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29.01.2003

16:30 Uhr

Weniger Finanzmittel als geplant verbraucht

GPC Biotech übertrifft die Erwartungen

Das am Neuen Markt notierte Biotechunternehmen GPC Biotech AG hat mit einem kräftigen Umsatzwachstum und gesunkenen Verlusten im Jahr 2002 die Erwartungen der Marktteilnehmer übertroffen. Die GPC-Aktie reagierte auf die Zahlen mit einem Kursanstieg von zeitweise knapp 13 Prozent.

Reuters MARTINSRIED. Die vor allem in der Krebsforschung tätige Gesellschaft habe im vergangenen Jahr weniger Finanzmittel als geplant verbraucht, teilte GPC Biotech am Mittwoch mit. Vorstandschef Bernd Seizinger sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die letzte Entwicklungsphase des Krebsmedikaments Satraplatin vor dem Marktauftritt werde in Europa und den USA im dritten Quartal beginnen. Zudem wolle GPC weitere Allianzen eingehen.

Umsatz um 54 Prozent gestiegen

Der Umsatz stieg 2002 den vorläufigen Zahlen zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent auf 21,5 Millionen Euro. Der Fehlbetrag aus der laufenden Geschäftstätigkeit verringerte sich auf rund 27 (Vorjahr: 29,4) Millionen Euro. GPC begründete das Umsatzplus vor allem mit Zahlungen des Minderheitsaktionärs Altana, mit dem das Unternehmen an der US-Ostküste derzeit ein Forschungsinstitut aufbaut. Der Bad Homburger Pharmakonzern ist mit 8,3 Prozent an GPC beteiligt.

Der Netto-Finanzmittelverbrauch habe 2002 rund 26 Millionen Euro betragen und liege damit deutlich unter der ursprünglich erwarteten Marke von 32 Millionen Euro, erklärte die in Martinsried bei München ansässige GPC. Die liquiden Mittel beliefen sich Ende 2002 auf mehr als 117 (Ende 2001: 143,6) Millionen Euro. Für 2003 rechnet GPC mit einem Umsatz von 22 bis 23 Millionen Euro und einem Netto-Verlust von 33 bis 38 Millionen Euro. Pro Quartal werde der Netto-Finanzmittelverbrauch neun Millionen Euro betragen.

Die Zahlen lägen etwas über den Erwartungen, sagte Hanns Frohnmeyer, Analyst bei der LBBW. GPC sei in der Regel zuverlässig. "Bei Biotechunternehmen ist der Verlusthorizont relativ lang und darum ist es schon ein Wert an sich, wenn ein Konzern das einhält, was er verspricht."

GPC-Aktien legen zu

Am Neuen Markt legten die GPC-Aktien in der Spitze um 12,8 Prozent auf 2,90 Euro zu und notierten am Nachmittag noch mit 4,3 Prozent im Plus auf 2,68 Euro. Die Aktienumsätze bei GPC waren am frühen Nachmittag bereits mehr als doppelt so hoch wie an einem gesamten Durchschnittstag. Mehr als zehn Prozent des gesamten Geschäfts im Nemax50 konzentrierte sich auf dieses Papier. Trotz der Kursgewinne vom Mittwoch haben die GPC-Titel seit Jahresbeginn gut 15 Prozent verloren. Damit gehörten sie zu den zehn schlechtesten Werten im Nemax50. Der Auswahlindex selbst verlor im gleichen Zeitraum knapp 2,5 Prozent.

GPC arbeitet unter anderem an der Entwicklung des Krebsmittel Satraplatin, das zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt werden soll, der auf Hormontherapie nicht mehr anspricht. Die wichtige zweite klinische Erprobungsphase, in der die Wirksamkeit, die Dosis und die Verabreichungsform bei 20 bis 300 Patienten getestet wird, habe das Präparat bereits bestanden, sagte Seizinger in einem Gespräch mit Reuters.

Nach dem geplanten Marktstart 2007 rechnet Seizinger bei dem Mittel mit Spitzenumsätzen von rund 150 Millionen Dollar. "Sollte das Medikament auch zur Behandlung anderer Tumore und in Verbindung mit Strahlentherapie eingesetzt werden können, erwarten wir deutlich höhere Umsätze", sagte der GPC-Chef. "Noch dieses Jahr oder 2004 hätten wir gerne einen passenden Partner in Japan, um in Zukunft auch auf dem asiatischen Markt mit dem Krebsmedikament präsent sein zu können", fügte er hinzu.

GPC rechnet nach den Worten Seizingers künftig mit einer Reihe von weiteren Allianzen mit Pharmafirmen unter Nutzung seiner so genannten Reverse Genomics Technology. "Es wird wohl mindestens eine neue Verbindung dieses Jahr geben." Mit der Technologie der Martinsrieder wird pharmazeutischen Unternehmen die Auswahl an möglichen Arzneimittel-Wirkstoffen erleichtert, die einmal in die klinische Prüfung gebracht werden sollen.

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