Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2001

17:42 Uhr

Handelsblatt

Weitere Friedensgespräche in Nahost

Israel und die Palästinenser haben nach Angaben aus israelischen Regierungskreisen für Sonntagabend weitere Friedensgespräche angesetzt. Wie aus den Kreisen am Sonntag verlautete, sollte unter anderem Israels Verkehrs- und Tourismusminister Amnon Lipkin-Schahak an einem Treffen am Grenzübergang Eres am Gaza-Streifen teilnehmen.

Reuters JERUSALEM. Israels Unterhändler Gilead Scher und sein palästinensischer Kollege Ahmed Korei hatten zuvor weitere Gespräche angekündigt, ohne einen konkreten Termin zu nennen. Israels Gesundheitsminister Roni Milo reichte wegen der Diskussion über Zugeständnisse an die Palästinenser und die Hoheit über den Tempelberg seinen Rücktritt ein.

Aus den Kreisen verlautete, neben Lipkin-Schahak sollten auch der Chef des israelischen Geheimdienstes Schin Bet, Avi Dichter, teilnehmen. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und der israelische Minister Schimon Peres hatten am Samstagabend in Gaza-Stadt über einen Friedensvertrag beraten. Es war das dritte direkte Gespräch zwischen den Konfliktparteien in dieser Woche. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sagte, Differenzen hätten nicht ausgeräumt werden können. Das Büro von Israels Ministerpräsident Ehud Barak teilte mit, es sei auch über ein Ende der Unruhen in den Palästinenser-Gebieten gesprochen worden. Korei sagte, er glaube nicht an eine Einigung vor der Ministerpräsidenten-Wahl in Israel am 6. Februar.

Der scheidende US-Präsident Bill Clinton hatte im Dezember Vorschläge zu einem Friedensabkommen vorgelegt. Diese waren von den Israelis als Verhandlungsgrundlage angenommen, von den Palästinensern jedoch abgelehnt worden. Bei den Unruhen im Westjordanland und dem Gaza-Streifen sind seit September mindestens 363 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Palästinenser. Scher sagte am Sonntag, Israel werde die Umstände des Todes eines Palästinensers vom Freitag in Hebron untersuchen. In Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie die Leiche des 22-Jährigen von israelischen Soldaten durch die Straßen geschleift wurde.

Milo sagte dem israelischen Rundfunk, er wolle nicht daran beteiligt sein, die Hoheit über den Tempelberg abzugeben. "Ich glaube, das sind unsere historischen Wurzeln", sagte er. Israel und die Palästinenser beanspruchen beide den Tempelberg - von den Palästinensern El Haram el Sharif genannt - als heilige Stätte. Barak hat gesagt, dass er die Hoheit darüber nicht den Palästinensern übertragen wird. Jedoch hat er sich bereit erklärt, Clintons Kompromissvorschläge zu berücksichtigen. Demnach sollen beide Seiten Zugang zum Tempelberg erhalten.

Milo gehört zur Zentrumspartei und war von 1993 bis 1998 Bürgermeister von Tel Aviv. Sein Rücktritt wurde als Zeichen gewertet, dass sich Barak bei der Wahl nicht auf die Wähler der Zentrumspartei verlassen kann. Barak will die Wahl zu einer Abstimmung über die Friedenspolitik machen. Der Kandidat der Arbeitspartei tritt gegen Oppositionsführer Ariel Scharon an, der Zugeständnisse an die Palästinenser ablehnt. Umfragen zufolge liegt Barak deutlich hinter Scharon.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×