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05.06.2000

18:20 Uhr

Weltausstellung

Wenig Besucher - Expo gerät finanziell unter Druck

dpa HANNOVER. Die Weltausstellung in Hannover gerät durch die enttäuschenden Besucherzahlen bereits nach den ersten Tagen finanziell unter Druck. Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk räumte ein bis zu zweistelliges Millionenloch ein, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Eine Senkung der Eintrittspreise - die normale Tageskarte kostet 69 DM im Vorverkauf - werde es aber zunächst nicht geben.

In den ersten vier Tagen waren nach Expo-Angaben lediglich rund 360 000 Menschen auf dem Gelände. Auch am Montag kamen nach Schätzungen nicht mehr als 70 000 Besucher, darunter viele Schüler. Volk erklärte den mäßigen Besuch erneut unter anderem mit zahlreichen Kurzurlaubern über ein verlängertes Wochenende. "Nord- und Ostsee waren ausgebucht."

Unterdessen hat die Expo das Problem mit dem Ticketverkauf über Reisebüros lösen können. Der Chef des Start-Buchungssystems), Jürgen Büchy, übernahm für die Pannen die Verantwortung: "Unser System war nicht stabil genug. Dafür entschuldige ich mich ausdrücklich." Volk betonte, dass jetzt "jeder überall in Deutschland Expo-Karten ohne Verzögerung kaufen kann".

Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) äußerte sich gelassen über die geringen Besucherzahlen. Er setze auf Werbung durch Besucher, sagte er bei der Eröffnung der Niedersachsen-Woche im Deutschen Pavillon. "Der Mundfunk ist wichtiger als der Rundfunk." Das Gastgeberland hat ein besonderes Interesse an einem Erfolg der Expo: Das Land trägt die Hälfte des bislang auf 400 Mill. DM veranschlagten Defizits der Expo. Kommen weniger als die erwarteten 40 Mill. Besucher, steigt der Verlust entsprechend an.

Wegen des mäßigen Besucherzuspruchs sind bereits die ersten Zeitarbeitsverträge gekündigt worden. Ein Betreiber von Souvenirläden auf dem Expo-Gelände wolle sich von etwa 120 Mitarbeitern trennen, weil seine Umsatzerwartungen bisher enttäuscht wurden, sagte eine Sprecherin der Zeitarbeitsfirma Adecco. Derzeit sind etwa 4 700 Menschen mit Adecco-Verträgen auf dem Areal der Weltausstellung beschäftigt, davon mehr als 2 500 in umsatzorientierten Geschäftsbereichen.

Zu sehen bekamen die Expo-Besucher erstmals die Zeremonie zum Nationentag auf der Plaza - am Montag feierte die Dominikanische Republik. 200 Schüler machten unterdessen am "Tag der Umwelt" auf der Expo Umweltpolitik. Unter der Präsidentschaft des TV-Moderators Michael Schanze tagte ein "Internationales Kinderparlament".

Überschattet wurde der Auftakt der zweiten Expo-Woche von Anschlägen auf Bahnstrecken vermutlich durch militante Expo-Gegner. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung". Unbekannte hatten in der Nacht zwei Hakenkrallen in die Oberleitung der Hauptstrecke Hamburg-Hannover bei Garßen geworfen. Menschen wurden nicht verletzt.

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