gegangen: Die Airline hat ihr RJX Jet-Programm eingestellt, für das Honeywell die Turbinen hätte liefern sollen. Honeywell blickt auf einen Quartalsgewinn von 55 Cent pro Aktie, was in Höhe der Erwartungen liegt. Allerdings nimmt das Management die Erwartungen für das erste Quartal zurück. Erst für das zweite Halbjahr 2002 rechnet man mit einer Erholung und höheren Gewinnen.

Einen deutlich größeren Verlust als erwartet musste United States Steel am Morgen einräumen. Der größte Stahlproduzent der USA leidet unter der allgemeinen Schwäche in der US-Industrie, die Nachfrage nach Stahl ist seit Monaten stark rückläufig. Dem Unternehmen steht ein Quartalsverlust von 121 Millionen Dollar oder 1,36 Dollar pro Aktie zu Buche; der Wall Street Konsens hatte auf ein Minus von 1 Dollar gelautet. In 2002 will das Unternehmen die Gewinnsituation unter anderem in Kooperation mit den Konkurrenten verbessern. Die großen US-Stahlproduzenten haben ein Abkommen geschlossen, die Produktionsmengen zurückzufahren, um bei weiter schwacher Nachfrage zumindest Kosten zu sparen und Lagerbestände abbauen zu können. US Steel verliert am Morgen 3,1 Prozent.

Anlegern gefällt was der Pharmakonzern Merck plant. Das Unternehmen will seine Medco-Sparte ausgliedern und gesondert an die Börse bringen. Medco ist das verbindende Glied zwischen Pharmakonzern und den Krankenversicherern und sorgt für 55 Prozent des Merck-Umsatzes. Das Management glaubt, die Aktien durch einen Split attraktiver zu machen und mehr Wert generieren zu können. Merck legt vor Handelsbeginn 2,4 Prozent zu.

Noch mehr Überraschungen kommen aus dem Reise-Sektor. Bereits am Montagmorgen hatte Hotel Reservations Network die Anleger mit seinem Wachstum überrascht, nach Börsenschluss legte der Online-Reiseveranstalter Expedia nach. Der Gewinn des Unternehmens hat sich im abgelaufenen zweiten Quartal fast verdoppelt; mit einem Anteilsplus von 31 Cent schlägt man die Erwartungen der Wall Street um 21 Cent. Während der Bereich Flugreisen nach den September-Anschlägen zeitweise eingebrochen sei, habe man mit Hotelreservierungen und Pauschalreisen Verluste mehr als wett machen können. Expedia gewinnt am Morgen 8,3 Prozent, Hotel Reservations Network legt nach Gewinnen vom Vortag noch einmal um 3 Prozent zu.. Lediglich Travelocity und Priceline geben frühe Gewinne ab und handeln mit Verlusten.

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