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07.01.2001

14:12 Uhr

Weltgesundheitsorganisation versucht Ängste zu zerstreuen

In Italien, Spanien und Portugal starben mehrere Balkan-Soldaten

Der Krebstod von mindestens sechs italienischen Soldaten soll laut einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur AGI auf die Verwendung uranhaltiger US-Munition auf dem Balkan zurückzuführen sein. Die Agentur berief sich in ihrer Meldung am Samstag auf den Bericht einer von der Regierung eingesetzten militärischen Expertenkommission. Es wäre das erste Mal, dass in einem offiziellen Bericht ein solcher Zusammenhang hergestellt wird.

ap ROM. Die Agentur zitierte den Vorsitzenden des Nationalen Überwachungsinstituts zum Schutz des Militärpersonals, Feldwebel Domenico Leggiero, mit den Worten, der Tod der Soldaten könne "offiziell mit den Umständen auf dem Balkan in Verbindung gebracht werden". Der Tod zweier weiterer Soldaten werde noch untersucht. Die betroffenen Soldaten waren alle auf dem Balkan stationiert. Die italienische Regierung hatte vorigen Monat eine Expertenkommission eingesetzt. Sie soll klären, ob ein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen von Soldaten und der von der NATO in Bosnien und im Kosovo eingesetzten uranhaltigen Munition besteht. Das italienische Verteidigungsministerium kündigte unterdessen am Samstag einen Strahlentest für alle Soldaten an, die auf dem Balkan stationiert waren.

Spanien meldet zwei Todesfälle

Aus Spanien wurden am Samstag zwei Todesfälle von Armeeangehörigen gemeldet, die in der Region stationiert waren. Insgesamt seien sieben spanische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter an Krebs erkrankt, berichteten "El Pais" und "El Mundo". Verteidigungsminister Federico Trillo betonte unterdessen erneut, es gebe keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen den NATO-Geschossen und den aus mehreren Ländern berichteten Erkrankungen.

In Portugal appellierte das Verteidigungsministerium an alle Soldaten, die auf dem Balkan im Einsatz waren, sich bei ungewöhnlichen körperlichen Beschwerden unverzüglich zu einem Strahlentest in Militärkrankenhäusern zu melden. Der Aufruf wurde nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Lusa am späten Freitagabend veröffentlicht, nachdem ein Soldat dem Fernsehsender TVI von einer Leukämie-Erkrankung berichtet hatte. Ein Team portugiesischer Fachleute reiste am Freitag ins Kosovo und nach Bosnien, um Boden, Luft und Wasser zu untersuchen. Sie sollen feststellen, ob Waffen mit abgereichertem Uran die Gebiete verseucht haben. Die Geschosse wurden vom US-Militär im Kosovo-Krieg und in Bosnien eingesetzt.

"Es ist an der Zeit, nicht mehr vollständig auf andere zu vertrauen, wie wir das legitimerweise bisher taten", erklärte Ministerpräsident Antonio Guterres mit Blick auf Versicherungen der NATO, das Uran stelle keine Gefahr für die Gesundheit dar. Rund 10 000 Angehörige der portugiesischen Streitkräfte sollen einem Gesundheitstest unterzogen werden.



Laut WHO keine Zunahme von Leukämie im Kosovo bekannt



Die Weltgesundheitsorganisation WHO bemühte sich am Samstag, den Ängsten der Bevölkerung im Kosovo zu begegnen. Seit Juli 1999 gebe es keine Berichte von einer erhöhten Leukämie-Rate, sagte WHO-Vertreter Erik Schouten in Pristina. Aus Untersuchungen ergebe sich ebenfalls keine Zunahme der Erkrankungen. Weitere Ergebnisse seien aber erst in den kommenden Wochen zu erwarten.

Ein Leukämieopfer gab es unter tschechischen Balkan-Soldaten. Ferner wurde bei vier Franzosen Blutkrebs diagnostiziert. Auch ein deutscher Soldat erkrankte laut "Bild" nach einem Einsatz in Bosnien-Herzegowina an Leukämie.

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