Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2001

18:58 Uhr

Reuters MARTINSRIED. Noch im ersten Halbjahr will Morphosys-Vorstandschef Simon Moroney entscheiden, welche Medikamente das Biotechnologieunternehmen aus Martinsried bei München bis zur klinischen Erprobungsphase weiter entwickeln will. Die Auswahl brauche einige Zeit, sagte Moroney am Freitag, da die klinische Forschung weit mehr Geld verschlinge als die Grundlagenarbeit mit synthetischen menschlichen Antikörpern, die Morphosys bislang ausschließlich betreibt. Technologievorstand Thomas von Rüden schloss nicht aus, dass Morphosys ein Medikament auch auf eigene Rechnung bis zur Phase III zu Ende entwickeln werde. Auf Grund des hohen Aufwands könne es dabei aber nur um ein Nischenprodukt gehen.

Bisher produziert Morphosys nur Antikörper (Immunglobuline) und lizenziert diese oder die dazu entwickelte HuCAL-Technologie an Pharma- und andere Biotechnologiefirmen für deren Forschung oder die Entwicklung konkreter Arzneimittel weiter. Dafür erhält das 1992 gegründete Unternehmen Einmalzahlungen und so genannte Meilensteinzahlungen, bei einem Forschungs- und Verkaufserfolg später auch umsatzorientierte Lizenzgebühren. Letztere lägen im einstelligen Prozentbereich bei vorklinischer Forschung, sagte von Rüden. Bei einer Weiterentwicklung bis zu klinischen Phase II könnten sie jedoch einen zweistelligen Prozentsatz erreichen. Die ersten Lizenzgebühren aus den bisherigen Entwicklungen seien 2006 zu erwarten, sagte Moroney.

Drei Prüfphasen für Medikamenten

In der Phase I wird die Sicherheit und Verträglichkeit für den Menschen, in Phase II die Wirksamkeit und die Dosierung des künftigen Medikaments geprüft. Hier stellt sich oft erst heraus, gegen welche Krankheit der Antikörper zum Einsatz kommen kann. Phase III ist die klinische und flächendeckende Erprobung an Patienten. "Das übersteigt normalerweise unsere Größe", so von Rüden. Allenfalls die Entwicklung eines Medikamentes gegen eine seltene Krankheit, das sich für einen großen Pharmakonzern nicht lohne, sei denkbar. Für derartige Arzneimittel erhalten dessen Entdecker oft finanzielle Unterstützung vom Staat oder exklusive Vertriebsrechte für einen gewissen Zeitraum.

Bis zu drei Untersuchungen pro Jahr wolle Morphosys in einem Dreijahreszeitraum bis zur Phase II vorantreiben, sagte Moroney. "Wir prüfen zurzeit, wie viel wir schaffen", so der Gründer und Vorstandschef. Die dazu nötigen Zielmoleküle könnten von anderen Unternehmen oder von Forschungseinrichtungen lizenziert werden. Daneben benötige die Firma zusätzliche Entwicklungskapazitäten, die durch Akquisitionen oder durch strategische Partnerschaften aufgebaut werden könnten. Seit Mai 2000 stehen dafür rund 1,2 Mill. Aktien in Form eines genehmigten Kapitals bereit.

Morphosys hat keinen weiteren Kapitalbedarf

Morphosys beobachte weltweit den Markt, habe aber noch keine konkreten Übernahmeziele ausgemacht, sagte Moroney. Mit 20 Mill. Euro an flüssigen Mitteln bestehe derzeit kein weiterer Kapitalbedarf. Am Ziel, im nächsten Jahr zum ersten Mal schwarze Zahlen zu schreiben, halte er fest, bekräftigte Moroney. "Wenn wir wollten, könnten wir in diesem Jahr schon profitabel sein. Aber kurzfristiger Gewinn ist nicht das, was wir wollen", sagte er. Langfristige Investitionen seien wichtiger.

Das angestammte Geschäft mit der weltweit führenden HuCAL- Technologie wolle Morphosys nicht aufgeben, betonte Moroney. Im laufenden Jahr erwarte er eine ähnliche Zahl von Kooperationen wie im letzten, als das Unternehmen acht Lizenzvereinbarungen geschlossen hatte. "Aber nicht die Zahl, sondern die Größe - das heißt, die Zahl der Zielmoleküle - ist entscheidend", sagte er. An 50 Zielmolekülen ("Antigenen"), hinter denen die Ursache von Krankheiten vermutet wird, forschen die Kunden derzeit. Zu den Partnern von Morphosys gehören unter anderem DuPont und Bayer, Roche und die wie Morphosys am Neuen Markt gelistete GPC Biotech.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×