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25.04.2003

10:13 Uhr

Wechsel an der Spitze

EnBW setzt auf Konsolidierung

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) will sich in Zukunft auf die Konsolidierung und Verbesserung der Erträge konzentrieren. Das Wachstum werde sich in deutlich geringerem Umfang fortsetzen als in den vorangegangen Jahren.

HB/dpa KARLSRUHE. Der Generationswechsel an der Spitze des Energie-Konzerns EnBW ist vollzogen: Bei der Aktionärs-Hauptversammlung am Freitag in Karlsruhe gab Vorstandschef Gerhard Goll (60) den Stab an Utz Claassen (39) ab. Er übergebe Deutschlands drittgrößtes Energie-Unternehmen in einer "Phase der Konsolidierung".

"Das ist wie bei den Pflanzen: Nach dem Wachstum muss jetzt erst mal zurechtgeschnitten werden", sagte Goll. Der Konzern müsse das Wachstum zunächst einmal "verkraften".

Weiteres Wachstum sei für die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) nur dann möglich, wenn der Konzern zuvor den Gang an die Börse wage, sagte Goll. Die EnBW hat diesen Schritt wegen des andauernden Tiefs am Kapitalmarkt auf unbestimmte Zeit verschoben und zuletzt auf "frühestens 2004" datiert. Sein Nachfolger werde den Börsengang und die damit verbundene Kapitalerhöhung sicher "zum frühstmöglichen Zeitpunkt" nachholen, versicherte Goll den Aktionären.

Kritik musste sich der scheidende Chef vor allem zum Thema Yello- Strom anhören. Mehrere Kleinaktionäre monierten die Konzernstrategie bezüglich des Kölner Billigstromanbieters. Yello-Strom ("Strom ist gelb") beschert der EnBW seit Jahren Verluste in Millionenhöhe. Laut "Handelsblatt" sind die Verluste inzwischen auf 500 Millionen Euro angewachsen. Goll bekannte sich aber erneut zur Yello-Idee. Die Verluste seien Vorleistungen, die ein Konzern bei jeder Neuentwicklung zu leisten habe. Die geplante Einrichtung einer Regulierungsbehörde für Strom und Gas zum 1. Juli 2004 werde "endlich" für echten Wettbewerb sorgen, sagte Goll. "Mit Yello sind wir in einer solchen Situation hervorragend aufgestellt."

Nach der Übernahme der Neckarwerke Stuttgart (NWS) und dem Einstig bei der Gasversorgung Süddeutschland (GVS) könne die EnBW künftig zudem eine "wesentliche Rolle" auf dem Gas-Markt spielen, so Goll. Insgesamt habe der Konzern in den vergangenen Jahren "an Wert gewonnen", bilanzierte Goll. Und sein Nachfolger Utz Claassen werde dafür sorgen, dass die EnBW weiter wachse. Claassen, bisher Chef des Göttinger Biotechnologie-Unternehmens Sartorius AG, nahm bereits als Gast an der Hauptversammlung teil. "Ich kenne Strom bisher nur aus der Steckdose", gestand er. Doch das beschere ihm zumindest den Vorteil der Neutralität und Unbefangenheit.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte die Energie Baden- Württemberg AG ihren Umsatz (ohne Stromsteuer) um 10,1 Prozent auf 8,66 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 451,4 Millionen Euro auf 1,48 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg um drei Prozent auf nunmehr 280 Millionen Euro.

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