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11.02.2002

14:56 Uhr

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Wall Street: US-Börsen stehen vor einem erneut flachen Wochenstart

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Banker und Broker kommen erholt aus dem Ski-Wochenende, allein, die US-Märkte konnten seit Freitag keine Kraft sammeln. Die Futures deuten darauf hin, dass die großen US-Indizes erneut flach eröffnen. Der Dow Jones und der marktbreit gefasste S&P500 notieren an einem nahezu nachrichtenfreien Montagmorgen mit jeweils einem Zähler, die Nasdaq schafft eine halbe Stunde vor Handelsbeginn den Sprung über die Null-Linie.

Die Börsianer schließen an eine schwache Woche an, die allein dank einer Wochenendrally am späten Freitagnachmittag nicht zur komplett schwächsten seit den September-Anschlägen geworden ist. Doch auch nach der späten Kletterpartie verloren der Dow Jones 1,6 Prozent auf 9744 Punkte, die Nasdaq gab 4,8 Prozent auf 1819 Punkte ab. Ein Wochenauftakt ohne nennenswerte Unternehmensberichte und ohne News aus dem konjunkturellen Umfeld dürfte umso mehr von der aktuellen Stimmung auf dem Parkett bestimmt werden. Und dort fragt man sich am Morgen, ob einer allgemein optimistischen aber nicht faktisch untermauerten Umfrage mehr zu glauben sei oder dem sezierenden Blick in einen Konsumenten-orientierten Sektor, der seine moderaten Zukunftserwartungen am Wochenende in New York präsentierte: die Spielzeugbranche: Während nämlich in einer Umfrage des Wirtschaftsdienstes Blue Chip Economic Indicators 95 Prozent der befragten Ökonomen mit einem Ende der Rezession bis Ende März rechnen, und 42 Prozent die Wende bereits zu beobachten glauben, geben die Spielzeughersteller einen anderen Trend vor: Nach teurem Technik-Schnickschnack wie dem Roboterhund und dem chip-gesteuerten Fusselmonster Furby in den vergangenen Jahren geht der Trend wieder zu ungleich billigeren Puppen, Modellautos und - es ist das Revival des Jahrtausends - zum Yo-Yo. Die Unternehmen rechnen mit anhaltend schwachen Konsumentenausgaben und bedienen den Markt unter 15 Dollar. Etwas Boden gutmachen könnte zum Wochenauftakt der Chip-Sektor. Eine der schwächsten Branchen der letzten Handelswoche profitiert am Morgen von Upgrade verschiedener Analysten. Die Experten der Credit Suisse First Boston stufen National Semi und Micrel auf "Kaufen" auf. Sie sehen sowohl für die beiden Unternehmen als auch für die Branche den Boden erreicht. Die beiden mittelgroßen seien gut positioniert, weil sie unter einem aktuellen Tech-Pessimismus weniger leiden als die Marktführer, aber noch immer bessere Wachstumschancen und mehr Kurssicherheit bieten als die Branchenzwerge mit geringer Marktkapitalisierung. Am frühen Morgen handelt National Semi mit einem leichten Plus auf 26,80 Dollar, Micrel mit einem Plus von 5 Prozent auf 21 Dollar, die CSFB setzt Kursziele von 30 Dollar beziehungsweise 26 Dollar. Auf die Industriewerte, die in der vergangenen Woche deutlich besser performten als der Tech-Sektor drücken am Morgen Downgrades. Nach einer starken Woche für den Finanzsektor setzen die Analysten von JP Morgan die Gewinnerwartungen für den Branchenkollegen Goldman Sachs herab. Statt einem Anteilsplus von 95 Cent rechnen sie mit einem Gewinn von nur noch 87 Cent pro Aktie. Schuld daran sei, die Katze beißt sich in den Schwanz, das rückläufige Handelsvolumen an den Börsen. Unterdessen knöpfen sich die Analysten der UBS Warburg die Fluggesellschaften vor und setzen Delta Airlines auf "kaufen" herab. Die Experten sehen das Unternehmen im Branchenvergleich nicht mehr so stark positioniert, dass sie ein Rating auf "aggressiv kaufen" länger halten könnten. Auf den Energiesektor dürften schlechte Nachrichten aus Russland. Wenige Wochen, nachdem sich die Ölförderer mit den OPEC-Staaten auf eine drastische Reduzierung der Fördermengen geeinigt haben, scheint es, als hielte man sich nicht an die Abmachung. In Russland ist die Fördermenge im Januar um 60.000 Barrel pro Tag gestiegen, was auf den nach wie vor schwachen Ölpreis drücken und die Aktien der längst nicht genesenen Förderunternehmen erneut belasten dürfte.

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