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25.04.2003

12:41 Uhr

Weniger Preisdruck spürbar

Deutsche Inflation wegen billigeren Öls rückläufig

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind im April wegen der im Verlauf des Irak-Krieges deutlich gefallenen Rohölpreise etwas gesunken. Nach vorläufiger Berechnung des Statistischen Bundesamtes vom Freitag mussten die Verbraucher 0,2 % weniger für ihre Lebenshaltung aufwenden als im März. Die Jahresinflation ging auf 1,1 von 1,2 % im Vormonat zurück.

Reuters BERLIN. Heizöl verbilligte sich je nach Bundesland um bis zu 24 %, Kraftstoffe wie Benzin um bis zu fünf Prozent. Volkswirte werteten die im europäischen Vergleich extrem niedrige Inflationsrate auch als Zeichen für die Schwäche der deutschen Wirtschaft. Bis zum Jahresende würden die Preise nur moderat steigen, dann komme es darauf an, ob die Konjunktur anziehe.

Sinkender Rohölpreis schlägt auf Verbraucherpreise durch

Von Mitte März bis Mitte April war der Preis für Rohöl an der Londoner Warenterminbörse um gut 25 % gefallen. Mit einem Minus von 24,1 % bei Heizöl schlug der Preisrückgang am stärksten in Sachsen durch. "Die rückläufige Preisentwicklung zum Vormonat wird entscheidend von den fallenden Preisen für Heizöl und Kraftstoffe beeinflusst", erklärte das Bundesamt. Neben dem Freistaat hatten fünf weitere Länder zuvor ihre Preisdaten veröffentlicht. Die Länderpreise dienen dem Bundesamt als Grundlage für die Berechnung der vorläufigen Teuerung für Deutschland. Im März waren die Preise zum Vormonat um 0,1 % gestiegen, zum Vorjahresmonat um 1,2 %.

Die Preisveränderungen in den Produktgruppen außer Energie fielen insgesamt moderat aus. Saisonabhängige Lebensmittel wie Obst und Gemüse verbilligten sich zum Vorjahr meist deutlich, waren aber teurer als im März. Alkohol und Tabakwaren waren teurer als vor einem Jahr, in Nordrhein-Westfalen etwa um 6,6 %. "Man muss derzeit nur aufs Öl schauen, dann weiß man, was in Deutschland mit den Preisen passiert. Ansonsten ist auf Grund der Konjunkturlage sehr wenig Preisdruck da", sagte Ulla Kochwasser von der japanischen Mizuho Corporate Bank.

Inflation dürfte weiter moderat ausfallen

Da der Rückgang der Rohölpreise auch im Mai weiter wirken werde, werde die Inflationsrate im nächsten Monat "mit ein bisschen Glück unter ein Prozent sinken", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Danach werde die Rate jedoch wieder in einer Spanne zwischen einem und 1,5 % pendeln. Auch Julian von Landesberger von der Hypo-Vereinsbank nannte einen drastischen Rückgang der Inflation unwahrscheinlich, wenn es nicht zu einer dramatischen Entwicklung beim Rohölpreis komme.

Auffallend ist nach den Worten Krämers der Abstand zwischen der Inflation in Deutschland und im Euro-Währungsgebiet mit zuletzt 2,4 %: "Das ist typisch für schwach wachsende Länder, die sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten." Weil eine Abwertung der Währung in Deutschland nicht möglich sei, würden die Preise gesenkt. Kochwasser sagte, bis zum Jahresende werde die Inflation moderat ausfallen: "Dann wird es darauf ankommen, ob die Konjunktur anspringt und die Unternehmen wieder mehr Möglichkeit zu Preiserhöhungen haben werden."

Volkswirte erwarten weitere Zinssenkungen der EZB

Der für die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidende harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland sank im April zum Vormonat um 0,2 % und lag damit um 1,1 % über dem Vorjahresmonat. Für die Euro-Zone sieht die EZB bei einer Inflationsrate von höchstens zwei Prozent Preisstabilität als gegeben an. Von Landesberger sagte, derzeit dürften die Inflationsdaten für die EZB aber keine große Rolle spielen. "Für die Geldpolitik sind 2,1 oder 2,2 % egal." Die Mehrzahl der Volkswirte erwartet, dass die EZB den Leitzins von derzeit 2,5 % weiter senken wird.

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