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10.01.2003

06:00 Uhr

Warum es gut ist, ausländische Unternehmen künftig in deutsche Indizes aufzunehmen

Offenheit bringt mehr Qualität

VonChristian Schnell

Es war eine Randnotiz, die anfangs fehlinterpretiert wurde, deren positive Auswirkungen für den Anleger inzwischen aber unübersehbar sind. Alle Auswahlindizes unterhalb des Deutschen Aktienindex (Dax) sind mit der Neusegmentierung an der Deutschen Börse für ausländische Unternehmen offen.

FRANKFURT/M. Hieß es bei Bekanntwerden dieser Regel noch, die Aussagekraft von MDax, TecDax und SDax könne verfälscht werden, weil deutsche Unternehmen künftig eine untergeordnete Rolle spielen, so zeichnet sich inzwischen ab, dass gerade das Gegenteil der Fall ist: Die neuen Indizes für Werte der zweiten und dritten Reihe werden dadurch aufgewertet.

Bestes Beispiel dafür ist der künftige Technologieindex TecDax: Nach aktuellem Stand könnten unter den 30 Werten mit Qiagen (Niederlande), BB Biotech (Schweiz), Micronas (Schweiz), AT&S (Österreich), Rofin Sinar (USA) und BB Medtech (Schweiz) bis zu sechs ausländische Unternehmen vertreten sein. Im MDax sind es mit Thiel Logistik (Luxemburg) und Teleplan (Niederlande) immerhin zwei Kandidaten, denen Chancen zugestanden werden.

Sowohl Anleger als auch die Deutsche Börse profitieren davon: Schließlich bilden MDax, TecDax und SDax künftig auch qualitativ das Beste ab, was an der Deutschen Börse an kleineren Werten gelistet ist. Gerade für den TecDax befürchteten viele Anleger lange Zeit, dass auch qualitativ wenig angesehene Titel vom Neuen Markt dort vertreten sein würden. Die ausländischen Unternehmen, die nun als Kandidaten gelten, zeigen jedoch das Gegenteil, zählten sie doch mit zum Besten, was am Neuen Markt noch zu holen war.

Beispiel Micronas: Trotz der Halbleiterkrise konnten die Schweizer zuletzt ihre Umsätze gegen den Trend deutlich ausweiten. Ähnlich positive Nachrichten kamen vom österreichischen Leiterplattenhersteller AT&S. Der verfehlte zwar sein Umsatzziel leicht, übertraf aber beim operativen und beim Nettoergebnis die Erwartungen deutlich.

Aber auch die Deutsche Börse gewinnt. Schaffte sie es doch, mit dieser Maßnahme zum Profiteur ihrer eigenen Neuregelung zu werden. Hintergrund ist, dass alle genannten Unternehmen bisher im Nemax 50 gelistet waren. Das war durchaus möglich, hatte der Neue Markt doch privatrechtlichen Status. Künftig gilt jedoch die öffentlich-rechtliches Börsenordnung und die verbat bisher die Aufnahme ausländischer Unternehmen in einen Auswahlindex. Diese Nuance hätte wohl nur schwer vermittelt werden können. Die Gefahr, dass etliche der durchaus namhaften Gesellschaften die Deutsche Börse verlassen, wäre dafür umso größer gewesen. Mit Recht hätten sich ausländische als Unternehmen zweiter Klasse gefühlt. Nun werden sie sogar aufgewertet, weil MDax, TecDax und SDax in Zukunft bei Anlegern zweifellos ein besseres Ansehen genießen werden als der ungeliebte Nemax 50.

Im internationalen Vergleich hat sich die Deutsche Börse mit dieser Regelung weit aus dem Fenster gelehnt. Weder an der Wall Street noch an einem anderen namhaften Börsenplatz kennt man eine solche Offenheit. Unvergessen ist das Gezänke, ob Daimler-Chrysler in den S&P 500 aufgenommen werden durfte. Der Firmensitz ist Stuttgart, also handelt es sich um ein deutsches Unternehmen, also kann es nicht in den S&P 500 aufgenommen werden, hieß es damals zur Begründung.

Um diese Hürde zu umgehen und in den britischen FTSE 100 zu gelangen, verlegte die South African Brewery vor einige Jahren sogar ihren Firmensitz von Südafrika nach Großbritannien. Der Nutzen war jedoch nur von kurzer Dauer: Nachdem die Marktkapitalisierung gefallen war, wurde die Aktie unlängst aus dem FTSE 100 genommen. Dass ein ausländisches Unternehmen extra für die Zugehörigkeit zu einem deutschen Auswahlindex seinen Firmensitz verlegt, erschien wohl auch den Verantwortlichen der Deutschen Börse zu abwegig.

Für den Anleger jedenfalls ist die Neuregelung ein Gewinn. Zumal mit Gericom (Österreich), Highlight Communications (Schweiz) oder SCM Microsystems (USA) weitere aussichtsreiche Kandidaten in Wartestellung stehen.

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