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09.01.2001

11:16 Uhr

Weiterer BSE-Fall

Bislang neun bestätigte BSE-Fälle in Deutschland

Die Zahl der nachgewiesenen BSE-Fälle ist am Dienstag in Deutschland auf 9 gestiegen. Behörden in Schleswig-Holstein und Bayern erklären, dass sich der Verdacht bei zwei Rindern bestätigt hat.

Reuters BERLIN. Die Zahl der nachgewiesenen BSE-Fälle in Deutschland hat sich auf neun erhöht. Die Behörden in Bayern und Schleswig-Holstein teilten am Dienstag mit, dass sich der BSE-Verdacht bei zwei Rindern durch Untersuchungen der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten bestätigt habe. Bisher hatte es sieben bestätigte Fälle der Rinderseuche bei in Deutschland geborenen Rindern gegeben. Entgegen dem bayerischen Vorstoß will das Landwirtschaftsministerium in Kiel bei der bisherigen Praxis bleiben, im Einverständnis mit dem Bauern alle Tiere einer Herde zu töten, in der ein BSE-Fall aufgetreten ist. In Bayern soll künftig nur das erkrankte Tier getötet werden.

Der Sprecher der schleswig-holsteinischen Agrarministeriums, Eckhard Jacobs, sagte auf Anfrage, der neue BSE-Fall betreffe eine im März 1996 in einem Milchviehbetrieb im Kreis Ostholstein geborene Kuh. Das Tier sei im Jahr 2000 an einen Betrieb in Landkreis Storman verkauft und dort vorige Woche eingeschläfert worden, da es an einer Klauenentzündung erkrankt sei.

Die gesamte Herde von knapp 30 Tieren des Hofes in Ostholstein solle getötet werden, sobald das Einverständnis des Bauern vorliege, sagte Jacobs. Die größere Herde des Betriebes im Kreis Storman bleibe indes zum größten Teil verschont, da sich das Tier nicht dort infiziert haben könne. Getötet würden in dem Betrieb jedoch weitere 19 Tiere, die aus dem Betrieb in Ostholstein stammten. Sie seien in dem Zeitraum von einem Jahr vor oder nach der BSE-infizierten Kuh geboren. Es sei daher möglich, dass sie dasselbe Futter erhalten hätten. Das Futter gilt als der wahrscheinlichste Infektionsweg für BSE.

Es ist der zweite BSE-Fall in Schleswig-Holstein. Ende November war dort der bundesweit erste BSE-Fall bei einem in Deutschland geborenen Tier bekannt geworden. In Bayern bestätigte sich der BSE-Verdacht bei einer fünfjährigen Kuh, wie der Landrat von Lindau am Bodensee, Manfred Bernhardt, mitteilte. Das Ergebnis der Überprüfung eines Verdachtsfalles im oberbayerischen Freising steht noch aus. Ein am Montagabend aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldeter BSE-Verdacht soll bis Donnerstag geklärt sein.

EU-Kommision hat keine Bedenken gegen bayerischen Sonderweg

Landrat Bernhardt sagte, er werde gemäß der Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) vom Vortag voraussichtlich nicht den gesamten Tierbestand des betroffenen Hofes in Sigmarszell mit rund 75 Rindern töten lassen. Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) kündigte an, er werde den bayerischen Sonderweg prüfen lassen. In Kreisen der Europäischen Kommission hieß es, es gebe keine Bedenken gegen den bayerischen Weg. Die EU-Vorschriften besagten lediglich, dass das erkrankte Tier getötet werden müsse.

Das schleswig-holsteinische Agrarministerium indes erklärte, man bleibe bei der bisherigen Praxis, alle Tiere eines BSE-Hofes zu töten. Dies geschehe nur im Einverständnis mit dem Bauern, da es im Land keine Rechtsgrundlage für eine Anordnung der Tötung aller Tiere gebe, sagte der Ministeriumssprecher. Für die Bauern sei dies unter Umständen vorteilhafter als der bayerische Sonderweg. Wenn alle Tiere getötet würden, bekomme der Bauer den Marktwert aus einem Bundesentschädigungsfonds ersetzt. Wenn er darüber hinaus versichert sei, was in Schleswig-Holstein für etwa die Hälfte der Bauern zutreffe, werde ihm bis zum Aufbau einer neuen Herde zudem der Ausfall der Milchproduktion ersetzt.

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