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28.01.2003

20:27 Uhr

Warten auf Bush-Rede

Dax rettet Plus ins Ziel

Gestützt von einer festen Wall Street hat der Deutsche Aktienindex Dax am Dienstag vorerst seine Kurstalfahrt beendet. Das Börsenbarometer stieg nach stetem Auf und Ab bis Handelsende um 1,04 % auf 2671,36 Punkte. Dagegen verlor der MDax der 70 mittleren Standardwerte 1,02 % auf 2927,71 Zähler. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 um 0,65 % auf 357,77 Punkte.

dpa/rtr FRANKFURT/MAIN. Die Papiere des Energieversorgers Eon führten angetrieben von Hoffnungen auf eine außergerichtliche Einigung bei der umstrittenen Fusion mit Ruhrgas die Gewinnerliste an. Auf der Verliererseite standen Finanzwerte. Das weitere Geschehen werde stark von der Rede von US-Präsident Bush in der Nacht zum Mittwoch abhängen, in der Hinweise auf den Fortgang der Irakkrise erwartet würden, sagten Börsianer.

"Vor der Rede des US-Präsidenten George W. Bush haben sich die meisten Anleger zurückgehalten", sagte Aktienhändler Björn Fromkorth vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz. Es galt als wahrscheinlich, dass Bush in der Nacht auf Mittwoch die Öffentlichkeit auf einen Angriff gegen den Irak auch ohne Zustimmung des Sicherheitsrats einschwört wollte. Dagegen traten neue Konjunkturdaten weitgehend in den Hintergrund. So ist das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Wirtschaft etwas weniger stark als erwartet gefallen. Zudem stieg der ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im Januar minimal von 87,3 auf 87,4 Punkte.

Die Versicherer konnten ihre Kurstalfahrt nicht stoppen. Die Aktien der Münchener Rück fielen nach einer Herabstufung durch JP Morgan um 2,13 % auf 90,61 ?. So tief stand der Titel zuletzt vor mehr als sechs Jahren. Allianz-Papiere büßten 0,36 % auf 74,52 ? ein. Spekulationen über möglicherweise drohende Kapitalerhöhungen lasten Frankfurter Händlern zufolge auf den Aktienkursen der Versicherer. Ein Fondsmanager sagte, nach den Verlusten der vergangenen Jahre seien Anleger offenbar nicht mehr so risikofreudig und verkauften schneller. Die Versicherer reagieren wegen ihres großen Aktien-Anlagevermögens traditionell besonders sensibel auf Bewegungen des Gesamtmarktes.

Nach dem Verkauf der übrigen Kabeltöchter gab das Papier der Deutschen Telekom 0,08 % auf 12,15 ? nach. Zu einem Preis von 1,725 Mrd. ? in bar werde ein Konsortium aus Goldman Sachs Capital, Apax Partners und Providence Equity die verbleibenden sechs Kabelgesellschaften übernehmen, teilte der Konzern am Dienstag in Bonn mit. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht darin keinen Grund, die Bonitätsbewertung der Telekom zu verändern. S&P hatte die Telekom zuletzt auf "BBB+" und damit knapp über Ramsch-Status herabgestuft und dies mit der hohen Verschuldung begründet. Die Telekom will den Erlös aus dem Kabelnetzverkauf zum Abbau der Schulden von 64 Mrd. ? verwenden.

Der unsichere Ausblick für die Tourismusbranche und negative Analystenkommentare drückten die TUI-Aktie um 3,67 % ins Minus auf 12,07 ? an das Ende der Dax-Kurstafel. Zeitweise notierte das Papier auf dem tiefsten Stand seit rund zwölf Jahren.

Die Aktie des Düsseldorfer Energieunternehmens Eon setzte sich dagegen mit plus 5,48 % auf 39,67 ? an die Dax-Spitze. Händlern zufolge profitiert sie von Gerüchten um eine außergerichtliche Einigung mit den Gegnern der Eon/Ruhrgas-Fusion.

Der Markt warte mit Spannung auf die zur Nacht zum Mittwoch angesetzte Rede von US-Präsident George W. Bush, sagten Händler. Von dessen Reaktion auf den Blix-Bericht erhoffen sich die Anleger Hinweise auf weitere Schritte der USA in der Irak-Krise. "Es ist das gleiche alte Geduldsspiel", resümierte ein Börsianer. Daher sei die weitere Entwicklung schwer abzuschätzen.

"Der Krieg ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben", sagte ein Börsianer über die vorherrschende Marktmeinung zu einem möglichen Krieg im Irak. Zwar habe der Chef der Uno-Waffeninspektoren Hans Blix in seiner Rede am Montag Irak mangelnde Kooperation vorgeworfen. Ungeachtet dessen wollte die Uno den Kontrolleuren offenbar mehr Zeit einräumen. Die USA haben Irak für den Fall eines Verstoßes gegen die Uno-Abrüstungsresolution militärische Konsequenzen angedroht.

Der Rentenindex Rex fiel um 0,19 % auf 118,43 Punkte. Der Bund Future verlor 0,1 % auf 115,04 Punkte. Die Umlaufrendite stieg auf 3,76 (Montag: 3,72) Prozent. Der Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0808 (Montag: 1,0870) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9252 (0,9200) Euro.

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