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24.02.2003

15:15 Uhr

Weltmeister über 4x5 km

Staffel-Damen außer Rand und Band

Das Schwenken der deutschen Fahne auf der Zielgeraden war für Evi Sachenbacher anstrengender als die letzte 5- km-Schleife des Gold-Rennens von Val die Fiemme. Mit ihrem Staffelsieg bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften krönten sich Manuela Henkel, Viola Bauer, Claudia Künzel und die Schlussläuferin aus Bayern ein Jahr nach dem Olympiasieg endgültig zu den "Königinnen der Loipe".

Jubelnd schließen Manuela Henkel (li.) und Viola Bauer (re.) Schlussläuferin Evi Sachenbacher im Zielraum in die Arme. Foto: dpa

Jubelnd schließen Manuela Henkel (li.) und Viola Bauer (re.) Schlussläuferin Evi Sachenbacher im Zielraum in die Arme. Foto: dpa

HB/dpa VAL DI FIEMME. Mit 23 Sekunden Vorsprung auf Finnland kam Sachenbacher am Montag ins Ziel, wo sie von ihren Kolleginnen jubelnd in die Arme geschlossen wurde. Bronze ging an Norwegen. "Ich wollte schon immer mal mit der Fahne in der Hand das Ziel erreichen. Aber die war ganz schön schwer, schwerer als der ganze Lauf. Ich musste nicht ans Limit gehen. Es ist ein Wahnsinn", sagte 22-Jährige nach dem ersten WM-Sieg einer deutschen Frauen-Staffel seit 1980.

Bundestrainer Jochen Behle platzte nach dem souveränen Erfolg fast vor Stolz. "Das ist die Arbeit von mehreren Jahren. Wir haben eine junge Mannschaft und gut gearbeitet. Ich glaube nicht, dass dies schon das Ende war", meinte der "Goldschmied" des deutschen Langlaufs, der seinem Weltmeister-Quartett spontan frei gab: "Die Damen dürfen heute Abend ausgehen." Viola Bauer deutete an, die Freizeit nutzen zu wollen. "Ich hoffe doch, dass sich das eine oder andere Fläschchen Sekt finden lässt", meinte die Oberwiesenthalerin.

In der Loipe von Lago di Tesero hatte sich das DSV-Quartett von Beginn an Chancen ausgerechnet, zumal es gute Erinnerungen gab: Auch in Salt Lake City hatte Evi Sachenbacher mit der Silbermedaille im Sprint zwei Tage vor der Staffelentscheidung für einen Motivationsschub gesorgt. Dieses Mal war es der zweite Platz im Skiathlon. "Als wir auch noch hörten, dass Bente Skari wegen ihrer Erkrankung nicht für Norwegen starten kann, stiegen unsere Aussichten", sagte Startläuferin Manuela Henkel (Oberhof), die taktisch hervorragend lief und als Dritte übergab. Im internen Duell mit Schwester Andrea Henkel hat die "Große" nun vorgelegt, denn die Biathlon-Olympiasiegerin war noch nie Staffel-Weltmeisterin.

Besonders glücklich war Behle über die Leistung von Viola Bauer. Die Oberwiesenthalerin hatte sich eine Woche lang mit einer schweren Erkältung herum geplagt. "Sicher war sie der größte Risikofaktor. Aber auch sie hat die Marschrichtung voll umgesetzt. Die 20 Sekunden Rückstand auf Norwegen waren in etwa das, was wir vorausgesehen hatten", lobte der Coach, der dann locker auf die Skatingdistanzen blicken konnte.

Claudia Künzel teilte sich ihr Rennen perfekt ein, machte Sekunde um Sekunde gut. Als dann die Norwegerin Hilde Pedersen auf einer langen Abfahrt stürzte und viel Zeit verlor, griff die Oberwiesenthalerin an und gab Sachenbacher acht Sekunden Vorsprung auf den Weg. "Es konnte nicht mehr viel schief gehen. Ich bin einfach los gelaufen und dann hörte ich, dass der Abstand immer größer und größer und größer wurde. Die Zieleinfahrt war einfach super", schwärmte sie.

"Der WM-Titel ist nicht sensationell überraschend. Selbst wenn Claudia den Rückstand nicht wett gemacht hätte, die Evi wäre wohl ran gekommen", analysierte Behle nüchtern. Auch dem Sturzpech der Norwegerinnen wollte er keine entscheidende Bedeutung bei messen. "Wenn man gesehen hat, wie Claudia auf den letzten zwei Kilometern gelaufen ist, wäre sie auch so an Pederseen heran gekommen."

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