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16.01.2004

15:28 Uhr

Was Mann trägte

Dandy III: Pelerine

VonAnke Edding (Handelsblatt)

Die klassische Capa Española ist eine vornehme Robe und ein lässiger Mantelersatz in der kalten Jahreszeit.

Je stolzer der Schritt, umso wallender schwingen die Stoffmassen der Capa Española, des spanischen Capes, um ihre Träger. Jedem Gang verleiht die dunkle Pelerine etwas Erhabenes; einfaches Eintreten, gleichgültig wo, wird zum Auftritt. Schon deshalb avancierte der zeitlose Umhang zur Lieblingsrobe des spanischen Königshauses. Immer wenn es etwas ganz Besonderes zu feiern gibt, greifen König Juan Carlos I. und sein Schwiegersohn Jaime de Marichalar zum wärmenden Wollumhang

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Zu ihren Anhängern gehörten der Maler Pablo Picasso, der Tenor Alfredo Kraus und der Literaturnobelpreisträger Camilo José Cela. König Juan Carlos I. verschenkt die schwarze Pelerine auch gern an Staatsbesucher. Vermutlich stand eine gegen die Kälte über die Schultern geworfene Decke Pate bei dem zeitlosen Kleidungsstück, das für viele ein lässiger Mantelersatz ist. Fest steht jedenfalls, dass schon Kolumbus auf Deck die Decke trug, als er in die Neue Welt segelte.

In Madrid bei der Firma Seseña weiß man sehr genau, wie das traditionelle spanische Cape auszusehen hat. "Es unterscheidet sich von anderen Modellen vor allem durch seine Stoffmassen", erklärt Enrique Seseña. "Der Umfang einer Capa Española bildet einen vollständigen Kreis, in dessen Zentrum der Halsausschnitt sitzt."

In dritter Generation führt Unternehmer Seseña die Schneiderei, die sein Großvater, Don Santo Seseña, 1901 gründete. Schon bald nach der Gründung ernannte Alfons XIII., der Großvater des heutigen spanischen Königs, das Haus Seseña zum Hoflieferanten. "Wenn der König einen neuen Umhang benötigt, wird vom Palast angerufen, um Modell und Maße durchzugeben", berichtet Mari Carmen López.

Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Seit mehreren Jahrzehnten leitet sie den Verkauf des traditionsreichen Unternehmens, das seine wärmenden Umhänge bis ins ferne Japan verschickt. Einen halben Tag braucht der Schneidermeister für den Zuschnitt, Jede Capa besteht aus zwei mit einer Naht am Rücken verbundenen Halbkreisen. Größenunterschiede gibt?s allein in der Halsweite und in der Länge.

In früheren Zeiten galt: je kürzer die Capa, je edler ihr Träger. Bettler mussten den Umhang bis auf die Straße schleifen lassen. Allein dem König war es vorbehalten, einen nur knapp über die Hüfte reichenden Überwurf zu wählen. Heute diktiert die Mode für alle gleich eine bis kurz über die Knie reichende Capa.

Schwarz sollte der Umhang am Abend sein, tagsüber darf es auch Blau und Braun sein. Zwischen 500 und 1 000 Euro kostet eine echte Capa Española, je nach Extras wie Futter, Stickerei und Borten. Offiziell beginnt die Capa-Saison am 11. November und dauert bis Ostern. Übrigens: Frauen dürfen das edle Stück offiziell erst seit wenigen Jahrzehnten tragen.

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