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02.01.2004

11:10 Uhr

Weltwirtschaft im Aufwind

Volkswirte streiten nur noch über die Stärke der Erholung

VonOlaf Storbeck

Bis vor kurzem gab es den Aufschwung in Deutschland nur beim Online-Auktionshaus Ebay. Mitte Dezember wurde er dort meistbietend versteigert, und das Interesse war nicht einmal sonderlich groß: Für gerade einmal einen Euro wechselte er den Besitzer - der Aufschwung, eine fast 20 Jahre alte Musikkassette mit Liedern aus der Zeit der "Neuen deutschen Welle".

HB DÜSSELDORF. Auch die Volkswirte des Landes haben um das A-Wort lange einen großen Bogen gemacht. Für 2004 sagten sie der deutschen Wirtschaft lediglich eine "moderate Erholung" voraus - ein "Auf ohne Schwung". Von einem Aufschwung aber - einer Phase, in der die Wirtschaft schneller wächst als das Produktionspotenzial - war bis in den Spätherbst hinein weit und breit keine Rede.

Das hat sich jetzt geändert: Unmittelbar vor dem Jahreswechsel wagen die ersten Ökonomen wieder, den Begriff in Bezug auf Deutschland ohne Wenn und Aber in den Mund zu nehmen. Zum Beispiel Rolf Schneider, Volkswirt bei der Allianz-Gruppe: "Erstmals seit fünf Jahren steht Deutschland wieder am Anfang eines Aufschwungs." Ein Wirtschaftswachstum von rund 2 % sei 2004 wahrscheinlicher geworden. Auch Holger Fahrinkrug, Deutschland-Experte der Großbank UBS, ist zuversichtlich, "dass der Aufschwung in der ersten Jahreshälfte einsetzt". Ihn treibt sogar die Sorge um, "dass wir die Dynamik im ersten und zweiten Quartal vielleicht etwas unterschätzen".

Fakt ist: Nach drei Jahren Stagnation sind die Aussichten für die deutsche Konjunktur so gut wie schon lange nicht mehr. Die Unternehmen blicken so optimistisch in die Zukunft wie zuletzt 1994, zeigte der Ifo-Geschäftsklima-Index. Und diese Zuversicht basiert nicht mehr nur auf dem Prinzip Hoffnung, sondern auch auf Fakten: Die Weltwirtschaft ist seit dem Sommer deutlich in Fahrt gekommen, die Auftragseingänge zeigen seit Monaten nach oben, und die Produktion zieht an. "Nachdem sich der Aufschwung eine Zeit lang nur in besseren Erwartungen widergespiegelt hat, wird er jetzt von harten Daten untermauert", sagt Fahrinkrug.

Selbst Skeptiker wie Thomas Hueck von der Hypo-Vereinsbank, der für 2004 nur ein verhaltenes Wachstum von 1,2 % erwartet, sind sich sicher: "Konjunkturell hat Deutschland fürs Erste das Schlimmste hinter sich." Zu Beginn des neuen Jahres sieht Ökonom Hueck zwei Wachstumsmotoren: "Es wird einen starken Impuls von der globalen Nachfrage geben - und wegen der Steuerentlastungen belebt sich vorübergehend auch die Inlandsnachfrage."

Uneinig sind sich die Volkswirte allerdings darüber, wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht. "Konjunkturell zerfällt das nächste Jahr in zwei Hälften", meint Hueck. Denn die Steuersenkungen würden bei der Binnennachfrage nur ein Strohfeuer verursachen, und ab dem zweiten Halbjahr würden auch die Impulse durch den Export geringer. "Das wird nicht dazu führen, dass die Erholung abbricht - aber für einen sich selbst verstärkenden Prozess ist die Dynamik zu gering", sagt Hueck.

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