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11.07.2000

16:07 Uhr

gk/rje. Die Herrscher über den Ameisenhügel versuchen das zurzeit nahezu Unmögliche: So wollen gegen die Stimmung am Markt ihre Internet-Neuemission plazieren - koste es, was es wolle. Jetzt oder nie lautet das Motto, denn kommt es nach dem Aus für boo.com zu weiteren Pleiten, wird es kaum noch Anleger geben, die ihre harte Mark gegen Letsbuyit-Aktien tauschen wollen.



Das Problem für die Internet-Einkaufsgemeinschaft: Es wird soviel Geld verbrannt, d.h. die so genannte "Cash-Burn-Rate" (die Geschwindigkeit, mit der die liquiden Mittel in einem Unternehmen durch Investitionen oder Kosten verbraucht werden), ist so hoch, dass ohne frisches Kapital der schnelle Untergang droht. Daran hätten auch die Venture-Capitalgeber keinen Spaß. Das Kapital der Anleger muss endlich her.



Doch schon warten neue Probleme: Entscheidet sich das Unternehmen, an der festgelegten Bookbuildingspanne von 6 bis 7 Euro festzuhalten, wären auf Basis der aktuellen Graumarktkurse von 4 zu 5,50 Euro hohe Zeichnungsverluste der Anleger nahezu sicher. Ein Ende der Negativschlagzeilen im Rahmen des Börsenganges wäre nicht in Sicht.

Andererseits kann Letsbuyit.com, auf keinen Cent des möglichen Emissionspreises zu verzichten, denn das Unternehmen braucht das Geld, und möglicherweise weitaus mehr als es durch den Börsengang erlösen kann.

Zur Zeichnung wurden 16,7 Mill. Aktien aus einer Kapitalerhöhung angeboten. Weitere 2,5 Mill. Aktien werden als Greenshoe bereit gestellt. Schon die Kapitaleinnahmen von 115,2 Mill. bei einem Ausgabepreis von 6 Euro könnten sich als zu niedrig erweisen, falls die beeindruckende Cash-Burn-Rate fortgesetzt wird.

1999 erwirtschaftete das Unternehmen bei 2,2 Mill. Euro Umsatz 24,4 Mill. Verlust. Auch im laufenden Jahr werden tiefrote Zahlen erwartet. Auf Jahressicht soll der Fehlbetrag bei stolzen 116 Mill. Euro liegen. In den folgenden Jahren sind ebenfalls Verluste im zweistelligen Millionenbereich vorgesehen.

Der Zeitraum bis zum vollständigen Kapitalverzehr würde durch einen niedrigeren Emissionspreis weiter verkürzt. Es erscheint zweifelhaft, ob eine dann notwendige erneute Kapitalerhöhung am arg strapazierten Markt auf mehr Gegenliebe stoßen würde als die aktuelle Emission oder ob sich die Venture-Capitalgeber zu neuen Finanzierungsrunden hinreißen lassen.



Allein die Tatsache, dass die Anleger bis zur letzten Minute hingehalten werden, zeigt wie bedrohlich die Lage für das Unternehmen ist und wie risikoreich, eigenes Geld in den Ameisenhaufen zu stecken.

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