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21.01.2003

18:00 Uhr

Weiterer Stellenabbau

Maschinenbau wächst 2003 nur durch Exporte

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer können nach Einschätzung ihres Verbandspräsidenten Diether Klingelnberg auch in diesem Jahr nur auf ihre Auslandsgeschäfte bauen.

Reuters FRANKFURT. "Bei der Situation im Inland können sie kaum erwarten, dass einer investiert", sagte der Chef des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt.

Klingelnberg äußerte massive Kritik an den steuerlichen und standortpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein nach seiner Ansicht inflexibles Beschäftigungssystem sowie eine zu starke Abgabenbelastung und hohe bürokratische Hürden würden insbesondere den Mittelstand bremsen. Als Resultat daraus sehe er auch weiter sinkende Beschäftigtenzahlen in der Maschinen- und Anlagenbaubranche in diesem Jahr, sagte der VDMA-Präsident.

Einziger Wachstumsmotor blieben damit die Auslandsgeschäfte, betonte Klingelnberg. "Im Inland können wir nicht viel erwarten." Unter dem Strich rechne er beim Branchenumsatz mit einer "positiven Null", wobei der Auslandsanteil relativ gesehen weiter zunehmen werde. Auch ein kurzfristig weiter steigender Eurokurs werde diese Entwicklung nicht aufhalten, da die meisten Firmen gegen Währungsschwankungen abgesichert seien.

Klingelnberg rechnet nach einem rund vierprozentigen Rückgang des Branchenumsatzes 2002 in diesem Jahr mit einer stagnierenden bis leicht positiven Entwicklung. Im besten Falle könnten sich die Erlöse der hiesigen Maschinen- und Anlagenbauer Ende 2003 auf bis zu 130 Milliarden Euro nach voraussichtlich gut 127 Milliarden Euro 2002 belaufen. "Vor dem Hintergrund ist das aber eine Zahl, mit der wir zufrieden sind", sagte der Verbandschef mit Blick auf die schwache Konjunkturlage.

In Anbetracht der schwachen Erwartungen an das Inlandsgeschäft seien weitere Reduzierungen bei den Beschäftigtenzahlen nicht ausgeschlossen, sagte Klingelnberg. "Wenn ich bei unter drei Prozent (Wirtschaftswachstum) wachsen will, muss ich abbauen", fügte er mit Blick auf die Konjunkturprognosen von bis zu weniger als ein Prozent für 2003 hinzu. Insofern sehe er Ende dieses Jahres rund 870 000 Beschäftigte im deutschen Maschinen- und Anlagenbau, nach dem die Zahl der Stellen 2002 bereits um rund 2,7 Prozent auf 885 000 zurück gegangen sei.

"Bei den politischen Rahmenbedingungen kann man keinem Unternehmer verübeln, dass er vorsichtig ist", begründete Klingelnberg aus seiner Sicht die schwache Investitionsneigung in Deutschland. Dazu zählten nach seiner Meinung insbesondere die Regelungen zum Kündigungsschutz, ein "sagenhafter Bürokratismus", die Steuerbelastungen vor allem für kleine und mittelständische Betriebe und langfristig gesehen auch das Bildungssystem, unterstrich der VDMA-Präsident. Aus diesem Grund sei auch mit weiteren Verlagerungen der deutschen Firmen ins Ausland zu rechnen, warnte Klingelnberg. "Das ist keine Drohung, das ist eine Tatsache." Bisher sei bereits ein Drittel der Maschinen- und Anlagenbauer über die Landesgrenzen gegangen, bis Ende 2004 rechne er mit einem weiteren Drittel.

Insgesamt seien die Exporte aus seiner Sicht bis auf Weiteres die einzigen Wachstumsbringer für den Maschinen- und Anlagenbau, fügte der VDMA-Präsident hinzu. So rechne er damit, dass der Anteil der Auslandsgeschäfte am gesamten Branchenumsatz in diesem Jahr auf bis zu 68 Prozent steige, nachdem er 2002 schon bei 66,7 Prozent gelegen habe. Der aktuell starke Eurokurs werde die Exporte nicht bremsen, solange er langfristig nicht über 1,20 pro Dollar liege. Sollte die Europa-Währung jedoch über einen längeren Zeitraum auf einem solchen Niveau verharren, sei mit einem "erheblichen Dämpfungseffekt" zu rechnen.

Als wichtigster Auslandsmarkt neben den traditionellen Partnern USA, Frankreich und Italien habe sich China etabliert, erläuterte Klingelnberg. Nach deutlichen zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren rechne er dort mit weiteren Steigerungen, nachdem in dem Land zusehends die politischen und bürokratischen Hürden abgebaut und die Infrastruktur gestärkt würden.

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