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16.01.2002

16:29 Uhr

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Wall Street: Schwache Techs, GM und JP Morgan belasten den Markt

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Nach den allgemein aufmunternden Kommentaren der letzten Wochen, werden dieser Tage an der Wall Street Zahlen vorgelegt. Und die sind nicht so grün wie erwartet; ein Turnaround scheint nicht in Sicht. Entsprechend ziehen sich Anleger zur Wochenmitte zurück, vor allem Tech-Werte werden verkauft. Der Dow Jones handelt bereits eine halbe Stunde nach der Glocke mit dreistelligen Verlusten, die Nasdaq verliert 35 Zähler.

Beruhigendes kommt am Mittwochmorgen aus dem konjunkturellen Umfeld. Die Verbraucherpreise sind um 0,2 Prozent gefallen, was vor allem auf die sinkenden Energiepreise zurückzuführen ist. Energie und Lebensmittel herausgerechnet, sind die Preise um 0,1 Prozent gestiegen. Beides entspricht den Erwartungen der Wall Street.

Den Dow Jones belasten am Mittwoch zwei Schwergewichte. General Motors meldet, die Gewinne im vierten Quartal seien um 58 Prozent eingebrochen. Der weltgrößte Auto-Hersteller weist einen Gewinn von 255 Millionen Dollar oder 60 Cent pro Aktie aus. Wie schwer das GM-Ergebnis einzuschätzen war, zeigt die vorherige Schätzung der Analysten: Sie hatten mit einem Gewinn zwischen 40 Cent und 76 Cent auf eine breite Spanne getippt. Die GM-Aktie verliert ein halbes Prozent.

Abwärts geht es auch für das Papier von JP Morgan Chase. Die zweitgrößte amerikanische Bank hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 12 Cent pro Aktie eingefahren, 23 Cent weniger als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz fiel in der selben Spanne um fast zehn Prozent. Das Unternehmen führt die Einbrüche auf die Krisen beim Energietrader Enron sowie in Argentinien zurück. Die Aktie verliert mehr als vier Prozent.

Mehrheitlich mit Verlusten handeln auch die Papiere der Airlines. Zwei Branchenriesen haben am Morgen ebenfalls Zahlen vorgelegt: American Airlines und Continental Airlines zeigten auf, wie schwierig das vierte Quartal für den Sektor tatsächlich war, sie weisen trotz der finanziellen Hilfe seitens der Regierung große Verluste aus. AMR, die Holding hinter American Airlines, verbuchte in den letzten drei Monaten einen Verlust von 734 Millionen Dollar oder 4,75 Dollar pro Aktie. Continental Airlines weist einen Verlust von 220 Millionen Dollaroder 3,81 Dollar pro Aktie aus. Michael Linenberg, Airline-Analyst bei Merrill Lynch stützt den Sektor dennoch. "Die Verluste der Carrier sind lange nicht so hoch wie erwartet."

An der Nasdaq wartet man auf die Quartalsmeldungen von Apple, Yahoo und Travelocity sowie zahlreicher kleinerer Unternehmen aus den Bereichen Chips, Hard- und Software sowie Netzwerke. Derweil belastet der Chip-Riese Intel den Markt: Das Unternehmen hat die Gewinnerwartungen der Wall Street zwar um vier Cent geschlagen, weist aber gegenüber dem Vergleichsquartal 2000 einen Gewinneinbruch um 77 Prozent aus. Zudem rechnet man im laufenden Jahr mit Investitionen von nur 5,5 Milliarden Dollar betragen, gegenüber 7,3 Milliarden Dollar im letzten Jahr. Das Management sieht "keine Zeichen einer gesamt-wirtschaftlichen Erholung". Die Analysten sind nun uneinig, was die Einstufung der Aktie betrifft: Prudential Securities bestätigt zunächst das Kursziel von 44 Dollar, die Credit Suisse First Boston stuft auf "kaufen" auf, Goldman Sachs hat Intel auf der "Empfehlungsliste", Morgan Stanley nennt die Aktie einen "Outperformer", und die Analysten der ABN Amro bewerten sie nur noch mit "halten". Intel gibt ein Prozent ab.

Unter der Schwäche bei Intel leiden zahlreiche andere Unternehmen: Applied Materials , der weltgrößte Hersteller von Maschinen zur Herstellung von Chips wird angesichts der wenig rosigen Zukunft 1.700 Angestellte oder zehn Prozent der Belegschaft entlassen. Die Aktie verliert sieben Prozent. Die Aktie von Teradyne, dem größten Hersteller von Maschinen zum Testen von Chips, gibt acht Prozent ab. Das Unternehmen wird einen Quartalsverlust zwischen 40 und 50 Cent pro Aktie ausweisen, "in line" mit den Erwartungen der Wall Street. Einen Turnaround sieht man in den nächsten Monaten nicht.

Pessimistisch geben sich die Analysten von Goldman Sachs nach einer groß angelegten IT-Umfrage, die belegt, dass die Tech-Investitionen für 2002 auf einem sehr niedrigen Niveau liegen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet damit, dass eine Erholung der Investitionen und damit des Marktes nicht vor 2003 eintritt. Zu den best positionierten Titeln rechnet Goldman Sachs BEA Systems, Brocade, Cisco, Dell, EMC, IBM, Microsoft, Network Appliances, Siebel Systems, Sun Microsystems und .

Über "die beste Weihnachtssaison, die wir jemals hatten" freute sich am Dienstagabend eBay-Finanzchef Rajiv Dutta. Im vierten Quartal ist der Umsatz um 64 Prozent auf 219 Millionen Dollar, der Gewinn um neun Prozent auf 26 Millionen Dollar gestiegen. Die Aussichten sind dennoch nicht rosig: Marktexperten rechnen für die erste Jahreshälfte mit einem weiterhin schwachen Anzeigenmarkt. Holly Becker, Internet-Analystin bei Lehman Brothers rät daher zur "Vorsicht" - Ebay verliert 4,3 Prozent.

Größter Verlierer ist erneut die Aktie von Kmart . Die Aktie der zweitgrößten US-Einzelhandelskette wird am Abend aufgrund langfristiger Schwäche und Gerüchten um einen bevorstehenden Bankrott aus dem S&P 500 gestrichen. Die Aktie, die seit Montag auf einem Vierzig-Jahres-Tief notiert, gibt weitere 30 Prozent ab. Ersetzt wird Kmart von das Forst-Unternehmen Plum Creek Timber , dessen Aktie sich um sechs Prozent verbessert.

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