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27.01.2002

19:03 Uhr

Weniger Baugenehmigungen – Preise unter Druck

Fertighausbranche leidet unter Überkapazitäten

VonKARINA JUNGHANNS

Der Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser ist stark eingebrochen. "Die Folgen für die Fertighausbranche sind dramatisch. Allein in diesem Jahr wird etwa ein Viertel aller Hersteller aufgeben müssen", sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, Bad Honnef. Derzeit tummeln sich in der Branche etwa 300 Anbieter.

DÜSSELDORF. Erste Vorboten einer Marktbereinigung gab es bereits: So hat die AG vor wenigen Tagen die Markenrechte und den Vertrieb der insolventen Ex-Norm erworben. Im Dezember wurde die österreichische Elk Fertighaus AG durch die Beteiligung an der Bien-Haus AG, die ihrerseits eng mit dem Fertighaushersteller Zenker kooperiert, zum Marktführer in Europa. Gemeinsames Ziel: In dem schwerer werdenden Umfeld versuchen die Unternehmen Synergien im Vertrieb, in der Produktion und im Verkauf zu erzielen.

Eine Entspannung des Wohnungsmarktes ist nicht in Sicht, bestätigt auch Heiko Stiepelmann, Geschäftsführer des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, Berlin. Er rechnet in diesem Jahr mit weiter rückläufigen Baugenehmigungen. Allein in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres wurden mit 150 000 Ein- und Zweifamilienhäusern 15 % weniger Baugenehmigungen erteilt als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 1999 wurden noch etwa 243 000 Häuser genehmigt. "Mit einem Marktanteil von 14 Prozent ist die Fertighausbranche von dieser Entwicklung stark betroffen", resümiert Klaas. Den Grund für die sinkende Nachfrage sieht Stiepelmann vor allen in der gekürzten Förderung des selbst genutzten Wohneigentums. "Der Wohnungsbau braucht stabile wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen. Weitere Einschnitte bei der Eigenheimzulage, wie sie bereits angedacht sind, kann der Markt nicht mehr verkraften.", ist der Bauexperte überzeugt.

Klaas macht dagegen die exorbitant gestiegenen Baulandpreise für die Zurückhaltung der potenziellen Häuslebauer verantwortlich. "Die Stadtflucht der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass die Baulandpreise inzwischen auch in den Einzugsgebieten der Ballungszentren stark gestiegen sind. Sie liegen heute für ein 500 qm großes Grundstück zwischen 250 000 Euro und mehr als 1 Mill. Euro", so Klaas.

"Geht die Zahl der Baugenehmigungen weiter zurück, wird der Arbeitsmarkt zusätzlich belastet und die Zahl der Insolvenzen steigt", zeigt sich Klaas besorgt. Bereits heute seien die Überkapazitäten in der Branche so hoch, dass Preissteigerungen am Markt vorerst nicht durchgesetzt werden könnten. "Die Preise werden erst dann wieder steigen, wenn der Markt bereinigt ist", meint Klaas. Bis dahin wird sich die Fertighausbranche mit Margen von unter einem Prozent zufrieden geben müssen.

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