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13.01.2003

08:35 Uhr

Warum der gute Start des S&P-500 in den Januar Mut macht

Statistische Glaskugel verspricht Hausse

VonMichael R. Sesit (Wall Street Journal Europe)

Warum bis zum Valentinstag warten? Glaubt man der Zahlenmagie der Hirsch könnte es bereits im Januar rote Rosen auf die Anleger regnen.

NEW YORK. Die Herausgeber des "Stock Trader's Almanac", die allerlei historische Daten rund um den Aktienmarkt erfassen, sehen nach drei Jahren Baisse für 2003 endlich Licht im Inneren ihrer statistischen Glaskugel.

Der Grund für den Optimismus: Der S&P-500-Index hat die ersten fünf Handelstage des neuen Jahres mit einem Plus von 3,4 Prozent abgeschlossen. Nach Ansicht von Hirsch ist das ein eindeutiges Zeichen für das Ende der Börsenmisere. Schließlich haben die ersten fünf Januar-Tage in 38 der 53 zurückliegenden Jahre dem Aktienmarkt die Hauptrichtung für das Gesamtjahr vorgegeben. Noch nicht überzeugt? Hirsch hat noch mehr Zahlen parat: Seit Anfang 1950 bis zum Ende des letzten Jahres war die Ausrichtung der Kurse im Januar, von vier Jahren einmal abgesehen, der Wegweiser für das ganze Jahr. Der erste Monat des Jahres war damit in den vergangenen 53 Jahren mit einer Trefferquote von 92,5 Prozent der Frühindikator schlechthin für die gesamte Jahresperformance. Immer noch nicht überzeugt? Nun, in jedem ungeraden Jahr seit 1937 bis 2001 war der Januar entscheidend über Plus oder Minus im Gesamtjahr. Das so genannte "Januar-Barometer" lag damit zu 96,9 Prozent richtig. Nicht zu verwechseln ist dieser Frühindikator übrigens mit dem "Januar-Effekt", bei dem gering kapitalisierte Titel die hochkapitalisierten Werte übertreffen.

Zwar basieren die Berechnungen der Datenjongleure auf dem S&P-500- Index, aber nicht nur der Präsident der Organisation, Jeffrey Hirsch, ist optimistisch, dass auch die übrigen Börsen der Welt dem Gesetz der Serie erliegen werden. Auch Volkswirte und Barometer- Skeptiker bestätigen, dass Wall Street im Januar den Märkten in Europa den Weg weist. Und siehe da - schon am 2. Januar stieg der DAX auf Grund positiver US-Vorgaben um 7,3 Prozent, der französische CAC-40 um 4,3 Prozent und der Stoxx-50 um 3,9 Prozent. Schließlich machen die USA 56 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung aus, stellt Morgan Stanley Capital International fest.

Was ist dran am Richtungsgeber Januar? Zum Jahresende haben viele Fondsmanager ihr Portfolio bereinigt. Dabei werden riskante Werte, die verloren haben, gegen bewährte Namen ausgetauscht oder es wird vermehrt in Barmittel umgeschichtet. Die Profis investieren dann im Januar wieder in riskantere Aktien. Und am Beginn eines neuen Jahres konzentrieren sich die Anleger auch auf die Prognosen für Zinsen, Inflation, Wachstum und Gewinne und entscheiden sich für eine aggressive oder defensive Strategie. Das Phänomen, dass gerade der Januar in ungeraden Jahren ein so ausgezeichnetes Barometer für das gesamte Börsenjahr sein soll, führen Hirsch und seine Kollegen darauf zurück, dass der US-Kongress seit 1934 am 3. Januar zusammentritt. Ab dem Jahr 1935 seien in ungeraden Jahren alle Senatoren und Repräsentanten, die im November zuvor gewählt worden waren, anwesend gewesen. Zudem sei die Amtseinführung des Präsidenten vom 4. März auf den 20. Januar vorverlegt worden und finde auch immer in einem ungeraden Jahr statt. "Da haben Sie ab Januar einen sehr starken Indikator, wenn das Geld in den Markt kommt, die Investoren im Geist einen Neuanfang machen und der neue Kongress zusammenkommt," sagt Hirsch.

Die große Zahl wichtiger Ereignisse im Januar, wie die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation, die Vorstellung des Haushalts und die Einführung des Konjunkturpakets übe einen kumulativen Effekt aus. Das Urteil der Anlageprofis über die These der guten ungeraden Jahre fällt allerdings hart aus. "Großer Quatsch", sagt Alan Brown von State Street Global Advisors. "Verwalten Sie Ihr Geld bloß nicht nach dieser Theorie. Da können Sie gleich im Kaffeesatz lesen." "Wir nennen das Hokuspokus", sagt Haydn Davies, Chefvolkswirt von Barclays Global Investors. Er empfiehlt den Anlegern, sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren. Als "außerordentlichen Zufall" ordnet Chris Cheetham, Chief Investment Officer von Axa Investment Management, das Phänomen der angeblich so gewinnträchtigen ungeraden Jahre ein. "Das passt zu der Aussage, dass dir eine Statistik alles belegt, wenn du die Zahlen nur lange genug herumdrehst."

Also gut, dieses Getue um den Januar mag ja Unfug sein. Aber waren denn die Vorhersagen der Finanzmarktbeobachter in jüngster Zeit zutreffender? Für die Unentwegten noch ein echter Hirsch: Der US-Markt ist im dritten Amtsjahr eines amerikanischen Präsidenten nicht mehr gesunken, seit die deutschen Truppen 1939 in Polen eingefallen sind.

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