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22.01.2004

09:23 Uhr

Weltwirtschaftsforum besorgt über einseitiges Vorgehen der USA

Der globale Terror ist brutaler geworden

VonChristoph Rabe

Der internationale Terrorismus hat mit den Anschlägen am 11. September 2001 die Welt verändert. Seither ist die Terrorbekämpfung Top-Thema bei allen Gipfeltreffen. Zum Auftakt in Davos kam eine Zwischenbilanz zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus fallen mager aus.

Großbritanniens Außenminister Jack Straw verteidigte das Vorgehen der Alliierten im Irak.

Großbritanniens Außenminister Jack Straw verteidigte das Vorgehen der Alliierten im Irak.

HB DAVOS. Und auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Stichworte Sicherheit und Terrorismus nichts von ihrer Brisanz verloren, selbst wenn das Problem in einer Umfrage von PriceWaterhouseCoopers für Unternehmer nicht mehr an erster Stelle rangiert. Eine Zwischenbilanz namhafter Terrorexperten vor dem offiziellen Auftakt des fünftägigen Forums im Schweizer Nobelskiort, zu dem mehr 2100 Teilnehmer angereist sind, brachte ein ernüchterndes Resultat. Erfolge im Kampf gegen den Terror fallen mager aus. Türkei, Israel, Irak, Saudi Arabien, Afghanistan, Pakistan, Südostasien: wie eine Perlenschnur reihen sich Anschläge nach dem 11. September rund um die Welt auf. Gareth Evans, Präsident der in Belgien ansässigen International Crisis Group (ICG), konstatiert ebenso wie der ehemalige Ministerpräsident Israels, Ehud Barak, dass der globale Terror brutaler geworden sei. Selbstmordanschläge forderten immer höhere Opferzahlen und seien mit herkömmlichen Methoden kaum zu verhindern. "Wir können uns nicht mehr auf die Aufklärung verlassen", sagt Evans. Er fordert daher, die Strategien im Anti-Terror-Kampf grundlegend zu überdenken.

Die Hoffnungen der USA, nach dem Ende des Irak-Krieges das Land dauerhaft zu befrieden, haben sich nicht erfüllt. Mehr amerikanische Soldaten sind nach dem Krieg durch Anschläge als während des offiziellen Einmarsches im Irak ums Leben gekommen. Jessica Stern von der Harvard Universität schiebt der US-Regierung dafür die Verantwortung zu. "Die USA haben die gesamte islamische Welt beleidigt. Das treibt Terrornetzen wie El Kaida immer neue Anhänger zu."

Der britische Außenminister Jack Straw nimmt den Koalitionspartner dagegen in Schutz. "Die Auffassung, dass der Krieg im Irak dem Krieg gegen den Terror geschadet habe, kann ich nicht teilen", sagte er über die Neuordnung des Iraks. "Der Krieg hat der Region mehr Sicherheit gebracht. Hätten wir untätig dagesessen, wäre die Welt heute in einem weitaus gefährlicheren Zustand." Zwar unterstreicht Straw in Davos, dass er selbst nie eine Verbindung zwischen El Kaida und dem Regime von Saddam Hussein gezogen habe, doch für ihn sei klar, dass Bagdad international tätige Terrorgruppen im Kampf gegen Israel unterstützt habe.

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