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07.01.2002

22:59 Uhr

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Wall Street stolpert über die Ungewissheit nach der Neujahrs-Rally

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Nach einer dreitägigen Rally ins neue Jahr und einem Handelsauftakt im Grünen hat die Wall Street am Montag die ersten Kursverluste einstecken müssen. Der Dow Jones verlor 61 Punkte oder 0,6 Prozent und schloss bei einem Stand von 10198 Zählern, die technologie-orientierte Nasdaq gab 22 Punkte oder ein Prozent auf 2037 Punkte ab.

Nach einem vielversprechenden Jahresauftakt, der die Hoffnung der Wall Street auf ein starkes Jahr widerspiegelte, scheinen sich zahlreiche Anleger nun doch mit kurzfristigen Bedenken zurückzuziehen. Denn die schnellen und starken Kursgewinne der vergangenen drei Monate sind längst nicht allen Beobachtern geheuer: Die Analysten von Morgan Stanley sagen, eine weitere Rezession sei in Sicht. Historisch betrachtet bestehe das Risiko, dass die erhoffte Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr ausbleibt und statt dessen eine weitere Rezessionsphase anbreche. Dazu sei es sowohl zwischen 1973 und 1975 als auch zwischen 1981 und 1982 gekommen.

Auch der Präsident der Atlanta Fed, Jack Guynn warnt vor Euphorie. Zwar gebe es Anzeichen auf eine Stabilisierung der Wirtschaft, doch sei es "unreif, eine solche bereits auszurufen." Guynn sagte vielmehr, die Notenbank sehe "durchaus Spielraum für weitere Zinssenkungen", wenn sich die Konjunktur nicht von selbst erhole. Das Gremium um Alan Greenspan tritt Ende Januar zusammen.

So standen am Montag Gewinnmitnahmen an. Vor allem die zuletzt starken Branchen wie die Brokerhäuser und Airlines mussten Federn lassen, und auch der Tech-Sektor hatte es schwer. Am Eröffnungstag der Computermesse MacWorld in San Francisco, verlor die Aktie von Apple 3,1 Prozent. Der neue iMac begeistert zwar Computer-Ästheten, nicht aber die Anleger, die den Apfel nach dreitägigen Kursgewinnen nicht mehr zum Anbeißen fanden.

Auf den Dow Jones drückten unterdessen die Papiere von Microsoft und Intel . Dem Chip-Riesen half - ebenso wie Apple - eine Innovation nicht ins Plus. Am Morgen hatte die Aktie noch zugelegt, nachdem das Unternehmen den neuen Pentium 4 Chip vorgestellt hatte - den schnellsten der Welt. Angesichts des branchenweiten Verkaufsdrucks half das nicht, Intel gab 1,5 Prozent ab, Konkurrent Applied Micro Devices verlor 0,1 Prozent.

Microsoft gab trotz eines Upgrades der ABN Amro ein halbes Prozent ab. Die Analysten empfehlen, die Aktie zu "kaufen". Sie erwarten ein allgemein günstigeres IT-Umfeld vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2002, außerdem steigende Nachfrage nach der WinXP-Serie. Die Analysten urteilen gemäß der Grundstimmung des Marktes: Sie senken die Gewinnerwartungen für das zweite, und erhöhen die Gewinnerwartungen für das dritte Quartal um jeweils acht Cent. Sie setzen das Kursziel für den Software-Riese aus Seattle von 80 Dollar auf 85 Dollar.

Stärker als die beiden Tech-Aktien drückte ein defensiver Wert auf den Dow Jones: Coca-Cola verlor 2,7 Prozent, belastet durch ein Downgrade der Analysten von JP Morgan, die die Aktie zum Wochenauftakt auf "halten" setzen. Die Experten raten Anlegern, lieber auf Pepsi zu setzen. Der Konkurrent verfüge über höhere langfristige Wachstumsraten und eine besseren Eigenkapitalrendite. Pepsi verliert 0,3 Prozent.

Die beiden schwächsten Aktien im Standardindex waren am Montag aber Industriewerte: General Electric verlor 3,98 Prozent, nachdem die Analysten der Credit Suisse First Boston das Papier von der "Focus One"-Liste genommen haben. Eastman Kodak gab 3,2 Prozent ab, nachdem die Vorstandsvorsitzenden Patricia Russo ihren Rücktritt bekannt gegeben hatte. Russo, die bei Eastman Kodak einen Turn-around hätte einleiten sollen, geht als CEO zu Lucent Technologies . Lucent verliert 0,3 Prozent.

Der Biotech-Sektor war seit Handelsauftakt der schwächste an der Wall Street, obwohl sich die Analysten von Lehman Brothers allgemein "bullish" für die Branche geben. Die Aktie von Amgen stufen sie sogar von "kaufen" auf "aggressiv kaufen" auf. Die Experten sehen in Amgen den "meist unterbewerteten Titel im Sektor" und setzen das Kursziel für die Aktie von 79 Dollar auf 87 Dollar. Das Papier ging mit einem moderaten Plus von 0,15 Prozent bei 56,01 Dollar aus dem Handel.

Tiefer hinab ging es für das Biotech-Unternehmen ImClone Systems, dessen Aktie 17 Prozent verlor. Die Analysten von JP Morgan haben das Papier von "kaufen" auf "Marktperformer" abgestuft, nachdem Branchenberichte den Eindruck erwecken, das Unternehmen habe Schwierigkeiten mit dem Krebsmittel Erbitux. Imclone muss seinen Antrag auf Marktzulassung offenbar noch einmal überarbeiten und wird dies vor der zweiten Jahreshälfte 2002 wohl nicht schaffen. Partner Bristol-Myers Squibb, mit dem ImClone Erbitux entwickeln und vermarkten wollte, verliert 2,3 Prozent.

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