Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2002

06:45 Uhr

Handelsblatt

Was ist dran an I-mode?

VonVon Holger Bothmer Director Mobility Consulting (B2motion GmbH)

Unlängst hat E-Plus die Einführung von I-mode in rund zwei Monaten verkündet. Kein Wunder also, dass I-mode zur Zeit überall (auch hier) ein Thema ist. Aber leider wird zu diesem Thema eine ganze Menge Unsinn (der geneigte Leser möge mir meine Wortwahl verzeihen...) geschrieben. Höchste Zeit ein mal ein paar Behauptungen aufzugreifen und zu durchleuchten!

I-mode und WAP - der Vergleich hinkt

Gerne wird das erfolgreiche I-mode mit dem erfolglosen WAP verglichen. I-mode ist beliebt, bunt, funktioniert toll, hat viele Dienste. WAP ist unkomfortabel und nutzlos. Aber der Vergleich ist so unfair wie der Vergleich eines Mercedes S-Klasse mit einem 180 PS Turbo-Diesel Motor. WAP ist eine Protokollspezifikation, bestehend aus der Definition von Übertragungswegen, der einzelnen Komponenten wie Browser, Server, Gateway und einer sogenannten Markup Language (WML). I-mode hingegen ist ein Dienst. Dieser Dienst nutzt sogar ähnliche (in der Konzeption fast identische) Verfahren wie sie WAP definiert. Ein fairer Vergleich wäre eher der zwischen I-mode und dem WAP-Dienst von D2 Vodafone. Dass da I-mode besser abschneidet, will ich gar nicht bestreiten. Aber was sind die Gründe dafür?

Erfolgsfaktoren von i-mode

I-mode hat mittlerweile weit über 30 Millionen aktive Nutzer. Sicher ist die Zahl der im Umlauf befindlichen WAP Handys enorm, aber tatsächlich genutzt wird WAP eher selten. Der Erfolg von I-mode lässt sich vereinfacht auf zwei Faktoren zusammenfassen: Zum einen ist es ein vollständiger, integrierter Dienst, der unterschiedlichste Anwendungen bereitstellt und alle Beteiligten nahtlos integriert. Das sind sowohl Anwender, als auch Dienstanbieter und nicht zuletzt die Bereitstellung von Abrechnungsverfahren. Zum anderen hat I-mode die "Killerapplikation" (ich wollte das Wort vermeiden, aber hier muss es leider sein) Email zum Anwender gebracht. Hier muss man erwähnen, dass die Verbreitung von privaten Internet Anschlüssen in Japan zur Einführung von I-mode minimal war. Handys waren weit verbreitet und I-mode brachte so jedem die Möglichkeit E-mail zu senden und zu empfangen. Möglich war das alles nur durch ein Paket basiertes Übermittlungsverfahren, d.h. man muss sich nicht irgendwo einwählen (wie heute bei den GSM-basierten WAP Diensten), sondern ist immer online, sobald das Handy an ist. Hinzu kam ein Benutzerfreundliches Preismodell in Form einer Monatspauschale für alle Datenkommunikation.

Ist der Erfolg von i-mode in Deutschland wiederholbar?

Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache, so muss ich hier doch ganz deutlich mit nein antworten. Die Gründe liegen auf der Hand: Die "Killerapplikation" (schon wieder) E-mail ist hier keine. Private E-mail-Anschlüsse sind bereits zu verbreitet. Bleibt lediglich die Vollständige Integration des Dienstes mit Anbietern, Billing, usw. Aber hier ist E-Plus möglicher Weise schon zu spät dran. Alle Telekommunikationsanbieter arbeiten bereits an Abrechnungsmechanismen, Location Based Services, usw. Warum sollte der i-mode Dienst von E-Plus attraktiver sein als die anderen WAP Services? Viele Anbieter haben bereits WAP-Seiten. Welche Motivation haben sie weitere I-mode-Dienste anzubieten? Das farbige Display alleine wird da wohl nicht reichen (mal abgesehen davon, dass Farbe in WAP 2.0 ebenfalls verfügbar ist).

I-mode/WAP wird durch GPRS/UMTS überflüssig

Diesen Satz liest man immer wieder in verschiedenen Ausprägungen. Egal welche, sie machen alle keinen Sinn. Sowohl I-mode, als auch WAP benötigen irgendein Verfahren zur Datenübertragung. WAP kennen wir alle auf Basis GSM, ist aber schon via GPRS verfügbar. Auch UMTS ist nur eine Schicht unterhalb von WAP. Das gleiche gilt für I-mode. Der Grund dafür, dass die Einführung von I-mode in Deutschland so lange braucht ist der, dass hier GPRS als Übertragungsverfahren zum Einsatz kommt, ist es doch das erste und bislang einzige Verfahren, das Paket basiert ist.

Also alles nix?

OK, allzu enthusiastisch klingt meine Einschätzung von i-mode bislang nicht. Bin ich ein I-mode-Skeptiker. Sicher! Bin ich ein I-mode-Hasser? Ganz sicher nicht! Ganz im Gegenteil. Wesentlich für den Misserfolg von WAP war eine völlige Fehleinschätzung dessen, was WAP überhaupt leisten kann. Betrachten wir I-mode und seinen Erfolg in Japan realistisch, so müssen wir zugeben, dass das mit Sicherheit einmalig war und so in der Form nicht wiederholbar ist.

Aber gleichzeitig können wir sehr viel davon lernen! Bei I-mode wurde einiges richtig gemacht. Man hat Bedürfnisse der Anwender gelöst, nicht neue Technologie ohne Sinn und Verstand vermarktet. Und man hat die Preismodelle am Anwender orientiert. So kostet der Datendienst von I-mode weniger als ? 50 pauschal im Monat. Vergleichen wir das mit den aktuelle GPRS-Preisen: In Deutschland zahlt man pro 10 kByte rund 35 Cent. Das macht ? 35 pro Megabyte! Auch wenn die Verfügbarkeit ausreichend und die Datenübertragungsraten so gut wie angekündigt wären, so ist der Preis für sinnvolle Nutzung indiskutabel. Und so bleibt denn auch die spannende Frage, ob E-Plus mit der I-mode-Einführung ein interessantes Pricing für Datenkommunikation anbietet. Vielleicht kaufe ich es dann auch...

Schreiben Sie dem Autor: hbothmer@b2motion.de

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×