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31.01.2001

16:17 Uhr

Weiterer Schritt erwartet

Greenspan senkt die Zinsen

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch die Leitzinsen in den USA weiter abgesenkt, um der Abkühlung der Konjunktur entgegenzuwirken. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 50 Basispunkte auf 5,50 % gesenkt, teilte die Fed im Anschluss an die Sitzung des für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarktschusses (FOMC) in Washington mit.

rtr WASHINGTON.Der Diskontsatz sinkt ebenfalls um 50 Basispunkte auf 5,00 %. Als Grund für die Senkung nannte die Fed schwache US-Konjunkturdaten und höhere Energiekosten. Analysten hielten den weithin erwarteten Schritt der Fed überwiegend für angemessen, rechnen jedoch mit weiteren Zinssenkungen. Die Reaktion der Kapitalmärkte war moderat. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht Analysten zufolge bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag nicht unter dem Zwang, die Zinsen ebenfalls senken zu müssen.

Zur Begründung ihres Zinsschrittes verwies die Fed darauf, dass das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklima in den USA zuletzt deutlich zurück gegangen seien. Der Index des Verbrauchervertrauens war am Dienstag mit einem Rückgang auf 114,4 von 128,6 Punkte deutlicher gefallen als von Analysten erwartet. Als weiteren Grund nannte die Notenbank hohe Energiepreise. Die Fed werde die weitere Entwicklung der Konjunktur genau beobachten, hieß es weiter. Die Inflation sei dagegen unter Kontrolle.

Analysten erwarten weiteren Zinsschritt



Analysten bezeichneten den Zinsschritt der US-Notenbank weitgehend als angemessen, rechnen aber damit, dass die Notenbank die Zinsen im Verlauf des Jahres weiter senken wird. Dies lasse sich aus der Begründung ablesen. Vor allem der Satz, dass die Fed wachsam bleibe, lasse diesen Schluss zu. "Sie werden nicht bei 5,50 % aufhören", sagte Drew Matus, Volkswirt bei Lehman Brothers. "Wir gehen von weiteren 50 Basispunkten bei nächsten Zinstreffen am 20. März aus, es könnte aber auch eine erneute Senkung zwischen den Sitzungen geben."

Nach Einschätzung von Everett Ehrlich von ESC Company war die Senkung um 50 Basispunkte angebracht. Eine Senkung um 75 Basispunkte, wie von einigen Marktteilnehmern erwartet, hält er für überzogen. "Die Fed hat genau das Richtige getan. Die Wirtschaft ist nicht in einer desperaten Verfassung, sie schwächt sich lediglich ab." So gebe es zum Beispiel durchaus Stärke bei den Technologieinvestitionen. "Und obwohl das Verbrauchervertrauen sinkt, gibt es weiter steigende Realeinkommen", sagte Ehrlich weiter.

Moderate Reaktion



Da die Zinsentscheidung der Fed an den Märkten weitgehend erwartet worden war, fiel die Reaktion entsprechend moderat aus. Der Dollar gab im Anschluss an die Fed-Sitzung etwas nach, der Euro profitierte von dieser Schwäche. Kurz nach der Entscheidung kletterte die Gemeinschaftswährung um mehr als ein Drittel US-Cent auf ein Wochenhoch bei 0,9355 Dollar. Im weiteren Verlauf des New Yorker Handels gab der Euro jedoch wieder etwas nach und notierte um 0,9335 Dollar. Händlern zufolge stützt der Zinsbeschluss und die Begründung der US-Währungshüter insgesamt die pessimistische US-Konjunktur-Einschätzung vieler Anleger. "Die erste Reaktion war daher der Verkauf von Dollar", sagte ein Händler.

Die US-Kreditmärkte gaben nach dem Zinsentscheid geringfügig nach. Die richtungweisende 30-jährige US-Staatsanleihe lag jedoch weiter mit 26/32 deutlich im Plus bei 110-07/32 Punkten. Die US-Aktienmärkte reagierten zwischenzeitlich mit Kursverlusten auf die Zinssenkung. Später notierte der Dow Jones Index der 30 führenden Industriewerte nahezu unverändert um seinen Vortagsschluss.

Bereits am 3. Januar hatte die Notenbank aus Sorge um die sich schnell und deutlich abkühlende US-Konjunktur den Tagesgeldzielsatz um 50 Basispunkte auf 6,0 % gesenkt. Dabei handelte es sich um die erste Zinssenkung zwischen zwei FOMC-Treffen seit Herbst 1998.

Wird die EZB ebenfalls die Zinsen senken?



Von Interesse für die am Mittwoch bereits geschlossenen europäischen Märkte wird nach der Zinsentscheidung der Fed nun vor allem sein, ob die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Ratstreffens am Donnerstag die Leitzinsen in der Euro-Zone ebenfalls absenken wird. Die EZB selbst hatte mehrfach betont, nicht unter Zugzwang zu stehen. Auch Volkswirte hatten gesagt, dass eine weitere Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte die EZB nicht zu einer Zinssenkung ihrerseits veranlassen werde.

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