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16.01.2003

18:00 Uhr

Warten auf Besserung

Ausstellungen sind Spiegelbild der Konjunktur

VonReinhard Lückmann und Vanessa Liertz (Handelsblatt)

Am 16. Januar beginnt mit der Grünen Woche die Messesaison für das Jahr 2003. Während Besucher- und Ausstellerzahlen zurückgehen, investieren die Veranstalter in neue Flächen. Neue Konzepte fehlen bisher.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Wer spricht eigentlich von einer Krise im Messewesen? Die Berliner und Düsseldorfer jedenfalls nicht. Zuwächse bei Ausstellern und Besuchern und ein ansehnlicher Gewinn unter dem Strich signalisieren: "Wir sind besser als die Branche." In der Tat werden andere Messeplätze solch glänzende Ergebnisse nicht ohne Neid zur Kenntnis nehmen. Denn einigen Veranstaltern "steht inzwischen sogar das Wasser bis zum Hals", sagt ein Insider.

Nach Berechnungen des Messeverbandes Auma sanken die Besucherzahlen um durchschnittlich rund 5 %, bei den Ausstellern gab es ein Minus von 2 %. Die Messewirtschaft sei aber im Vergleich zu anderen Branchen der Kommunikationswirtschaft mit einem blauen Auge davongekommen, beschwichtigt Auma-Geschäftsführer Hermann Kresse im Gespräch mit dem Handelsblatt. Einem Plus von 1,5 Prozent bei ausländischen Ausstellern habe allerdings ein Minus von fünf Prozent bei deutschen Firmen gegenübergestanden.

Insgesamt zeigen die Zahlen, dass Messen nur ein Spiegelbild der Konjunktur sind. Jedenfalls spielen sie als Impulsgeber oder gar als Motor derzeit wohl kaum eine Rolle. Dennoch "sind die Stimmungsbilder von Messen für uns auf jeden Fall relevant", sagt Thomas Hueck, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der Hypo-Vereinsbank. "Wenn alle Besucher mit einem Lächeln durch die Hallen gehen, dann schlägt sich das schon in den harten Daten nieder." Ulrich Kater, Messeexperte von der Deka-Bank, meint: "Sicherlich sind die Stimmungen auf den Messen ein vorlaufender Indikator für die Gesamtkonjunktur. Aber das sind weiche Faktoren, die alleine nicht zu einer anderen Konjunkturprognose führen."

Für die Veranstalter sollen Messen vor allem die Wirtschaft ankurbeln - und das in zweifacher Hinsicht: Aussteller versprechen sich neue Geschäfte, Besucher mehr Markttransparenz und günstige Abschlüsse. Und: Die Betreiber und ihre Eigentümer - die jeweiligen Städte und Bundesländer - setzen auf die so genannten Sekundäreffekte, also die Umsätze, die sich für das wirtschaftliche Umfeld eines Messestandortes ergeben, wie Einzelhandel, Hotels, Gastronomie und Transportgewerbe.

Aus den Ergebnissen des vergangenen Geschäftsjahres, das deutliche Einbußen für die Branche mit sich brachte, könnte man nun folgern, dass Messen wohl in erster Linie Konjunkturbarometer sind. Sie verhalten sich in ihren Ergebnissen also analog zur Entwicklung der jeweiligen Branche. Die Gemengelage ist allerdings komplizierter: Studien, die beweisen, dass beispielsweise eine Branchenkonjunktur vielleicht noch schlechter ausgefallen wäre, hätte es die Messe XY nicht gegeben, sind bislang nicht publiziert worden. Umgekehrt wäre schließlich auch denkbar, dass sich in Boomzeiten das Messegeschäft unterproportional entwickelt, weil sich die Unternehmen vielleicht denken: "Es läuft auch so."

Doch was tun, wenn der Konjunkturverlauf weiter nach unten tendiert? Was die Entwicklung der Branche im neuen Messejahr 2003 betrifft, demonstriert der Branchenverband Auma Zuversicht. Dabei verweist Kresse auf die Ergebnisse einer Emnid-Befragung. Danach wollen deutsche Aussteller ihre Messeaufwendungen in den beiden nächsten Jahren um 3 % steigern. Eher skeptisch für die Perspektiven der Branche zeigt sich der Fachverband Messen und Ausstellungen, in dem überwiegend Verbrauchermessen organisiert sind. Insbesondere bei den Konsumgütermessen sehe es nicht nach Besserung aus.

Ein Hoffnungsträger für viele Messen ist in dieser Lage das Thema Privatisierung. Das Management der Messe Berlin GmbH drängt zum Beispiel seit Jahren auf Eigenständigkeit. Inzwischen fürchtet ihr Geschäftsführer Raimund Hosch eine "Wachstumsbremse, falls sich die Gesellschafter der Messe nicht schnell zu einer Privatisierung durchringen.

Das Land Berlin allerdings kann sich nicht zu einer Privatisierung der Gesellschaft durchringen. Hosch sagte, drei Private-Equity-Gesellschaften interessierten sich zurzeit noch für einen Einstieg bei der Messe, würden aber bald abspringen, wenn sich Berlin nicht endlich in der Kernfrage entscheide: "Ist es eine hoheitliche, öffentlich-rechtliche Aufgabe, Messen zu betreiben?" Auch andere deutsche Messegesellschaften wie Köln, Düsseldorf oder Frankfurt diskutieren Hosch zufolge inoffiziell, das operative Messegeschäft auszugliedern und zu privatisieren, um besser expandieren zu können.

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