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06.01.2003

08:43 Uhr

Weiter steigende Rohstoffpreise spiegeln Krise an den Finanzmärkten wider

Chancen auf Januar-Kursrally sinken

VonIngo Narat

Der furiose Jahresauftakt am vergangenen Donnerstag ist fast vergessen. Der Irak-Konflikt und die Krisenherde in Venezuela und Asien belasten die Aktienmärkte. Analysten halten optimistische Jahresausblicke für verfrüht.

FRANKFURT/M. Die internationalen Rohstoffmärkte senden klare Krisensignale: Der Goldpreis liegt wieder auf Sechsjahreshoch, der Ölpreis markiert ein Zweijahres-Top. Es erscheint fraglich, ob die Aktienbörsen die Belastung abschütteln können, der sie durch die Zuspitzung der Situation in den drei großen Krisenherden Irak, Venezuela und Nordkorea ausgesetzt sind. Hinzu kommen ungelöste strukturelle Probleme im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem. In den vergangenen Tagen verschärfte sich die Lage schon dadurch, dass die USA ihre Kriegsvorbereitungen im Mittleren Osten verstärken und der fünftgrößte Ölexporteur im Zuge des Streiks mit Unruhen zu kämpfen hatte.

Der Goldpreis sprang während der New Yorker Handelszeiten am Freitag, auch getrieben vom schwachen Dollar um fünf auf 351 US-Dollar. Der Unzenpreis lag damit wieder auf dem langfristigen Hoch, das bereits einmal kurz im Dezember vergangenen Jahres erreicht worden war. Die Goldhandelsfirma Alliance Financial prognostiziert für die nächsten Tage Sprünge bis auf 365 US-Dollar.

Der Preis des Ölterminkontraktes für die Februar-Lieferung an der Nymex überwand die Marke von 33 US-Dollar. Händler gehen nach den von Gewalt begleiteten Unruhen in Venezuela davon aus, dass es Präsident Hugo Chavez schwer fallen wird, sein Versprechen einzuhalten, die Ölförderung in kurzer Zeit wieder auf das frühere Niveau anzuheben

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An den Aktienmärkten tat sich dagegen nach den Kursanstiegen vom Donnerstag wenig. Dow und Dax tendierten knapp gehalten und schlossen bei 8 601,69 bzw. 3 092,94 Punkten. In USA sackte der Kurs des Einzelhändlers Home Depot nach schlechten Gewinnausblick ab. In Deutschland setzten sich Epcos, SAP und MLP mit starken Kurszuwächsen in Szene.

Für die Zukunft geben sich viele Aktienhändler und-strategen interessanterweise optimistisch. In ihren Ausblicken bemühen sie oft den "Januareffekt": Die Kurse steigen, weil nach Zinszahlungen am Jahresende und der Neupositionierung institutioneller Anleger ein höherer Bedarf an Anlagemöglichkeiten entsteht.

Auch die längerfristigen Ausblicke für das Gesamtjahr 2003 sind von einem bemerkenswerten Optimismus geprägt. Rund 70 wichtige Strategen aus den USA sehen den Dow am Jahresende im Schnitt bei 9 900 Zählern und damit 15 % über dem aktuellen Niveau. Der bekannte Analyst von Morgan-Stanley, Barton Biggs, rechnet sogar damit, dass im Jahresverlauf ein Aufschwung an den Welt-Aktienmärkten beginnen wird, der die Indizes um 50 % nach oben befördern soll. Die jüngste Handelsblatt-Umfrage für den deutschen Markt hatte ebenfalls gezeigt, dass die Erwartungen optimistisch sind. Aktionäre können danach mit einem Dax-Anstieg von 25 % rechnen.

Die große US-Fondsgesellschaft T. Rowe Price warnt allerdings vor blindem Vertrauen in derartige Trendprognosen. Der zur Schau gestellter Optimismus bei entsprechenden Umfragen in den vergangenen Jahren habe sich auch nicht bewahrheitet, heißt es. Ähnlich skeptisch urteilt Julius Bär Investment Management, wenn auch mit anderen Argumenten: Die Konjunkturlage verbessere sich zwar, aber die Aktien seien immer noch hoch bewertet.

Ob die Optimisten zumindest während der kommenden Handelstage recht behalten, hängt nicht nur von der weiteren politischen Entwicklungen, sondern auch von den Bewertungen der anstehenden Konjunkturzahlen (Bericht rechts) und Firmendaten ab. In Deutschland stehen Zahlen von RWE am Mittwoch im Blickpunkt, denen Metro und Douglas am Donnerstag folgen. Die Experten in USA warten am Mittwoch auf den Aluminiumproduzenten Alcoa.

Quelle: Handelsblatt

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