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31.01.2003

18:30 Uhr

Weg frei für die Mega-Fusion

Eon und Ruhrgas können jetzt gemeinsam Gas geben

Der Eon-Konzern hat sich nach einem langen Verhandlungspoker mit den Gegnern der milliardenschweren Ruhrgas-Übernahme außergerichtlich geeinigt. Mit dem durch einige Zugeständnisse möglich gewordenen Ruhrgas- Kauf, der größten Übernahme zwischen zwei deutschen Konzernen seit 1999, kann Eon seine Expansionsstrategie auf dem europäischen Gasmarkt vorantreiben. Durch die Übereinkunft kann auch die RAG die Eon-Tochter Degussa übernehmen.

Reuters DÜSSELDORF. Eine Sprecherin des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) sagte am Freitag, alle neun Beschwerden gegen die Fusion seien zurückgezogen worden. Damit habe die Ministererlaubnis für die Übernahme von Ruhrgas Bestand, gegen die die Beschwerdeführer vor Gericht vorgegangen waren, betonte Eon. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte die Einigung. An der Börse legten die Kurse der Eon-Aktien und der für den Kauf von Degussa durch RAG bereits angedienten Degussa-Aktien gegen den Markttrend deutlich zu.

Richterspruch in letzter Minute überflüssig

Mit der Rücknahme der Beschwerden wurde das Verfahren vor dem Düsseldorfer OLG in letzter Minute gegenstandslos, bei dem Eon eine gerichtliche Untersagung des Vollzugs der zehn Milliarden Euro teueren Ruhrgas-Übernahme drohte. Die von den Ölkonzernen Shell und Exxon-Mobil gehaltenen Ruhrgas-Beteiligungen sowie die Anteile weiterer Aktionäre würden kurzfristig übernommen. Schon am Freitag kaufte Eon nach eigenen Angaben den knapp 20-prozentigen Ruhrgas-Anteil der RAG und übernahm mit nunmehr 60 Prozent der Anteile die Kontrolle. Der Kauf des Essener Gashändler ist die größte Übernahme zwischen deutschen Firmen seit dem Zusammenschluss der Konzerne Veba und Viag zum Eon-Konzern im Jahr 1999.

Ruhrgas ist zentrales Element in der Strategie von Eon, auch auf dem europäischen Gas-Markt zu einer starken Kraft zu werden. Der im Mai aus dem Vorstand scheidende Eon - Chef Ulrich Hartmann krönt mit der Fusion seine Amtszeit. Zu den bisherigen Erfolgen des früheren Veba-Chefs zählen die Integration von Veba und Viag, die Konzentration von Eon auf das Energiegeschäft und dessen internationale Ausrichtung. Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann sagte, mit Eon im Rücken könne Ruhrgas international in neue Dimensionen vorstoßen.

Kleinere Anbieter üben Kritik

Eon hatte nach Angaben von Beratern der Verhandlungspartner angesichts der drohenden juristischen Niederlage vor etwa zwei Wochen die Initiative ergriffen und versucht, mit den neun Fusionsgegnern Kompromisse auszuhandeln. Erst kurz vor dem Verkündungstermin des OLG wurden die Gespräche erfolgreich beendet. Kritik an der Einigung gab es von kleineren Gasanbietern. "Das ist für Eon viel zu billig", sagte der Vertreter eines Stadtwerkes, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die von Eon als Preis für ihre Zugeständnisse bei einigen der Gegner genannten 90 Millionen Euro seien vermutlich untertrieben. Von der Beseitigung der von den Beschwerdeführern vorgebrachten Wettbewerbsbedenken könne keine Rede sein.

Zu den Konzessionen, die Eon den Fusionsgegnern gemacht hat, gehören Strom- und Gaslieferungen, Abgabe und Tausch von Anlagen und Beteiligungen und "sonstige Geldleistungen". Auf einer Pressekonferenz verteidigte Eon-Konzernchef Ulrich Hartmann die Konzessionen. "Die Alternative, ein Verfahren vor dem Bundesgerichtshof, hätte sicherlich bis Ende 2004 gedauert", sagte er. Zusammen mit Ruhrgas werde die Eon-Gruppe europaweit rund 13 Millionen Gaskunden haben und damit einer der bedeutendsten Anbieter sein. "Unter den Privaten sind wir dann Nummer eins in Europa", sagte der Eon-Chef.

Degussa-Übernahme nun auch möglich

Mit der Ruhrgas-Übernahme war der Kauf des Chemiekonzerns Degussa durch die RAG verknüpft. Diese Übernahme im Wert von 3,9 Milliarden Euro will die RAG etwa zur Hälfte aus dem Verkauf der Ruhrgas-Beteiligung finanzieren. Die RAG erklärte, alle Bedingungen für ihr bis Freitag befristetes Übernahmeangebot seien erfüllt. Denn auch die Bundesregierung und die Landesregierung in Düsseldorf stimmten der Transaktion zu, die bereits im Herbst von den Kartellbehörden gebilligt worden war. Für die im Rahmen des RAG-Angebots bereits angedienten Anteilsscheine sollen die Degussa-Aktionäre je 38 Euro erhalten. RAG-Chef Karl Starzacher sagte, für die RAG bedeute die Übernahme einen bedeutenden Schritt bei der Neuausrichtung des Konzerns.

Die Eon-Aktie legte bis zum frühen Abend um 3,63 Prozent auf 41,92 Euro zu. Der Kurs der Degussa-Aktien sprang um 8,7 Prozent auf 37,79 Euro.

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