Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2001

11:17 Uhr

Warten auf Zinssenkung in USA

Börsen hoffen auf neues Glück in 2001

Nach einer Bruchlandung zum Jahresende hoffen die Börsen auf neues Glück in 2001. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss nach Nerven aufreibender Berg- und Talfahrt das Jahr 2000 am Freitag mit 6 433,61 Punkten. Dies war ein Minus von rund acht Prozent binnen Jahresfrist. Gemessen am Höchststand im März mit 8 136 Zählern büßte der Dax gut 20 % ein.

dpa FRANKFURT/MAIN. Deutlich schlechter sah es am Neuen Markt aus, wo der Traum vom schnellen Reichtum jäh platzte. Der Index NEMAX All Share ging mit nur 2 743,42 Punkten aus dem Handel. Seit seinem Höchststand von 8 559 Zählern im März verlor er fast 70 %. Selbst der 99er Rekord Ende Dezember von 4 572 Punkten liegt in weiter Ferne.

Mit einer Zinssenkung Ende Januar könnte vor allem die US-Notenbank bei ihrer nächsten Sitzung die Aktienmärkte aber wieder aus dem Tal der Tränen holen und einen Aufwärtstrend einleiten. "Das wäre das Manna, das uns dringend fehlt", argumentierte ein Aktienhändler auf dem Frankfurter Börsenparkett am Freitag.

An allen deutschen Wertpapierbörsen wurde 2000 unter dem Strich mit 6,1 (1999:5,1) Billionen Euro ein Umsatzrekord erzielt. Davon entfielen 4,7 Billionen Euro auf den Handel mit Aktien. Dem fiebrigen Börsenwahn zu Jahresbeginn mit Kursexplosionen auf breiter Front folgte aber ebenso rasch das böse Erwachen. Auch prominente Schwergewichte wie die Deutsche Telekom, Infineon, DaimlerChrysler oder ThyssenKrupp kamen nach überzogenen Erwartungen von Anlegern und zum Teil krassen Fehleinschätzungen von Analysten schwer unter die Räder. Allein der jahrelange Liebling Telekom büßte von seinem Hoch mit 104 Euro im März 70 % ein.

Abenteuer Neuer Markt als Albtraum

Für zahlreiche Kleinanleger wurde jedoch vor allem das Abenteuer Neuer Markt zum Albtraum. Viele spielten Roulette - und verloren. Sie kauften noch bei astronomischen Bewertungen Aktien von Unternehmen, deren Firmensitz sie auf der Landkarte nicht gefunden hätten. Doch Pleiten, frisierte Geschäftszahlen und sogar der Verdacht auf kriminelle Machenschaften einiger Firmenvorstände haben das Image des Marktes schwer ramponiert. Kursnieten wie Gigabell, Infomatec oder EM.TV bescherten manchen Aktionären fast Totalverluste. "Der Neue Markt ist für viele eine ganz große Enttäuschung", urteilt der Chefstratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank, Alfred Roelli.

Dennoch machen die Banken Anlegern schon wieder den Mund wässrig. Auf 8 200 bis 8 700 Punkte könnte der Dax nach Einschätzung der Deutschen Bank im neuen Jahr steigen. Auch Dresdner, Commerzbank und DG Bank halten gut 8 000 Zähler für möglich. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken sieht sogar den Neuen Markt vor Höhenflügen: 8 000 Punkte könnte der NEMAX nach Ansicht von DG Bank - Chefanalyst Karl-Eugen Reis bis Sommer schaffen - plus 200 %.

Entscheidend dürfte erneut die Entwicklung an der Wall Street sein. Zunehmend dunkle Wolken am US-Konjunkturhimmel hatten zuletzt an der Weltleitbörse in New York die Stimmung verhagelt. Zwar lag der Dow-Jones-Index zum Jahresende mit rund 10 900 Punkten nur rund fünf Prozent unter dem Stand Ende 1999. Die Technologiebörse NASDAQ verlor aber mehr als ein Drittel auf rund 2 600 Punkte. Im Vergleich zum Jahreshoch hat sich der Index-Stand sogar halbiert.

Weltweit hoffen die Aktienmärkte nun, dass US-Notenbankchef Alan Greenspan beim nächsten Treffen der amerikanischen Währungshüter Ende Januar erstmals nach eineinhalb Jahren wieder die Leitzinsen senkt. Dies könnte den Börsen neues Leben einhauchen. Für Europa erwarten die meisten Bankhäuser aber ohnehin ein gutes Börsenjahr 2001. Die Konjunktur läuft zunehmend besser als in den USA, was frisches Kapital auf den Kontinent locken sollte. Aktienstratege Roelli von der Deutschen Bank hält für vorausschauende Anleger gar schon einen Tipp für 2002 parat: "Die Börsenstory wird dann Japan sein."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×