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29.01.2005

18:42 Uhr

Weitere Schritte vor allem bei Innovationen und Ausbildung nötig

Manager ermuntern Deutsche zu weiteren Reformen

VonJoachim Dorfs (Handelsblatt)

Internationale Konzernchefs beurteilen beim WEF-Treffen die von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen in Deutschland grundsätzlich positiv, sehen aber vor allem in den Bereichen Bildung und Innovation noch Nachholbedarf.

DAVOS. "Deutschland hat die Zeichen der Zeit erkannt und beginnt sich zu verändern", meint etwa Microsoft-Europa-Chef Jean Courtois. -Philippe Der Franzose sieht die Deutschen im Reformprozess deutlich vor seinen eigenen Landsleuten. "In Deutschland werden die richtigen Fragen gestellte, in Frankreich noch nicht", sagte er dem Handelsblatt. Noch viel zu tun gebe es allerdings in der Förderung von kleinen Unternehmen und Start-ups. Außerdem müssten die Universitäten für Firmen geöffnet werden. Dass Microsoft gleichwohl an den Forschungsstandort Deutschland glaube, zeige die Wahl von Aachen als Standort für ein Innovation Center im vergangenen Jahr.

Auch Daniel Vasella, der Vorstandschef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, stellte fest, dass "die Frage der besseren Förderungen von wissenschaftlichen Innovationen noch nicht beantwortet ist. Es bleibt in Deutschland noch sehr viel zu tun", sagte er. Vasella moderierte am Freitag die Rede des Bundeskanzlers, in der Gerhard Schröder vor den in Davos versammelten Wirtschaftsführern Werbung für den Standort Deutschland betrieb. "Deutschland neigt immer noch dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen", bemängelte der Bundes-kanzler.

Grundsätzlich herrschte auch unter fast allen anderen Teilnehmern dieser Diskussion die Auffassung vor, dass sich Deutschland in die richtige Richtung bewege. "Die Frage ist nur, ob die relative Geschwindigkeit im Vergleich zu anderen Ländern ausreicht", sagte die CDU-Vorsitzende Angela Merkel.

Auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wies darauf hin, dass mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von rund 1,6 Prozent in diesem Jahr der wirtschaftliche Abstand zu anderen Ländern noch weiter zunehme und nicht etwa zurückgehe.

Dem kann Ralph Shrader nur zustimmen. "Wir wollen mehr Reformen in Deutschland sehen", meint der Chef der amerikanischen Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Das Problem der Deutschen ist seiner Auffassung nach, dass sie "die sehr große Herausforderung der Wiedervereinigung mit der typisch deutschen Attitüde? das machen wir schon" ("can do attitude") angegangen sind. Dabei haben sie die Probleme nicht realistisch betrachtet."

Michael Critelli, der Chef von Pitney Bowes, einem US-Hersteller von Frankiermaschinen, sieht zwar "hoffnungsvolle Zeichen dafür, dass die deutsche Regierung die schwierigen Felder angeht." Doch zur innerdeutschen Debatte, ob es eine Reformpause zur Vermittlung der Veränderungen in Politik und Wirtschaft geben soll, antwortet er eindeutig: "Die Regierung muss die Reformen engagiert vorantreiben. Die erforderlichen Veränderungen werden allerdings noch lange dauern und auf harte Opposition stoßen."

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