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28.01.2003

07:54 Uhr

Warum schwache Werte wie EMS New Media, Travel24.com und die Net AG künftig dem Prime Standard angehören

Auch in Zukunft müssen die Anleger Qualitätswerte selbst herausfiltern

VonChristian Schnell

Die Qualität eines neuen Produkts lässt sich am ehesten daran erkennen, wie es von den Kunden angenommen wird. Insofern kann sich die Deutsche Börse mit der Einführung des Prime Standard heute schon auf die Schulter klopfen.

FRANKFURT/M. 300 Unternehmen dort fände man klasse, hieß es bei der Vorstellung im vergangenen Herbst. Mitte Januar waren es bereits 347, und da die Zulassungsfrist erst am Freitag endet, könnte sogar die Zahl 400 erreicht werden. Alle sind also Prime: Ob EMS New Media, deren Papiere im Moment für 0,25 Euro zu haben sind, oder Travel24.com mit aktuellem Kurs von 0,38 Euro. Für die Net AG sind immerhin 0,51 Euro hinzublättern. Das verdeutlicht: "Prime" heißt nicht gleich Qualität. Die Unternehmen haben lediglich alle Anforderungen der Deutschen Börse erfüllt - das genügt zur Aufnahme in den Prime-Standard. Welche Aktie Qualität hat und welche nicht, das müssen die Anleger auch weiterhin selbst herausfinden.

Auch EM.TV wurde von der Zulassungsstelle der Frankfurter Wertpapierbörse in den Prime Standard aufgenommen, obwohl gegen die Ex-Chefs Thomas und Florian Haffa vor dem Münchener Landgericht im Moment ein Prozess läuft. Dort geht es um die Frage, ob die Brüder den Aktienkurs mit einer Pflichtmitteilung bewusst manipuliert haben. Das alles interessiert die Zulassungsstelle nicht: Erstens sind die Haffas bisher nicht verurteilt und zweitens hat auch EM.TV wie EMS New Media, Travel24.com und die Net AG alle erforderlichen Zulassungsvoraussetzungen für den Prime Standard erfüllt.

Je näher die neue Börsenwelt rückt, umso mehr Kuriositäten tun sich für den Anleger auf. Zum Beispiel Adva: Der Meininger Hersteller optischer Kommunikationsgeräte erhielt am 15. Januar die Zulassung zum Prime Standard. Weil er aber nicht gleichzeitig am Neuen Markt und im Prime Standard gelistet sein darf, endet mit Ablauf des 15. Januar die Zulassung für den Neuen Markt. Im Auswahlindex Nemax 50 ist Adva aber wie viele andere Unternehmen, die inzwischen schon zum Prime Standard zugelassen sind, noch vertreten.

Die Erklärung ist einfach: Die Deutsche Börse hat den Nemax 50 mit den Unternehmen, die am 31.12.2002 dort gelistet waren, quasi "eingefroren". Denn der Index wäre sonst kaum noch zu berechnen. Schließlich sind wegen der neuen Regeln inzwischen nur noch weniger als 100 Unternehmen am Neuen Markt gelistet. Aufgetaut wird am 21. März nach Börsenschluss. Wie der Nemax 50, der wegen diverser Derivate noch bis Ende 2004 berechnet werden soll, ab dem 24. März aussehen wird, lässt sich aber erahnen: Dann wird er nicht mehr der Auswahlindex des Neuen Marktes, sondern der 50 größten Tech-Werte sein. Die Plätze 1 bis 30 dort sind deshalb identisch mit dem TecDax, ab Platz 31 lassen sich die potenziellen Aufstiegskandidaten in diesen Index erkennen.

Nun ist Adva also zum Teilbereich des geregelten Marktes mit weiteren Zulassungspflichten (Prime Standard) zugelassen, wie es im offiziellen Amtsdeutsch heißt. Warum ist beispielsweise aber Karstadt Quelle am gleichen Tag zum Teilbereich des amtlichen Handels mit weiteren Zulassungspflichten (Prime Standard) zugelassen worden? Der Grund ist juristisch spitzfindig und dennoch einfach: Wer bisher dem geregelten Markt angehörte wie zum Beispiel die Unternehmen des Neuen Marktes, der gehört nun dem Teilbereich des geregelten Marktes im Prime Standard an. Gleiches Spiel beim amtlichen Handel. Dort ist man künftig im Teilbereich des amtlichen Handels im Prime Standard vertreten. Und um den Anleger nun komplett zu verwirren: Den Rest von geregeltem Markt und amtlichen Handel (der eben nicht "Teilbereich" ist) findet er künftig im General Standard. Zu merken braucht er sich das allerdings nicht: Schließlich gibt es kaum noch Unterschiede zwischen amtlichem Handel und geregeltem Markt. Und außerdem zählt für ihn am Ende sowieso nur, ob eine Aktie kräftig zulegt oder nicht.

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