Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2002

12:33 Uhr

Handelsblatt

Weitere RHI-US-Töchter flüchten in Chapter 11

Der Feuerfestkonzern RHI AG hat am Freitag bekannt gegeben, dass weitere ehemalige US-Töchter Gläubigerschutz nach Chapter elf beantragt haben.

rtr WIEN. Die von RHI angekündigte Kapitalrestrukturierung - die heute auf einer a.o. Hauptversammlung der RHI von den Aktionären angenommen werden muss - sei durch diese Fälle aber nicht betroffen. Anfang des Jahres hat bereits die RHI-Tochter North American Refractories Company Inc. (Narco) Gläubigerschutz nach Chapter elf angemeldet. Nun seien diesem Schritt Global Industrial Technologies Inc. (GIT), A.P. Green Industries Inc., Harbison Walker Refractories Co. und weitere Gesellschaften unter dem Dach der RHI Refractories gefolgt. Das Management der Gesellschaften will damit eine Reorganisation einleiten, um der steigenden Zahl und zunehmend unkalkulierbaren Höhe der Asbest-Schadensersatzansprüche wirksam entgegentreten zu können. In den USA sind die Töchter mit 400 000 Asbestklagen konfrontiert. Die Settlementkosten waren zuletzt auf 3000 Dollar im Durchschnitt gestiegen.

Grundlage der Reorganisation unter Chapter elf sei eine sogenannte Debtor-in-Possession-Finanzierung (DIP) in Höhe von 35 Mill. $. Diese werde von Halliburton - dem Voreigentümer der GIT, A.P.Green und Harbison Walker - zur Absicherung der zukünftigen finanziellen Verpflichtungen wie Rechtsberatung und Umlaufvermögensfinanzierung bereit gestellt, sagte RHI-Finanzvorstand Eduard Zehetner am Freitag auf Anfrage von Reuters. Narco verfüge über eine zusätzliche externe DIP-Zusage über 20 Mill. $, heißt es in der Aussendung der RHI. Narco war von Honeywell gekauft worden.

Nach eigenen Angaben entstehen RHI, die die Trennung und Entkonsolidierung der US-Töchter per Ende 2001 bereits bekannt gegeben haben, durch die Chapter 11-Verfahren keine weiteren finanziellen Belastungen. Der erfolgreiche Verlauf der US-Reorganisation werde durch das US-Management sichergestellt, so RHI.

Der Rückzug aus den USA ist eine Milliardengrab für die RHI, der dadurch 2001 ein Verlust von 870 Mill. ? entsteht. Die Kapitalrestrukturierung ist heute Gegenstand der a.o. HV, die um elf Uhr MEZ begonnen hat. Der Erfolg der Sanierung hängt an der Zustimmung der Aktionäre für eine Wandelanleihe in Höhe von 144 Mill. ?. Für die HV wird zwar mit einer hitzigen Debatte gerechnet, aber letztlich mit einer Zustimmung für die Anleihe. Im Falle einer Ablehnung drohe die gesamte Sanierung zu scheitern, hatte der neue Vorstandsvorsitzende Gerhard Draxler jüngst gesagt. Das Unternehmen sei somit in der Lage, die angekündigte Kapitalrestrukturierung wie geplant ohne weitere finanzielle Belastungen aus den USA fortzusetzen. Ein weiterer Schritt in der Kapitalrestrukturierung sei mit der Umgründung der Veitsch GmbH-Radex in eine OHG gesetzt worden. Danach werde RHI als Gesellschafter unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der Veitsch OHG-Radex haften, die eine der Kerngesellschaften des RHI-Feuerfestbereichs ist.

RHI notierten Freitagmittag an der Wiener Börse fester bei 7,74 (7,75).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×