Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2005

13:58 Uhr

Weltwirtschaftsforum bringt zerstrittene Parteien an einen Tisch

Israelis und Palästinenser wollen die Gunst der Stunde nutzen

VonChristoph Rabe

Die Magie wirkt noch immer: Die Atmosphäre des Weltwirtschaftsforums bringt selbst tief zerstrittene Parteien zusammen. Zum ersten Mal seit Jahren saßen in Davos wieder hochrangige Politiker aus Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde an einem Tisch. "Der Zauber ist zum Berg zurückge-kehrt", schwärmte Israels Vizepremier Schimon Peres.

DAVOS. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, der ebenfalls in Davos erwartet worden war, ist am Samstag in Kairo mit dem ägyptischen Staatschef Husni Mubarak zusammengekommen. Es war das erste Treffen der beiden Politiker seit Abbas' Wahlsieg vor knapp drei Wochen.

Peres erinnert sich noch gut an jene Tage vor mehr als zehn Jahren, an dem der erste wichtige Brückenschlag zwischen Israel und den Palästinensern gelang. 1994 verhandelte Peres mit dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat - ebenfalls inspiriert durch Davos. Erst Arafats Tod hat jetzt die Voraussetzungen geschaffen, um den unterbrochenen Friedensprozess wieder zu beleben. "Es gibt dramatische Veränderungen im Nahen Osten", stellt Israels Wirt-schaftsminister Ehud Olmert fest. Für Israel und die Palästinenser sei es jetzt besonders wichtig, die richtigen Prioritäten festzulegen.

Für die PLO steht fest, dass das Angebot von Israels Premier Ariel Scharon, mit Abbas in Kürze zu einem Gespräch zusammenzutreffen, bestenfalls den Auftakt bilden kann, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und den Friedensprozess fortzusetzen. Am Ende müsse die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates stehen, forderte Jassir Abed Rabbo, Mitglied des E-xekutivkomitees der PLO. "Wir haben eine Menge in kurzer Zeit erreicht. Jetzt müssen wir uns den entscheidenden Fragen ohne Vorbedingungen stellen."

Das sieht auch Peres so. "Ich bin wirklich erstaunt, dass zum ersten Mal Ankündigungen tatsächlich umgesetzt werden", sagte er mit Blick auf die Bemühungen von Abbas, die Gewalt gegen Israel zu unterbinden. "Abbas hat die Atmosphäre komplett verändert." Der israelische Vizepremier fordert rasches Handeln, um die politischen Strukturen auf beiden Seiten der neuen Lage anzupassen. "Wir müssen die Dynamik politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich erhalten und den Eindruck festigen, dass Frieden nicht nur ein hohles Versprechen ist, sondern sofort Veränderungen in den Lebensverhältnissen bewirkt." Peres nannte diesen Prozess die "wirtschaftliche Demo-kratisierung".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×