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19.03.2003

10:46 Uhr

Washington will Beistandskredite doch freigeben

Türkei setzt auf US-Finanzhilfen

Die USA können für ihren geplanten Irak-Krieg wahrscheinlich doch noch auf die Hilfe der Türkei zählen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat trotz unterschiedlicher Standpunkte im Irak-Konflikt den Wunsch der Türkei nach einem Ausbau der strategischen Zusammenarbeit mit den USA bekräftigt.

HB ANKARA. Das Verhältnis Ankaras zu Washington sei "trotz einiger Differenzen" in der Irak-Frage eine "Beziehung von Verbündeten", sagte Erdogan am Dienstag in der türkischen Nationalversammlung.

Angesichts des drohenden Krieges kündigte Erdogan an, seine Regierung werde unverzüglich "die angemessenen Entscheidungen treffen, um die politischen, militärischen und ökonomischen Interessen der Türkei zu wahren. Das türkische Kabinett wollte am Dienstagabend in einer Dringlichkeitssitzung über die Art der Unterstützung einer US-Militäroperation gegen den Irak entscheiden. Mit der Zustimmung des Parlaments, wird allgemein gerechnet. Anfang des Monats hatte es einen US-Aufmarsch in der Türkei noch abgelehnt. Die USA zogen daraufhin vorige Woche ihre Zusage, der Türkei mit insgesamt 30 Mrd. $ über die Kriegsfolgen hinwegzuhelfen, zunächst zurück. Nicht zuletzt der drohende Ausfall dieser Gelder, die das Land dringend braucht, um seine Inlandsschulden zu bedienen, dürfte die Regierung in Ankara bewogen haben, sich erneut um die Zustimmung des Parlaments zu bemühen. "Regierungschef Erdogan vollzieht eine politisch sehr heikle Gratwanderung", kommentierte ein diplomatischer Beobachter in Ankara den Entscheidungsprozess angesichts des Widerstands in der Öffentlichkeit gegen einen Krieg.

Zusammenarbeit mit den USA erwünscht

Der türkische Wirtschaftsminister Ali Babacan äußerte sich zuversichtlich. "Ich denke, wir werden zu einer engen Zusammenarbeit mit den USA kommen." Er unterstrich, dass die Vereinbarungen über die US-Finanzhilfe "weiterhin gelten". Nach einem Bericht des türkischen TV-Senders NTV soll US-Außenminister Colin Powell seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül telefonisch versichert haben, bei einem positiven Votum innerhalb der nächsten zwei Tage werde es Finanzleistungen der USA geben.

Die türkischen Finanzmärkte reagierten erleichtert auf diese Aussicht. Der Istanbuler Aktienindex legte um 10 % zu, die Lira notierte 4,4 % höher. Die türkische Industrie bleibt trotz des unmittelbar bevorstehenden Krieges im Nachbarland optimistisch.

Wie die Bundesagentur für Außenwirtschaft (BfAI) berichtet, erwarten nur 12 % der Mitglieder der Istanbuler Handelskammer für 2003 einen Rückgang ihres Inlandsumsatzes. Die meisten Firmen beziehen den Krieg nicht in ihre unternehmerischen Planungen ein, fast die Hälfte will in diesem Jahr im Inland neu investieren.

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