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30.01.2003

19:30 Uhr

Weitreichende Zugeständnisse

Kläger ringen Eon die Netz-Öffnung ab

VonJ. Flauger und H.J. Schürmann (Handelsblatt)

Die Kläger gegen die Ruhrgas-Fusion haben Eon alles abverlangt: Bis zuletzt sträubte sich die finnische Fortum gegen einen Kompromiss mit dem Eon-Konzern.

HB DÜSSELDORF. Der Energiekonzern Eon hat seinen Konkurrenten offenbar weitreichende Zugeständnisse gemacht, damit sie am Freitag beim Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) ihre Beschwerden gegen die Ruhrgas-Übernahme zurückziehen. Eon sei bereit, die Durchleitung von fremdem Gas durch das Netz der Ruhrgas AG zu erleichtern, hieß es am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Dies komme allen Marktteilnehmern zu Gute.

Eon hatte am Donnerstag weiter mit den neun Beschwerdeführern um eine außergerichtliche Einigung gerungen. In Verhandlungskreisen hatte es zwar bereits am Nachmittag geheißen, Eon sei sich im Grundsatz mit allen Parteien einig - auch mit dem Berliner Energiehändler Ares, der zuletzt als härtester Verhandlungspartner gegolten hatte. Anschließend verhandelte aber offenbar der finnische Produzent Fortum Oil and Gas nach. Eon lehnte einen Kommentar ab. Das OLG erklärte, es seien noch alle Beschwerden anhängig. In den Verhandlungskreisen hieß es aber, man sei zuversichtlich, dass die Probleme mit Fortum geklärt würden.

Wenn alle neun Beschwerdeführer am Freitag ihren Antrag zurücknehmen, ist die Einstweilige Verfügung hinfällig, mit der das OLG seit Monaten den milliardenschweren Zusammenschluss von Deutschlands größtem Energiekonzern mit der größten Ferngasgesellschaft blockiert. Das Gericht hatte Verfahrensmängel bei der Sondergenehmigung kritisiert, mit der das Bundeswirtschaftsministerium im Juli die Fusion gegen das Votum des Kartellamtes genehmigt hatte. Am Mittwoch hatte mit einer mündlichen Verhandlung das Hauptverfahren begonnen. Heute wollte das Gericht seinen Beschluss bekannt geben.

Die Zeit drängt insbesondere für den Essener Bergbau- und Industriekonzern RAG. Die RAG gibt an Eon ein 18-Prozent-Aktienpaket an und erhält im Gegenzug Aktien am Chemiekonzern Degusssa. Das parellel laufende öffentliche Übernahmeangebot ist aber bis Freitag befristet und verfällt, wenn die Einstweilige Verfügung gegen die Ruhrgas-Übernahme nicht rechtzeitig aufgehoben wird. Wenn die Beschwerden nicht bis zur Mittagszeit zurückgenommen werden, könnte die RAG bei der Abwicklung der Formalitäten in Zeitnot kommen.

Neben Ares und Fortum hatten die Energiehändler Ampere und Trianel, die Stadtwerke Aachen, Rosenheim und GGEW, der unabhängige Stromerzeuger Concord Power und das Branchenschwergewicht Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) eine Beschwerde eingereicht. Die Unternehmen hatten seit mehreren Tagen intensiv mit Eon um eine außergerichtliche Einigung gerungen. Die Gespräche liefen bilateral. Zwar hatte sich Eon bereits gestern im Grundsatz mit den meisten Klägern geeinigt. Nach Informationen des Handelsblattes handelten sie Sonderkonditionen beim Gas und Strombezug, Unternehmensbeteiligungen und Geldzahlungen aus. Mit einem definitiven Zusage wollten die Verhandlungspartner aber warten, bis auch der Letzte eingelenkt hat. Der Vorstand des Bensheimer Energieunternehmens GGEW AG, Peter Müller, sagte noch gestern, bislang sei noch kein Vertrag unterschrieben.

Wenn alle neun Unternehmen am Freitag ihre Beschwerden zurückziehen, wird Eon mit ihnen die Grundsatzvereinbarungen im Detail aushandeln. Sollten diese ergebnislos bleiben, bekommen die Kläger eine zuvor fixierte Geldsumme.

Eon hat über eineinhalb Jahre lang um die Fusion mit Ruhrgas gerungen. Fast ein Jahr braucht er um die komplizierte Anteilseigner-Struktur aufzubrechen und sich die Anteile von RAG, BP, Shell, Exxon Mobil, Thyssen-Krupp, Vodafone und RWE zu sichern. Die Hängepartie vor Gericht zieht sich inzwischen seit fast einem halben Jahr.

Mit der Ruhrgas-Übernahme will Eon-Chef Ulrich Hartmann den vor Jahren begonnenen Konzernumbau krönen. Hartmann hatte reihenweise Randbeteiligungen abgegeben und den Konzern auf das Kerngeschäft Energie konzentriert.

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