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10.03.2003

10:26 Uhr

Weiterer Stellenabbau aus dem Ertragstief helfen

Abschreibungen verhageln EADS die Bilanz

Mit einem Umbau seiner hoch defizitären Raumfahrtsparte und der Streichung von weiteren 1700 Stellen will der EADS-Konzern aus den Verlusten kommen.

Reuters MÜNCHEN. Im Geschäftsjahr 2002 hatten Firmenwertabschreibungen, Verluste im Bereich Raumfahrt und ein Gewinnrückgang bei der Tochter Airbus dem zweitgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern der Welt einen Nettoverlust von 299 Millionen Euro eingebracht. Zum laufenden Geschäftsjahr äußerte sich die EADS auf der Bilanzpressekonferenz am Montag angesichts der schwachen Luftfahrtkonjunktur und des drohenden Irak-Krieges zurückhaltend. Die ab Ende März im MDax notierte EADS-Aktie büßte zeitweise in Frankfurt bis zu 4,5 Prozent ein.

Falls 2003 wie geplant 300 Airbus-Flugzeuge verkauft würden, sollten Umsatz und operativer Gewinn stabil bleiben, hieß es. Allerdings hat der Konzern bereits angedeutet, dass im Fall eines Krieges am Golf die geplante Auslieferungszahl möglicherweise nicht erreicht werde. Mit einer generellen Marktbelebung werde frühestens 2004 gerechnet. Für das Nettoergebnis im laufenden Jahr Jahr wollte Finanzchef Hans Peter Ring keine Prognose wagen.

Der Konzern, ein Zusammenschluss der größten Luft- und Raumfahrtfirmen aus Frankreich, Deutschland und Spanien, ist zu 80 Prozent an Airbus beteiligt und konsolidiert den europäischen Boeing-Konkurrenten voll.

2002 verbuchte der Konzern vor Zinsen und Steuern einen Gewinnrückgang um 16 Prozent auf 1,426 Milliarden Euro, erfüllte damit aber die im Februar genannten Ziele. Der Fehlbetrag fiel hingegen mit 299 Millionen Euro höher aus als vom Unternehmen angekündigt. Im Vorjahr hatte EADS noch einen Nettogewinn von 1,372 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Höhe der Firmenwertabschreibungen bezifferte EADS auf 936 Millionen Euro, wovon allein die Raumfahrtsparte mit 350 Millionen Euro zu Buche schlug. Das Sorgenkind des Konzerns leidet aktuell unter dem Einbruch der Nachfrage nach Satelliten und technischen Problemen beim europäischen Raketenprogramm Ariane. Erst im Dezember war eine Ariane 5 nach dem Fehlstart mit zwei Satelliten an Bord gesprengt worden.

Zusätzlich zu den bislang angekündigten 1600 Stellen sollen deshalb in der Division nun in zwei Schritten weitere 1700 Arbeitsplätze wegfallen. Die Restrukturierungskosten in diesem Bereich bezifferte Finanzchef Ring im Gespräch mit Reuters mit rund 200 Millionen Euro. Bis 2005 erwarte der Konzern dadurch Einsparungen von rund 500 Millionen Euro, sagte Philippe Camus, einer der beiden Vorstandschefs des Unternehmens.

Der Streit der Deutschen und Franzosen mit den USA in der Irak-Politik werde das US-Geschäft des Konzerns insgesamt nicht negativ beeinflussen, sagte der andere EADS-Vorstandschef Rainer Hertrich. "Wir haben eine starke Verbindung sowohl auf der Marktseite als auch bei den Lieferanten", sagte er. Allerdings könne die Durchdringung des US-Rüstungsmarktes durch den Streit erschwert werden. Die EADS will den Anteil der Rüstungssparte am Konzernumsatz steigern, um so die Abhängigkeit vom Airbus-Projekt zu verringern.

Auch das Beschaffungsprogramm für den Militärtransporter A400M werde nicht durch Meinungsverschiedenheiten innerhalb Europas in der Irak-Frage beeinflusst, ergänzte Camus. Deutschland hatte seine Order zum Unmut der beteiligten Länder auf 60 von 73 reduziert, wodurch neue Preisverhandlungen notwendig wurden. Camus sagte, er rechne nun innerhalb von Wochen mit der endgültigen Vertragsunterzeichnung für das Transportflugzeug. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 20 Milliarden Euro.

Die EADS-Aktie wurde am frühen Nachmittag in Frankfurt 2,8 Prozent schwächer mit 6,87 Euro gehandelt.

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