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24.03.2003

15:15 Uhr

Weltmeister sieht keine „Krise“

Schumi nach „Anfängerfehler" in der Schusslinie

Kritik an Michael Schumacher, ein neuer junger Gegner - und im Ferrari-Land wird schon eine drohende Wachablösung befürchtet: Nachdem der Weltmeister zum ersten Mal seit Juli 2000 in zwei Rennen hintereinander das Podium verpasste, ist der letztjährige Dominator der Formel 1 in Zugzwang geraten. "Iceman" Kimi Räikkönen sagte ihm den Kampf an, Italiens Presse nahm dem Ferrari-Star den Fehler beim Großen Preis von Malaysia übel. Doch Schumacher wollte die ungewohnte Situation nicht überbewerten.

Michael Schumacher sieht sich viel Kritik ausgesetzt. Foto: dpa

Michael Schumacher sieht sich viel Kritik ausgesetzt. Foto: dpa

HB/dpa SEPANG. "Man darf aus Rennen, die nicht perfekt laufen, nicht die falschen Schlüsse ziehen. Schon gar nicht befinden wir uns bereits in einer Krise, wie ich es schon vor dem Rennen in Malaysia gehört habe", erklärte er am Montag auf seiner Homepage: "Das waren besondere Bedingungen bei diesen Rennen, zudem haben meine Fehler nicht gerade geholfen."

Von Anfang an habe er darauf hingewiesen, dass diese WM enger werde. "Es wäre ja vermessen zu glauben, dass es eine zweite Saison wie 2002 geben könnte - das haben wir auch nie geglaubt", so der ins Hintertreffen geratene Titelverteidiger, für den Panik-Reaktionen wie ein verfrühter Einsatz des neuen Autos kein Thema sind: "Es wäre dumm, jetzt etwas zu forcieren, was sich im Nachhinein als überstürzt erweisen würde. Unser altes Auto ist immer noch schnell genug."

Der fünfmalige Champion musste sich am Montag wegen seiner Kollision nach dem Start in Sepang harte Worte von Italiens Presse gefallen lassen, die in Silberpfeil-Pilot Räikkönen einen potenziellen Nachfolger sieht. "In Malaysia hat die Zukunft der Formel 1 begonnen", titelte die Zeitung "Liberta". Der "Corriere della Sera" sah "Ferrari von Schumacher um den Erfolg gebracht". Die "Gazzetta dello Sport" schrieb von einem "Anfängerfehler". Das Blatt "Il Nuovo" fand gar: "Raikkönen super - Schumi katastrophal"

Der neue WM-Erste aus Finnland, der seinen Spitznamen wegen seiner Coolness bekommen hatte und in die Fußstapfen seines Landsmanns Mika Häkkinen trat, befasst sich nun auch öffentlich mit einem möglichen Titel. "Mein nächstes Ziel ist die WM", meinte er. "Es ist toll, sie anzuführen. Ich hoffe, dass ich das auch nach dem letzten Rennen tun kann", sagte der 23-Jährige, der mit seiner ruhigen Art und dem unbeteiligt wirkenden Gesichtsausdruck einen äußerst abgeklärten Eindruck macht. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, selbst überrascht über den tollen Saisonstart und die WM-Doppelführung, sieht die Chance: "Jetzt sind wir schon heiß auf den Titel." Zeit zum Feiern blieb dem in der Schweiz lebenden Jungstar in Malaysia nicht. Noch am Abend flog das Team nach Europa zurück. "Wir machen eine Party bei Singapur Airlines", kündigte Räikkönen an.

Schumacher, der seit Ende Februar in Australien und Asien unterwegs war, war froh, am Montag wieder zu Hause zu sein. Für ihn und Ferrari hat sich der Druck durch den verkorksten Saisonstart und der von der Öffentlichkeit nicht erwarteten McLaren-Mercedes-Stärke sehr erhöht. Eine Wachablösung ist es zwar nicht. Denn die ersten beiden Grand Prix lassen wegen der Umstände und der Schumacher-Fehler keine exakten Folgerungen über die Kräfteverhältnisse zu. Aber wenn der Ferrari-Star auch das nächste Rennen in Brasilien nicht gewinnt, dann könnte es in der WM eng werden. Derzeit führt Räikkönen (16) vor seinem Kollegen David Coulthard (10) sowie fünf punktgleichen Fahrern einschließlich Schumacher (8).

Wer nur auf die Statistik sieht, könnte sich um den Champion sorgen. Über zweieinhalb Jahre ist es her, dass Schumacher in zwei aufeinander folgenden Grand Prix nicht unter den besten Drei war: Im Juli 2000 in Magny-Cours, Spielberg und Hockenheim.

In Brasilien wird Schumacher laut Teamchef Jean Todt erneut im Vorjahres-Ferrari antreten. Das neue Auto soll beim Europa-Auftakt am 20. April in Imola kommen. Doch zwei Test-Unfälle verzögerten die Entwicklung des F2003-GA. Auch McLaren hat ein neues Auto in petto. "Wir haben Steigerungspotenzial", so Haug. Räikkönen womöglich auch. Der Youngster, den McLaren 2001 für angeblich 18 Mill. Dollar aus dem Vertrag bei Sauber gekauft hatte, atmete in Sepang auf, nachdem er schon 2002 in Magny Cours und zuletzt in Melbourne fast gewonnen hätte: "Der Sieg macht mein Leben leichter. Denn nun werde ich nicht immer gefragt, wann es endlich so weit ist."

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