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29.01.2003

07:47 Uhr

Weltbank sieht hohen Bedarf an Infrastrukturprojekten

Privatinvestoren meiden Entwicklungsländer

Private Investoren halten sich nach Einschätzung der Weltbank weiterhin mit der Finanzierung von Infrastrukturprojekten in Entwicklungsländern zurück.

pot/wb FRANKFURT/M. Doch: "2003 wird für uns das Jahr der Konsolidierung", hofft Assaad Jabre, im Vorstand der Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) für das operative Geschäft zuständig. Und mit leichter Ironie: "Viel weiter bergab kann es auch nicht mehr gehen."

Seit 1997 sind die Infrastrukturinvestitionen mit privater Beteiligung (Public Private Partnership - PPI) von 130 Mrd. Dollar auf etwa 60 Mrd. Dollar im Jahr 2001 gesunken. Zu den Gründen der Zurückhaltung von Banken und Industriekonzernen zählt Jabre die diversen Finanzmarktkrisen in Schwellenländern, die Asienkrise 1997, die Russlandkrise und zuletzt die Situation in Argentinien. Hinzu kamen die internen Probleme der Industrieländer wie das Platzen der Internetblase und die Vertrauensverluste an den Börsen, nicht zuletzt im Gefolge des Enron-Skandals. Speziell die großen europäischen Telekomkonzerne seien wegen ihrer Schuldenlasten als Investoren weitgehend ausgeschieden.

Auch die deutschen Banken haben nach Beobachtungen der IFC ihr Engagement zurückgeschraubt. Die IFC ist innerhalb der Weltbank-Gruppe zuständig für die Finanzierung von Privatinvestitionen in Entwicklungsländern. Einige Banken hätten sich praktisch vollständig aus diesem Geschäft zurückgezogen. Allerdings gebe es Ausnahmen. So seien die Westdeutsche Landesbank und die Hypo-Vereinsbank nach wie vor sehr aktiv. Insgesamt haben die deutschen Banken ihren Anteil am Finanzierungsvolumen gehalten, da auch Banken aus anderen Ländern auf die Bremse traten. Derzeit sind deutsche Institute mit Krediten von 1,5 Mrd. Dollar an der Finanzierung von IFC-Projekten beteiligt. Das ist rund ein Fünftel des Gesamtportfolios.

Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet Jabre derzeit die Entwicklung in Argentinien. "Die Probleme in Argentinien müssen gelöst werden. Denn das Land ist ein Vorzeige-Modell der Privatisierung, und ein Scheitern würde völlig falsche Signale geben." Grundsätzlich ist Jabre allerdings zuversichtlich, dass die privaten Infrastrukturinvestitionen wieder in Gang kommen. Der Bedarf in den Entwicklungsländern sei immens. Und die lokalen Regierungen seien weder in der Lage, die Projekte zu finanzieren noch diese zu managen. Gerade mit Blick auf die Projektführung wünscht sich Jabre eine stärkere Beteiligung deutscher Mittelständler mit ihrem speziellen Know-how.

Jabres vorsichtiger Optimismus stützt sich nicht zuletzt darauf, dass die IFC aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. "Es hat sich gezeigt, dass es kein Einheitsrezept für alle Projekte gibt", räumt er ein. Es bedürfe maßgeschneiderter Konzepte von der Finanzierung bis zum Management-Vertrag. Zudem müssten einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Die Projekte dürften die Kaufkraft in den jeweiligen Ländern nicht überfordern. Zudem müssten die Verträge für alle Beteiligten - die Investoren und die jeweiligen Länder - fair und ausgewogen sein.

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