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14.03.2004

19:46 Uhr

"Was wir vorne gemacht haben war haarsträubend"

Stuttgart stürzt 1860 München in Abstiegsgefahr

In akute Abstiegsgefahr haben die Stuttgarter am Sonntag die unter dem Korruptionsskandal leidenden Münchner Löwen gebracht. Mit 2:0 zeigten die Stuttgarter, dass sie das Aus in der Champions League bestens verdaut haben.

HB STUTTGART. Nach dem souveränen 2:0 (2:0)-Erfolg, den Zvonimir Soldo (32. Minute) am Sonntagabend mit seinem vierten Saisontor und Marco Streller (35.) sicherstellten, halten die Schwaben Kurs auf eine erneute Qualifikation für die "Königsklasse". Der Rückstand auf den Tabellen-Zweiten Bayern München verringerte sich auf drei Punkte. Die durch den Trubel um Präsident Karl-Heinz Wildmoser verunsicherten "Löwen", bei denen Fernando (75.) die Gelb/Rote Karte sah, trennen nur noch zwei Zähler von den Abstiegsrängen.

"Wir haben eigentlich stark angefangen und hinten gut gestanden", sagte 1860-Trainer Falko Götz. "Aber was wir vorne gemacht haben, war haarsträubend." Sein Stuttgarter Kollege Felix Magath war sichtlich zufrieden, die drei Punkte eingefahren zu haben. "Das war ein schwieriges Spiel", meinte er, "weit schwieriger, als es der Tabellenstand aussagte. Deshalb bin ich sehr froh über das Ergebnis."

Der vor zwei Tagen aus der Untersuchungshaft auf Kaution freigelassene Wildmoser verfolgte die Partie aus einer der Logen des Daimler-Stadions. Er sah als einer der 41 000 Zuschauer eine chancenlose 60er Mannschaft, in der Janne Saarinen wieder zum Einsatz kam, der gesperrte Roman Tyce aber fehlte. "Wie wir aufgetreten sind, war Scheiße. Ohne Engagement. Ich weiß auch nicht", sagte Benjamin Lauth, zuckte mit den Schultern und meinte zu der "Schmiergeld- Affäre": "Das ist keine Ausrede für uns."

Beim VfB stürmte Streller erstmals von Beginn an. Dieser Schachzug von Trainer Felix Magath sollte sich auszahlen. Der Schweizer traf in seinem sechsten Spiel zum 2:0. Zunächst holte er einen Freistoß heraus, den Marcelo Bordon so scharf schoss, dass ihn Michael Hofmann im Münchner Tor direkt vor Strellers Füße abprallen ließ. Nur drei Minuten vorher hatte Soldo nach Bordon-Flanke per Kopf getroffen.

"Wir wollen dieses Jahr noch Meister werden", hatte Magath vor den "Premiere"-Kameras angekündigt. Seine Mannschaft zeigte sich zwar weiter im Aufwind, doch zu Spitzenreiter Werder Bremen sind es zehn Spieltage vor Ende der Saison noch immer zwölf Punkte. Die Motivation des VfB-Trainers, der am Freitag zum sechsten Mal Vater geworden war (seine Tochter soll Kiara heißen), blieb bei Kevin Kuranyi erfolglos. Der Nationalstürmer ist seit 735 Minuten ohne Torerfolg.

Die harten Münchner konnten dem Spiel auch in der zweiten Halbzeit keine Wende geben. Erst nach einer Stunde sorgte Paul Agostino für die erste Torchance. Leidtragende der "Löwen"-Gangart waren Alexander Hleb, der mit einem Pferdekuss ausgewechselt werden musste (24.), und Soldo. Mit klaffender Kopfwunde, die mit fünf Stichen genäht wurde, ging der bis dato beste Stuttgarter in der 40. Minute vom Platz.

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