Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2009

17:11 Uhr

Weimers Woche

Obamas Monopoly

VonWolfram Weimer

Er legt los wie das tapfere Schneiderlein. Sieben Riesenthemen erledigt Barack Obama gleich zum Amtsantritt auf einen Streich. Er regiert zwar erst ein paar Tage, doch die Geschwindigkeit, mit der er sich an die Arbeit macht, ist atemberaubend. Noch sieht die Welt in ihm nur den Popstar, den Anti-Bush, den schwarzen Kennedy.

Er legt los wie das tapfere Schneiderlein. Sieben Riesenthemen erledigt Barack Obama gleich zum Amtsantritt auf einen Streich: Das größte Konjunkturprogramm der Weltgeschichte, eine neue Arabienpolitik, das Ende des Irakkriegs, die Schließung von Guantanamo, eine Radikalwende in der Umweltpolitik, eine Steuerreform, Friedenssignale an Russland. Obama regiert erst ein paar Tage, doch die Geschwindigkeit, mit der er sich an die Arbeit macht, ist atemberaubend. Noch sieht die Welt in ihm nur den Popstar, den Anti-Bush, den schwarzen Kennedy. Wir applaudieren jeder seiner Entscheidung, weil Amerika nach den bleiernen Bush-Jahren nun endlich wieder so leicht auftritt, wie wir Europäer das großartig finden. Außenpolitisch haben wir den guten, alten Verbündeten wieder.

Doch bei aller Faszination für die Rückkehr des Pathos in die Politik, für Stil und Rhetorik, für Inszenierung und Glamour – das Herzstück der Obama-Politik ist reines Monopoly. Dieser Präsident spielt Vabanque, weil er die Überschuldungsprobleme seines Landes mit einer gigantischen Zusatzverschuldung erledigen will.

Die USA haben als Staat bereits 10,7 Billionen Dollar Schulden, dazu addieren sich knapp 24 Billionen Dollar Verbindlichkeiten des amerikanischen Privatsektors. Die aktuelle Weltwirtschaftkrise ist ein Kind genau dieses Überschuldungsfiaskos. Amerika hat viele Jahre lang dramatisch über seine Verhältnisse gelebt. Anstatt nun aber eine Vision solider Zukunftsentwicklung zu formulieren, macht Obama finanzpolitisch das gleiche wie George Bush: neue Schulden und eine Nullzinspolitik der Notenbank sollen akute politische Probleme bewältigen. Was bei Bush noch nach texanischer Wurstigkeit einer Finanzpolitik nach Gefahrenlage aussah, droht unter Obama zur Staatsdoktrin zu werden. Obamas erstes Konjunkturprogramm hat das unglaubliche Volumen von 819 Milliarden Dollar, der amerikanische Staatshaushalt gerät aus allen Fugen, die Geldmenge der US-Notenbank explodiert. Das einstige Sponti-Motto „Raus mit den Milliarden“ wird System. Während Bush nur wie ein Wilder neues Schuldenöl ins amerikanische Feuer spritzte, legt Obama nun richtige Pipelines an.

Schon kurzfristig erwächst für diese Strategie ein Problem: Wer soll die neuen Obama-Anleihen zeichnen? Wer gibt einem überschuldeten Halbbankrotteur freiwillig so viel neues Geld? Die Chinesen, die Araber, die Deutschen? An den internationalen Rentenmärkten zeichnet sich ab, dass auch Staaten es immer schwerer haben, sich über Anleihen zu refinanzieren.

Angesichts dieser Gefahr hat die US-Notenbank kurzerhand beschlossen, Staatsanleihen auch selber zu kaufen. Damit tritt das Monopolyspiel in eine völlig neue Dimension. Wenn eine Regierung sich überschuldet und sich selber die Schulden auch noch abkauft, dann riskiert sie im günstigsten Fall das Vertrauen in die Währung, im schlechten Fall die totale Inflation. Was die Finanzpolitik der USA anbetrifft, fühlt man sich ein wenig an die finalen Tage von Ludwig XIV. erinnert. Der Staatsbankrott droht, also drucken wir Geld.

Da die USA schon jetzt zwei Drittel der gesamten Weltsparleistung zur Finanzierung ihrer Schulden absorbieren, stellt sich Frage nach dem Ausgang des Schulden-Monopolys. Wenn man die historisch übliche Lösung einer derartigen Konstellation - Krieg und Revolution – für unwahrscheinlich hält, dann bleibt eine massive Dollarabwertung die einzige Chance der Amerikaner, ihr Spiel noch zu gewinnen. Sie inflationieren ihre Währung und entledigen sich so der dramatischen Schulden im Ausland. Die plötzliche Flucht viele Kapitalanleger in das Gold ist ein erstes Alarmsignal für die kommende Krise des Obama-Dollars.



Wolfram Weimer ist Herausgeber und Chefredakteur von Cicero. Seine aktuellen Kommentare lesen Sie unter www.cicero.de.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×