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09.01.2002

22:58 Uhr

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Wall Street: Techs und Banken weiter stark, Einzelhändler geben nach

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Kommando zurück! Nach einer unerwarteten Kletterpartie bestätigt dich doch: die Euphorie ist vom Markt gewichen. Investoren warten zur Wochenmitte auf optimistische Meldungen und warten und warten. Der Dow Jones Index, der zeitweise mehr als hundert Punkte zugelegt hatte, beendet den Tag mit einem Minus von 56 Punkten oder einem halben Prozent. Die Nasdaq ging mit einem Minus von elf Zählern aus dem Handel.

Dass über Pakistan ein Flugzeug abstürzte war an der Wall Street eine Meldung, dass die USA den Irak angegriffen hätten hingegen nur ein Gerücht - allein, auf den Handel wirkte sich beides nicht aus. Vielmehr waren es durchaus voraussehbare Gewinnmitnahmen es eine Meldungsflaute, die die Kauflaune ersterben ließ.

Noch am Morgen hatte sich die Kauflust durch sämtliche Sektoren, vor allem die Unternehmen der Tech-Branche erlebten einen weiteren Höheflug. Entsprechend beeindruckend war zeitweise die Bilanz der Nasdaq, die ein Plus von mehr als 7,5 Prozent seit Jahresbeginn ausweisen konnte. Mit einem Plus von "nur" noch 4,7 Prozent nach sechs Handelstagen beschloss die Technologiebörse den Mittwochshandel.

Bestes Beispiel für Kauflust nach Erfolgsmeldung war die Aktie von Yahoo . Der führende US-Online-Anbieter hat einen mehrjährigen Vertrag mit Cigna geschlossen, einem der größten US-Versicherer. Cigna-Versicherte können Informationen über ihre Kranken-, Renten- oder Lebensversicherungen künftig auf den Yahoo-Webseiten abfragen, Yahoo hingegen ist etwas weniger als bisher von der aktuell flauen Internet-Werbung abhängig. Yahoo gewinnt am Mittwoch 4,7 Prozent, die Aktie von Cigna legt um 2,4 Prozent zu.

Die Meldung des Tages kam zur Wochenmitte von Cisco . CEO John Chambers hatte bei der Tech-Konferenz von Salomon Smith Barney erklärt, die Bestellungen seien im Dezember nicht mehr zurückgegangen, er rechne in den nächsten beiden Quartalen mit einer "dramatischen Ausweitung" der Marktanteile. Typisch für den Handelstag war dann aber der Intraday-Handel mit dem Cisco-Papier: Die Aktie hatte bis zum Mittag schon mehr als drei Prozent zugelegt, brach dann aber in der letzten Börsenstunde ein und schloss mit einem Minus von 0,7 Prozent.

Aus der Riege der Big Caps konnte sich zur Glocke allein Oracle im grünen Bereich halten. Die Aktie des zweitgrößten Software-Programmierers verbesserte sich um sechs Prozent und stützte nachhaltig den Sektor, der als einziger an der Nasdaq im Plus schloss. Oracles Finanzchef Jeff Henley hatte schon am Morgen gesagt, man sei optimistisch und habe "definitiv das Schlimmste überstanden." Ein Upgrade der Analysten von Thomas Weisel gab der Aktie zusätzlich Kraft.

Überhaupt waren es die Software-Unternehmen, die mit Höhenflügen weiter auffielen. Der deutsche Software-Spezialist SAP , der ebenfalls einen nahen Aufschwung sieht und sogar die Umsatzprognosen nach oben korrigiert hat, legt 9,6 Prozent zu. Um fast 20 Prozent verbesserte sich Brio Software. Das Unternehmen hat einen Großauftrag der US Air Force erhalten, die mit Brio-Programm ihre Datenbanken neu strukturieren will.

Nach den negativen Kommentaren von Ciena -Chef Gary Smith, der die Aktien der Telekom-Ausrüster am Dienstag auf Talfahrt geschickt hatte, stützte zur Wochenmitte Goldman Sachs der Branche. Die Analysten stuften die Aktien der Kommunikationschip-Hersteller Broadcom, Conexant und Microtune auf. PMC Sierra und Vitesse bekamen neben dem Upgrade die Einstufung als "Top Picks". Die Papiere der Branche rutschten am Nachmittag ebenfalls von ihren Höchstständen, legten aber im Mittel zwischen einem und drei Prozent zu.

Durchweg stark präsentierten sich am Mittwoch die Finanztitel. Die Citigroup , am Dienstag größter Verlierer im Dow Jones, legte 1,8 Prozent zu. Das Unternehmen distanziert sich von negativen Kommentaren von Merrill Lynch, es wäre durch die Instabilität in der argentinischen Wirtschaft belastet. Auch die Analysten von Lehman Brothers halten an ihrer Empfehlung "aggressiv kaufen" fest. Sie geben der Aktie ein Kursziel von 70 Dollar. Auch die Papiere der Fleet Boston, die am Dienstag ebenfalls im Argentinienstrudel unterging, machen wieder Boden gut.

Das Brokerhaus Merrill Lynch kündigte zur Wochenmitte Entlassungen an. Man will sich von 9000 Mitarbeitern oder 22 Prozent der Belegschaft trennen, was einmalige Kosten von 2,2 Milliarden Dollar mit sich bringen wird. Investoren sehen in dieser Maßnahme zur Kostenersparnis immer noch ein positives Zeichen und kauften die Aktie. Merrill Lynch legt 4,2 Prozent zu und notierte als stärkste Broker-Aktie.

Der Einzelhandel gehörte am Mittag zu den schwächsten Sektoren an der Wal Street, obwohl erst am Morgen erneut gute Nachrichten von Unternehmensseite gekommen waren. Ebenso wie schon Tiffany am Vortag kündigte Coach, ein Hersteller von teuren Handtaschen und ähnlichen Luxus-Accesoires, an, dass man die Quartalserwartungen der Wall Street schlagen werde. Die Aktie von Coach verlor dennoch 3,4 Prozent. Auf die Aktie von Wal-Mart drückt ein Downgrade von JP Morgan. Die Analysten stufen den Wert auf "kaufen" ab, da die Aktie ihr Kursziel von 58 Dollar erreicht habe. Wal-Mart verliert 1,4 Prozent. Federated Department Stores , die Holding hinter Bloomingdale?s und Macy?s, verliert 1,7 Prozent trotz eines Upgrades auf "kaufen" von JP Morgan.

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