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27.01.2003

15:09 Uhr

Weltsozialforum

Chávez sorgt für Verstimmung

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat mit seinem Besuch in Porto Alegre für Verstimmung auf dem Weltsozialforum in der südbrasilianischen Großstadt gesorgt. Der Staatschef sei nicht eingeladen worden, betonte ein Sprecher am Sonntag auf Anfrage.

HB/dpa PORTO ALEGRE. Obwohl viele der Forumsteilnehmer Sympathien für Chávez und dessen erklärtes Ziel der Armutsbekämpfung äußerten, war in der Zeitung des Treffens eine Teilnahme des Staatschefs an Veranstaltungen abgelehnt worden. Politiker werden traditionell nicht zu dem Welttreffen der Globalisierungskritiker eingeladen.

Unterdessen wurden die bekannten Soziologen, Schriftsteller und Theologen, der Uruguayer Eduardo Galeano, der Schweizer Jean Ziegler, der Brasilianer Leonardo Boff und die Inderin Radha Kumar in einer überfüllten Halle von 20 000 Zuhörern gefeiert. Sprecher forderten übereinstimmend, den Menschen und nicht die Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt zu stellen.

Galeano rief zum Aufbau einer Weltöffentlichkeit von unten auf. Nur gemeinsam und solidarisch könnten sich die Menschen gegen die übergroße Macht der Großunternehmen und Banken sowie die von den USA ausgehende Kriegsgefahr zur Wehr setzen. "Sich gemeinsam verteidigen und die Nahrung teilen", diese uralte Strategie des Menschen sei auch heute noch aktuell, sagte Galeano unter großem Beifall.

Chávez, den die Opposition in Venezuela mit einem seit fast acht Wochen dauernden Streik aus dem Amt drängen will, wurde hingegen ein lauer Empfang bereitet. Zu knapp 1 000 Sympathisanten sprach er kurz von einem Balkon herab und entrichtete den "Gruß des venezolanischen Volkes". In Porto Alegre nehmen rund 100 000 Vertreter alternativer und linker Basisgruppen, Bürgerinitiativen und Gewerkschaften an dem dritten Jahrestreffen dieser Art teil.

Später wiederholte Chávez auf einer chaotisch organisierten Pressekonferenz bekannte Vorwürfe gegen die Opposition. Sie sei "ferngesteuert", den Streik gebe es gar nicht und in Wirklichkeit habe sich nur die "wirtschaftliche Elite" des Landes zu einem "Putsch" gegen ihn verschworen. "Es ist nicht die Zeit für Wahlen. Den Wahltermin bestimmt die Verfassung", wies er erneut Forderungen nach einem Rücktritt zurück.

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