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21.03.2003

07:50 Uhr

Weinmesse Pro Wein beginnt am Sonntag in Düsseldorf

Weinmarken wachsen im schwierigen Umfeld

VonStefanie Scharbau (Handelsblatt)

Der deutsche Wein hat es nicht leicht: 2002 wurden erneut weniger deutsche Tropfen getrunken, obwohl der Weinkonsum gestiegen ist. Nur einzelne Winzer legen zu, insbesondere mit Markenweinen. Für viele Verbraucher bleibt der Preis der entscheidende Faktor beim Kauf.

HAMBURG. Mit einer Weinbrause will die Unternehmensgruppe Racke die diesjährige Weinsaison eröffnen. "Viala Carma" heißt das Getränk mit Ingwer- oder Limone-Geschmack, das das Bingener Unternehmen auf der am Sonntag beginnenden Weinmesse vorstellen wird. Was bei Liebhabern eines edlen Tropfens Kopfschütteln verursacht, hat durchaus Aussichten auf Erfolg: "Viala" gilt als bedeutendste Weinmarke im Tankstellengeschäft. Mit dem Mixgetränk will Racke nun auf diesen Erfolg aufbauen und insbesondere die jüngere Zielgruppe ansprechen.

Wie Untersuchungen des Marktforschungsinstituts Nielsen ergeben, sind es insbesondere Markenweine, die ihre Umsätze in diesen Zeiten noch steigern können. Der Absatz der bekannten Marke "Medinet", vertrieben von der Privatkellerei Langguth Erben, stieg etwa im vergangenen Jahr um gut 20 %, "Blanchet" legte um 38 % zu, "Amselfelder" konnte seinen Absatz mehr als verdoppeln (beide Racke).

So ist das Geschäft mit den Weinmarken bei dem Bingener Unternehmen Racke im ersten Halbjahr 2002 um 15 % gestiegen. Eine Unternehmenssprecherin berichtet auch für die vergangenen Monate von einer weiterhin positiven Entwicklung. Zusammen mit Blanchet und Amselkeller gehört die Marke "Viala" zu den umsatzstärksten des Unternehmens. Nur auf Grund der rückläufigen Zahlen im Sekt- und Spirituosengeschäft schloss Racke mit einem Umsatzminus von 8 % auf 214,5 Mill. Euro ab.

Mit dem positiven Wein-Umsatz heben die Bingener sich von der Branche ab: Branchenweit gab deutscher Wein im vergangenen Jahr 2,5 % Marktanteile zu Gunsten ausländischer Tropfen ab. Und das, obwohl der Weinumsatz in Deutschland 2002 um 1 % auf 3,5 Mrd. Euro gestiegen ist. Die Bemühungen deutscher Anbieter, eine Marke zu etablieren und sich so in den Köpfen der Verbraucher zu verankern, bleiben häufig im Ansatz stecken. Die Konsequenz: Viele Kunden kapitulieren vor der starken Differenzierung nach Anbaugebieten, Rebsorten und Qualitätsstufen und greifen wahllos ins Weinregal. Insbesondere im Supermarkt oder beim Discounter wird der Preis zum kaufentscheidenden Faktor.

"Es ist schwer, im deutschen Markt Marken zu positionieren", sagt Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz. "Schließlich ist es die Vielfalt der deutschen Weine, auf die die Winzer stolz sind." Weil diese Vielfalt trotzdem zu Verwirrungen beim Verbraucher führt, hat die Branche im Jahr 2000 zwei Markierungen eingeführt, der auch kleinste Winzer sich anschließen können: "Classic" - für trockene Weine aus einer klassischen gebietstypischen Sorte für etwa 3,50 Euro pro Flasche, "Selection" repräsentiert eine trockene Spitzenklasse für 8 bis 10 Euro. 1200 deutsche Wein-Betriebe bieten ihren Tropfen bereits unter dieser Bezeichnung an. Das Weininstitut geht davon aus, dass die verkaufte Menge von 70 000 Hektoliter in 2002 dieses Jahr auf 200 000 Hektoliter steigen wird. Es unterstützt die Marken-Offensive mit einem Werbe-Etat von gut 1,8 Mill. Euro.

Die größte Weinkellerei Ernest & Julio Gallo aus Modesto in Kalifornien zeigt indessen, wie erfolgreiches Marketing funktioniert. Mit einem Umsatz von gut 56 Mill. Euro gehören die Gallo-Weinmarken zu den umsatzstärksten im deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Laut Nielsen ist ihr Geschäft im vergangenen Jahr um gut 9 % gestiegen. Weltweit erzielte das Unternehmen 2002 einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro. Insbesondere in Deutschland, dem zweitwichtigsten europäischen Markt nach England, plant Ernest & Julio weiteres Wachstum. Zur Unterstützung ist für 2003 ein Marketingbudget in siebenstelliger Höhe geplant.

Weinkenner geben sich häufig kritisch gegenüber Markenweinen, weil sie nur durchschnittlicher Qualität sind, wie Untersuchen von Stiftung Warentest belegen. So verfolgt die Hamburger Hawesko-Gruppe auch eine andere Strategie und hat mit "Jacques? Weindepot" eine erfolgreiche Weinhandelskette. Über gut 240 Depots verkauft Hawesko ein Sortiment von 200 Weinen über die gesamte Preisrange. "Probieren wie beim Winzer" heißt das Konzept. 2002 hat "Jacques" Weindepot" seinen Umsatz um 7 % auf 90 Mill. Euro gesteigert. Nach vorläufigen Zahlen wuchs der Umsatz der Hawesko-Gruppe im vergangenen Jahr um 1 % auf 267 Mill. Euro.

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