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13.02.2002

19:00 Uhr

Weltgrößte Branchenmesse Biofach wird am Donnerstag eröffnet

Nach der BSE-Krise klingt der Boom bei Bioprodukten wieder ab

Deutschland ist der größte Markt für Naturkost in Europa. Die BSE-Krise hat den Markt kräftig belebt. Einer Studie der Universität Kiel zufolge dürfte der Nachfrageschub aber nicht von langer Dauer sein.

ire NÜRNBERG. Der Nachfrageschub für Bio-Produkte in Folge der BSE-Krise ebbt nach Ansicht von Experten ab. Zwar habe sich das Image von Bio-Produkten durch die BSE-Krise verbessert, heißt es in einer Studie der Universität Kiel. Den bisher prognostizierten guten Wachstumsaussichten verpassen die Wissenschaftler des Instituts für Agrarökonomie jedoch einen Dämpfer. Es sei keineswegs mit einem länger anhaltenden Nachfrageschub zu rechnen.

Die BSE-Krise habe nur zu einem kurzfristigen Umsatzwachstum von Bioprodukten geführt, heißt es. Bereits wenige Monate nach den ersten BSE-Fällen in Deutschland seien die Verbraucher fast zu ihren alten Einstellungs- und Verhaltensmustern zurückgekehrt. Zwar hätten die Konsumenten während der Krise viel bewusster eingekauft. Ab Mitte 2001 lasse sich jedoch ein Vertrauenseinbruch innerhalb der Bevölkerung gegenüber konventionellen Lebensmitteln als Folge der BSE-Fälle nicht mehr nachweisen. Dies beweise die "Kurzlebigkeit von Lebensmittelskandalen", schreibt die Autorin der Studie, Maike Bruhn.

Psychologie-Professor Joerg M. Diehl von der Justus-Liebig-Universität in Gießen pflichtet dem bei: "Die meisten der als Skandale dargestellten Lebensmittelprobleme können nach einer gewissen Zeit als abgeschlossen angesehen werden". Mit nachlassendem Medieninteresse kehre der Konsument relativ rasch zu alten Verhaltensmustern zurück, sagt Professor Diehl.

Für Naturkost und Naturwaren werde auch weiterhin eine starke Nachfrage bestehen, prognostizieren dagegen die Veranstalter der Biofach, der weltgrößten Messe für Bioprodukte, die am Donnerstag in Anwesenheit von Verbraucherschutzministerin Renate Künast in Nürnberg eröffnet wird.

Deutschland ist der mit Abstand größte Absatzmarkt für Naturkost in Europa. Über deutsche Ladentische gingen im vergangenen Jahr rund 30 % mehr Bio-Produkte. Inzwischen hat Naturkost am Lebensmittel-Gesamtmarkt mit 138 Mrd. Euro einen Anteil von 3,7 % erobert.

Auf eine dauerhafte Etablierung im Lebensmitteleinzelhandel hofft vor allem die expandierende Bio-Branche. Sie erwartet einen Nachfrageschub durch die geplante Ausweitung des Naturkost-Sortiments großer Handelsketten.

Nach Angaben der Veranstalter der Biofach-Messe ist Deutschland europaweit mit rund 546 000 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche hinter Italien zweitgrößter Erzeuger von Ökowaren. Fast 13 000 Biobauern würden über 3 % der gesamten Anbaufläche Deutschlands bewirtschaften. In ganz Europa werden derzeit fast 4,3 Mill. Hektar Land von 152 000 Betrieben ökologisch bewirtschaftet.

Im Gegensatz zur herrschenden Meinung ist nach der Kieler Studie die Zahlungsbereitschaft für Bio-Produkte im Bevölkerungsdurchschnitt wieder gesunken. Wegen der aufwendigen Herstellung liegen die Preise für Bio-Produkte im Durchschnitt um etwa 20 % über den Preisen für konventionelle Lebensmittel. Die Untersuchungsergebnisse deuteten darauf hin, dass die Nachfrage nicht ausreichen wird, um das Ziel von Verbraucherschutzministerin Künast, eine Steigerung auf 20 % Bio-Umsatz in den nächsten zehn Jahren, zu erreichen. Dazu seien zusätzliche Impulse nötig.

Neben dem kürzlich eingeführten nationalen Bio-Siegel sei die Stimulierung der Nachfrage auf weitere Marketing-Aktionen des Handels angewiesen. So könnte dann auch der Gelegenheitskäufer erreicht, Bio-Produkte erfolgreich im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel etabliert und auch ein höherer Preis erzielt werden, prognostiziert die Kieler Studie.

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