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30.06.2000

17:13 Uhr

dpa MOSKAU. Im Aufsichtsrat des russischen Erdgasmonopolisten Gasprom betritt Ruhrgas Vize-Vorstandschef Burckhard Bergmann ein hartes Pflaster. Der Name Gasprom steht in Russland für Geld, Einfluss und Staatsräson. Das Unternehmen mit den milliardenschweren Deviseneinnahmen ist im finanzknappen Russland der Hauptgeldgeber der Regierung und ein wichtiger Faktor im innenpolitischen Machtkampf. In den vergangenen Jahren geriet Gasprom immer wieder in den Mittelpunkt von Intrigen mächtiger Clans, und wirtschaftliche Argumente hatten bei wichtigen Entscheidungen häufig das Nachsehen vor der politischen Konjunktur.

Bergmann ist sich der schwierigen Rolle des ersten und einzigen Ausländers im Aufsichtsrat des staatstragenden Paradeunternehmens Russlands durchaus bewusst. Nach seiner Wahl verzichtete er demonstrativ auf eine gesonderte Pressekonferenz und übte sich in Zurückhaltung. "Ich arbeite in den Gremien, und nicht in der Öffentlichkeit", betonte er stets auf heikle Fragen nach Vorwürfen von Misswirtschaft, mangelnder Transparenz und politischer Verflechtungen, die in Russland gegen den Gasgiganten erhoben werden.

Bergmann betritt den Aufsichtsrat in keiner leichten Zeit für den Gasmonopolisten. Der Einfluss des Kremls, der seit Jahren mehr Kontrolle über die Finanzen des Unternehmens haben wollte, ist mit der Wahl des 34-jährigen Vize-Chefs der Präsidialverwaltung, Dmitri Medwedew, zum Aufsichtsratsvorsitzenden nach Meinung Moskauer Beobachter deutlich gestiegen. Und der Kreml-Einfluss hatte in der Vergangenheit, beispielsweise beim Erdölpipeline-Betreiber Transneft, schon zur Vergabe politisch motivierter und wirtschaftlich umstrittener Kredite geführt.

Zudem fehlt dem Unternehmen Geld, um die rückläufige Gasförderung durch massive Investitionen wieder anzukurbeln. Die Begleichung der Schulden russischer und ex-sowjetischer Abnehmer in Höhe von umgerechnet gut fünf Mrd. $ ist nicht zu erwarten. Auch politisch ist das Klima für den Konzern eher getrübt. In dem Konflikt des Kremls mit dem einflussreichen Medienmogul Wladimir Gussinski steht Gasprom im Kreuzfeuer mit einem 48-prozentigen Anteil an dessen Flaggschiff-Sender NTW.

Im Mai kommenden Jahres steht außerdem möglicherweise ein Kampf um die Führung des Konzerns bevor, wenn der Vertrag des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Rem Wjachirew ausläuft. Es wird angenommen, dass Wjachirew, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Reformen wie die Zerschlagung des Gas-Monopolisten abwehren konnte, dann den Posten verlässt. Wenige Tage vor der Hauptversammlung erneuerte die Wirtschaftszeitung "Kommersant" alte Spekulationen, wonach Wjachirew bereits damit begonnen habe, einen Teil von Gasproms Erdgasreserven in selbstständige Firmen auszulagern, die er nach Verlassen der Konzernspitze übernehmen wolle.

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