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03.02.2003

06:05 Uhr

Warten auf Geschäftszahlen

Große Banken – K(l)eine Gewinne

VonPhilipp Otto und Nicole Walter

Das vergangenen Jahr war für die deutschen Großbanken das härteste seit dem zweiten Weltkrieg und hat tiefe Spuren in den Bankbilanzen hinterlassen. Viel Gutes ist von den Zahlenwerken nicht zu erwarten.

FRANKFURT/M. "2002 war ein schreckliches Jahr für die deutschen Großbanken", haben die Analysten der Ratingagentur Fitch vergangene Woche geschrieben. Nach ihren Berechnungen liegt die Eigenkapitalrendite von Deutscher Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Dresdner Bank zwischen 0,9 % und-25 %.

Für die Commerzbank erwarten viele Aktienanalysten einen Verlust nach Steuern von etwa 260 bis 300 Mill. Euro für das Gesamtjahr nach einem Plus von 102 Mill. Euro im Vorjahr. Die Deutsche Bank wird keine roten Zahlen schreiben. Analysten rechnen mit einem Gewinn zwischen 530 und 800 Mill. Euro. Im Vorjahr waren es nach der Umstellung auf den US-Rechnungslegungsstandard US-GAAP lediglich 167 Mill. Euro.

Das deutliche Plus ist vor allem auf Beteiligungsverkäufe zurückzuführen. Die Deutsche Bank erlöste durch den Verkauf von Paketen an der Allianz, Münchener Rück, Deutsche Börse oder Continental sowie durch einen Rückzug aus einigen Geschäftsfeldern wie dem passiven Asset Management nach Schätzung der Experten rund drei Milliarden Euro. Doch nun hat der deutsche Branchenprimus sein Pulver fast ganz verschossen, die stillen Reserven sind weit abgeschmolzen. Per Ende September hatte die Bank noch stille Reserven in Höhe von 1,15 Mrd. Euro.

Thema Risikovorsorge bleibt auch 2003 im Fokus

Ein großes Thema für die Banken wird erneut die Risikovorsorge sein. Commerzbank-Vorstandschef Klaus- Peter Müller hatte für das Gesamtjahr 2002 rund 1,3 Mrd. Euro prognostiziert, 40 % mehr als im Vorjahr. Analysten schätzen, dass die Risikovorsorge tatsächlich zwischen 1,35 und knapp 1,4 Mrd. Euro liegen wird. Die Deutsche Bank wird deutlich höher liegen: Die Experten erwarten rund 2,1 Mrd. Euro, das ist mehr als das Doppelte des Vorjahres. Im laufenden Geschäftsjahr wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet, obwohl Finanzvorstand Clemens Börsig erklärt hatte, die Risikovorsorge hätte ihren höchsten Punkt erreicht.

Die zweite große Frage ist: Wie weit sind die Banken mit ihren Anstrengungen gekommen, die Kosten zu senken? Der Commerzbank stellen die Analysten ein gutes Zeugnis aus: Seinem Ziel, die Kosten unter fünf Milliarden Euro zu drücken ist Müller wohl ein großes Stück näher gekommen, meinen viele Beobachter. Die Schätzungen liegen meist leicht über 5,1 Mrd. Euro für das Jahr 2002. Die Deutsche Bank ist ebenfalls auf gutem Weg, ihren geplanten Einsparungen zu erreichen. Analysten erwarten bereits für 2002 einen deutliche Rückgang der Verwaltungsaufwendungen auf rund 20 Mrd. Euro, nach 26 Mrd. Euro im Vorjahr.

Drei Sonderfaktoren sorgen bei der Commerzbank für Unsicherheit. Es ist unklar in welcher Höhe die Restrukturierungsaufwendungen für "Kostenoffensive Plus" das Jahr 2002 zusätzlich belasten. Ein Fragezeichen steht auch hinter dem Beteiligungsergebnis: "Ich erwarte, dass die Bank das Ergebnis um 100 Mill. Euro reduzieren muss", sagt Kayser. Ebenfalls unsicher ist, ob die Commerzbank die 400 Mill. Euro aus dem Verkauf ihres 3,9 %-Anteils an der französischen Bank Crédit Lyonnais schon 2002 verbuchen wird.

Bei der Deutschen Bank ist eine kritische Frage, wie das ehemaliges Zugpferd Investmentbanking durch das vierte Quartal gekommen ist. Allein im dritten Quartal stand ein Verlust von über einer Milliarde Euro zu Buche. Zudem werden die Erträge aus dem gerade erst wiederholt umstrukturierten Privatkundengeschäft nicht sehr üppig sprudeln.

Als erstes Institut wird die Commerzbank ihre Bilanz am kommenden Mittwoch vorlegen. Ursprünglich wollte die Bank am Dienstag nach der Aufsichtsratssitzung nur eine Ad-hoc- Mitteilung versenden. Jetzt findet am Mittwoch eine Pressekonferenz statt, um die Zahlen ausführlich zu erklären. Am Freitag verkündet erstmals der neue Mann an der Spitze, Josef Ackermann den Abschluss der Deutschen Bank. Den Bilanzreigen beschließt die Münchener Hypo-Vereinsbank ebenfalls mit einem neuen Mann an der Spitze, Dieter Rampl, am 19. Februar.

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