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08.01.2002

19:00 Uhr

Wandelanleihe löst Kurseinbruch aus – Siemens verkauft für eine Milliarde Euro Aktien des Chipherstellers

Infineon muss erneut die Kapitalmärkte anzapfen

Der Verfall der Chip-Preise bringt Europas zweitgrößten Halbleiter-Hersteller in die Klemme: Am Dienstag verschaffte sich Infineon mit einer Wandelanleihe eine Milliarde Euro frisches Kapital.

jojo/tmo MÜNCHEN/FRANKFURT. Mit einer Wandelanleihe im Volumen von einer Milliarde Euro hat sich der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG am Dienstag zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate frisches Kapital beschafft. Gleichzeitig gab die Siemens AG bekannt, dass sie Infineon-Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro verkauft hat. Der Elektronik-Konzern senkte damit seinen Anteil an Infineon von 47 auf 41 %.

Der Kurs der Infineon-Aktie brach in Folge der Transaktionen um knapp 6 % ein und lag am späten Nachmittag bei 24,60 Euro. Damit notierte das Papier aber noch immer über dem Verkaufspreis des Siemens-Pakets von 24,35 Euro. "Das spricht dafür, dass die Papiere gut aufgenommen wurden und auf dem jetzigen Niveau weiter Kaufinteresse besteht", sagte ein Aktienhändler in London. Fondsmanagerin Pia Hellbach von Union Investment wertete die schnelle Abwicklung des Verkaufs zwischen acht und zehn Uhr morgens als Erfolg für Infineon und die begleitende Bank Goldman Sachs.

Erst im vergangenen Sommer hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher per Kapitalerhöhung 1,5 Mrd. Euro eingesammelt. Derzeit seien nur noch 250 Mill. Euro in der Kasse, teilte Infineon mit. Im jüngsten Quartal sank der Kassenstand um mehr als 300 Mill. Euro. Offenbar führten Investitionen in die neue Fertigung in Dresden zu den hohen Ausgaben. Analysten erwarten weitere Aktienverkäufe von Siemens und auch Kapitalschritte von Infineon, was den Kurs belasten dürfte. Auch eine Infineon-Sprecherin wollte am Dienstag weitere Kapitalmaßnahmen nicht ausschließen.

Gerüchte über eine Wandelanleihe der Münchener hatten den Kurs schon zuvor belastet. Offenbar war die gestrige Transaktion bereits für den 13. Dezember geplant (Handelsblatt vom 14.12.01). Damals hatten die Konsortialführer - Marktkreisen zufolge Goldman Sachs und Deutsche Bank - die Aktion jedoch wegen mangelnder Nachfrage abgeblasen.

Der Kapitalhunger von Infineon hat seinen Grund: Der Konzern leidet wie die gesamte Branche unter dem Verfall der Halbleiterpreise. Im vergangenen Geschäftsjahr verlor Infineon deshalb mehr als eine Milliarde Euro. Obwohl die Chip-Preise in den vergangenen Tagen stiegen, sind sie zum Teil noch immer um zwei Drittel niedriger als vor einem Jahr.

"Wenn die gegenwärtigen Anzeichen einer Erholung der Wirtschaft und der Chip-Preise sich verdichten, wird Infineon davon überdurchschnittlich profitieren", sagte gestern Analyst Ben Lynch von der Deutschen Bank. Die Marktforscher von Dataquest erwarten allerdings, dass Chiphersteller im laufenden Jahr ein Viertel weniger investieren werden als 2001. Derzeit nutze die Branche nur 60 % ihrer Kapazitäten. Infineon-Chef Ulrich Schumacher hatte sich vor Weihnachten zuversichtlich geäußert, dass "der Boden beim Umsatz erreicht ist". Einen ersten Überblick über die Zahlen des letzten Quartals gibt Infineon am 21. Januar.

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