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20.01.2002

19:00 Uhr

Weltweiter Markt

Großes Wachstumspotenzial für Mineral- und Tafelwasser

VonIngo Reich

Stilles Wasser findet rauschenden Absatz Mineralbrunnen leiden unter den Kampfpreisen im Handel. Deshalb haben Unternehmen nur in Nischen und mit Innovationen Erfolg. Regionale Marken stehen im harten Wettbewerb mit den Multis.

HB DARMSTADT. "Stille Wässer sind tief", mit dieser Abwandlung eines deutschen Sprichwortes kommentiert der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) die enorme Steigerung des Absatzes von Mineralwässern ohne Kohlensäure um fast 65 % im letzten Jahr.

"Bei einem noch geringen Marktanteil von 2 % am Mineralwasser-Absatz von rund 8 Mrd. Litern steckt hier noch Potenzial für die deutschen Brunnen, berichtet VDM-Geschäftsführer Wolfgang Stubbe. Von diesem Wachstum profitierte auch die Nestlé-Tochter Blaue Quellen Mineralbrunnen AG. Das in Mainz ansässige Unternehmen platzierte mit "Aquarel" , einem leicht mineralhaltigem "stillen" Quellwasser, ein Produkt auf dem Markt, das bereits im ersten Jahr nach der Einführung mit einem Umsatz von 34 Mill. Euro die Nummer eins im Bereich der Kunststoff-Einwegflaschen (PET) ohne Kohlensäure besetzt.

"Europäisches Wasserkonzept"

Eingebunden in ein "europäisches Wasserkonzept" des Schweizer Nahrungsmittelmultis umfasst der jährliche Werbeaufwand "einen zweistelligen Millionenbetrag", sagte Matthias Riehle, Marketing-Vorstand der Blauen Quellen, auf einem Getränke-Kongress der Akademie Fresenius in Darmstadt. Die Erfolgsgeschichte des stillen Wassers werde sowohl von aktuellen Gesundheitstrends als auch von einer sich verschlechternden öffentlichen Wasserversorgung - beispielsweise in Großbritannien - unterstützt. Riehle sieht hier "weitere Wachstums- und Profilierungsmöglichkeiten" der Nestlé Water Group. Die Marke Aquarel ist als Quellwasser nicht wie die Mineralwässer an einen Abfüllort gebunden. Nestlé mischt das Wasser aus verschiedenen nationalen Quellen an zwei Produktionsstandorten in den Ardennen und bei Hamburg.

Weltweit verzeichnet das Wasser-Geschäft seit Jahren stabile hohe Wachstumsraten. Bis zum Jahr 2005 rechnet die auf den Getränke- und Nahrungsmittel konzentrierte britische Unternehmensberatung Zenith International Ltd. mit einem Wachstum des Weltwassermarktes von weit mehr als 7 % jährlich. Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé, Danone, Coca-Cola und Pepsico liefern sich weltweit teilweise erbitterte Auseinandersetzungen um Marktanteile.

Starke Regionalmarken unverzichtbar

"In Deutschland wird der Handel allerdings auch auf starke Regionalmarken nicht verzichten können", setzte Ullrich Schweitzer, Marketing-Chef der Hassia & Luisen Mineralquellen GmbH & Co, Bad Vilbel, auf dem Fresenius-Getränke-Kongress einen Kontrapunkt zur Globalisierung des Marktes. Der Lebensmitteleinzelhandel brauche Marken mit Regionalkompetenz, um Kundenähe zu demonstrieren und regionalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, behauptet Schweitzer.

Der harte Wettbewerb hat in der Vergangenheit die Margen der Mineralbrunnen und der Erfrischungsgetränkehersteller schrumpfen lassen. Die Industrie greift deshalb jede Innovation dankbar auf. "Erfolgreich sind Getränke, die einen Mehrwert aufweisen - sei es der Zusatz gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe oder handliche Verpackungen und trinkfertige Mischungen", erläuterte Andreas Stücke, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) die Trends.

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